Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSamstag, 7. Dezember 2019 

Rudolf Augstein


von Otto Köhler

ISBN: 3426777096

Kommentar abgeben
Eitle Selbstdarstellung
Dieses Buch ist keine Biografie. Es trieft dagegen nur so vor eitler Selbstdarstellung des Autors.
Was im Klapptext als "kritische Distanz" bezeichnet wird, ist nichts weiter als die (verspätete) Rache eines "Journalisten", der vom Spiegel rausgeschmissen wurde (was ich nach der Lektüre mehr als gut verstehen kann).
Die Fakten sind mehr als zweifelhaft, es wird krampfhaft versucht, einem großen Journalisten "an die Karre zu pinkeln". Dies alles wird mit unerträglichen Anekdoten und Geschichten garniert, die der pseudo-intellektuelle Autor selbst wohl witzig findet, die den Leser aber mehr und mehr aufstöhnen lassen.

Fazit: Absolut unerträglich, das Geld für einen schlechten Kaminanzünder ausgegeben. Ich habe das Buch nach 100 Seiten endgültig in die Ecke geworfen.

Der Spiegel und die Nazis
Meine Lieblingslektüre war bisher der Spiegel. Augsteins Spiegel. Er stand für mich hoch über den Parteien, absolut integer. Minister, Ministerien, Kanzler konnten fehlen, haben gefehlt - aber der Spiegel - nein, niemals. Bei Köhler nun lese ich böse Geschichten. Geschichten, die nicht ausschließlich nur in den vierziger und fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts liegen, sondern die sich wie ein roter Faden bis zum Tode Augsteins durch schlängeln.
Ich habe mich immer wieder gefragt, wie der Spiegel an so hervorragende Informationen kommt. Nach welchem Schema da gearbeitet wird. Nie und nimmer wäre ich auf die Idee gekommen zu glauben, behaupten, schreiben, der Spiegel hätte seine Wurzeln in irgend einer braunen Suppe. Hat er ja aber anscheinend, denn andernfalls säße Köhler ja wohl nur noch bei Gericht.
Köhler empfiehlt andere hervorragende Zeitschriften, z.B. die Neue Zürcher - ich glaube, ich muss mich neu orientieren.

Der braune Augstein, oder: fast eine Biographie
Wer auf die grosse Augstein Biographie gewartet hat, muss noch etwas warten. Denn Otto Köhlers Buch ist vieles, aber sicherlich nicht das Werk, das sich dem Leben und Wirken Augsteins angemessen annimmt.

Köhler sollte gelesen werden, von Lesern die an den Details des Hintergrund des Spiegels der 40iger und 50iger Jahre interessiert sind. Gleiches gilt für Augsteins angenommenen, latenten Anti-Semitismus. Dergleichen legt Köhler grossen Wert darauf, sich selbst und sein Wirken mit in sein Buch mit aufzunehmen. Durch vielfältige Wiederholungen von ein- und denselben Sachverhalten, schafft es Köhler so immerhin knapp 400 Seiten hiermit zu füllen. Zusammen mit einem scheinbar humorigen, meist aber nur nervigem und schwadronierendem Schreibstil, kann Köhler weder Augstein noch dem Spiegel gerecht werden.

Eine Biographie Augsteins kann Köhlers Werk jedoch schon deshalb nicht sein, weil knapp 30 Jahre aus Augsteins Leben fast komplett - bis auf eine Episode zu Anfand der 70iger Jahre, die Zeit, während der Köhler selbst beim Spiegel beschäftigt war - ausgeblendet sind: Die Jahre von der Spiegel-Strauss Affaire bis zur deutschen Wiedervereinigung finden bei Köhler quasi nicht statt. Darüberhinaus reduziert Köhler das positive Wirken Augsteins darauf, das er Strauss' Kanzlerschaft verhindert hat. Die Aufklärungen der diversen Skandale durch Augsteins Spiegel (Neue Heimat Affaire, Flick-Skandal, Barschel-Ehrenwort Affaire) werden nicht einmal im Ansatz erwähnt.

Wer also ein besonderes Interesse an den ersten Jahren des Spiegel und Augsteins hat, dem ist dieses Buch zu empfehlen. Wem das Leben Augsteins interessiert, muss sich noch etwas gedulden. Die grosse Augstein Biographie muss erst noch geschrieben werden.
> Rudolf Augstein

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenSeite drucken

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/buecher/isbn/3426777096/">Rudolf Augstein </a>