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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMontag, 19. November 2018 

Der kleine Machiavelli


von Peter Noll

Kategorie: Überblick
ISBN: 3426775123

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Eine köstliche Satire der Machtstrickereien im Unternehmen!
Der kleine Machiaveli von Peter Noll und Hans Rudolf Bachmann ist eine köstlich realistische Satire der Machtstrickereien in der heutigen Industrie! Der Leser fliegt ohne Halt über die verschiedenen Kapitel des Buchs, die die verschiedenen Stationen im Leben eines Strebers beschreiben. So werden ihm die Machtmechanismen erläutert und transparent gemacht. Als erfahrener Mitarbeiter eines klassischen Unternehmens kann sich der Leser immer wieder über zutreffende Beispiele erfreuen: Sehr oft kann er Parallele an eigens erlebten Situationen bilden. So zum Beispiel das Kapitel des politischen Schachzuges, in dem ein gezieltes und diplomatisch intelligent eingefädeltes Gutachten es ermöglicht, einen Mitbewerber um einen höheren Posten auszuschalten. Oder noch das Exempel des Opfers, um eine grössere Panne im Unternehmen öffentlich zu bereinigen. Alles nur Vorwände, die dem Ziel der Allmacht dienen! Das Buch stösst auch den Leser zum Nachdenken an : Wie korrupt sind diese Menschen, für die das Streben nach Karriere das einzige Lebensziel ist? Wieviele Frustrationen und Einschränkungen müssen sie hinnehmen, um in die vorgegebene Form zu passen und ihre Ziele zu erreichen? Im Endeffekt stellt dieses Buch die Frage nach dem Sinn und Zweck des Strebens nach Karriere, im Vergleich zu einem von Zwängen befreitem Leben. Es ist die Gegenüberstellung eines tristen Alltagslebens einer "grauen Maus" und eines lustigen, epikurianischen Lebens eines "bunten Vogels".

Was muß man tun, um erfolgreicher Manager zu werden...
... sich einfach nur an die Regeln dieses Buches halten: Betriebswirtschaft oder Wirtschaftswissenschaft studieren und zwar an der richtigen Uni, die richtigen Verbindungen knüpfen, geschicktes Power Play betreiben, die richtige Frau heiraten und vieles mehr.
Dann muß man noch die Verbote strikt beachten: eine Frau sein, einen schnittigen Sportwagen fahren, sich beim Benutzen von Produkten der Konkurrenz erwischen lassen, eine größere Grünpflanze oder einen aufwendigeren Ledersessel im Büro haben als der Chef, dem Firmengründer zum Verkauf seines Unternehmens raten, auch wenn dies noch so notwendig ist...

Entlarvend und witzig dargestellt sind diese Regeln und sie zeigen, daß Manager nicht nur Menschen sondern auch eine ganz bestimmte Spezies Mensch sind. Alle "Kreativen" und "bunten Vögel" haben wenig Chancen in die oberen Sphären der Macht vorzudringen, wo die seltsam unauffälligen "grauen Mäuse" regieren und an ihren Netzwerken knüpfen.

In diesem lustigen und zeitlos wahren Büchlein wird die Welt der Vorstandsetagen und des gehobenen Mangagments gezeigt, der Werdegang eines Managers und wieso bestimmte Firmen wider besseren Wissens ihrer Manager in den Untergang schlittern.

Auch die Moral und Verantwortung des Managers wird durchleuchtet, wobei das Buch bisweilen nach beißender Satire klingt, aber von den jüngsten Realitäten in der Weltwirtschaft regelmäßig bestätigt wird.

Alles, was in dem Buch steht ist heute noch aktuell. Deshalb habe ich mein 20 Jahre altes Exemplar nach wie vor in der Fachbibliothek stehen. Bisweilen ordere ich ein Neues, das ich an Kollegen und Freunde verschenke. Ganz besonders gerne zum Anlaß der Beförderung.

Manager in Blümchenshorts
"Sollten Sie jemals Angst vor einem Vorgesetzten oder Geschäftspartner verspüren, dann stellen sie sich den Betreffenden doch einfach in Unterhosen vor", riet mir mal ein respektloser Verkäufer. Das Büchlein erzielt eine dem weisen Rat nicht ganz unähnliche Wirkung: Stück für Stück demontiert es die "goldene Mauer", wie sie der Schriftsteller Milan Kundera genannt hat, mit der sich Mächtige und Möchtegerns umgeben, um sich eine Aura der Unangreifbarkeit zu schaffen.
Allerdings - aus heutiger Sicht erscheint einem so manches Anekdötchen im Buch doch schon ein wenig altbacken, denn seit der ersten Drucklegung und heute liegen fast zwanzig Jahre, und schon damals waren die beiden Autoren nicht mehr die jüngsten. New Economy und Turbokapitalismus haben ein schon spürbar gewandeltes Bild der Wirtschaft erzeugt. An den Spielregeln der Macht hat sich aber auch heute gar nichts geändert. Und deswegen ist die Lektüre ein aufschlussreiches Vergnügen.
Siehe auch:

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