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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 23. Mai 2013 

Mörder aus Besessenheit


von John Douglas

Kategorie: Militär, Polizei & Justiz
ISBN: 3442129729

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Ein Buch gegen das Vergessen der Opfer
Dieses Buch mag teilweise nicht so spannend sein, wie die anderen Profiling-Bücher von John Douglas. Es beschäftigt sich nämlich viel mehr mit den Opfern und den Hinterbliebenen als die anderen Bände. Doch gerade darin zeigt sich der Mut von John Douglas, auch dieses ungeliebte Thema einmal anzusprechen. Die Medien beschäftigen sich meist nur mit den Tätern, die durch ihre bestialischen Taten natürlich Interesse hervorrufen. Doch meist bleiben die Opfer für die Öffentlichkeit das, was sie für die meisten auch Täter sind: gesichtsloses Schlachtvieh. Daher räumt John Douglas den Opfern einen großen Platz ein, denn das sind die Leute, die sich nichts zu schulden kommen ließen und die trotzdem von der Gesellschaft vernachlässigt werden.
John Douglas berichtet über Betreuung der Hinterblieben, der überlebenden Opfer und deren Familie und Freunden; über Bürgerinitiativen, Gesetzesinitiativen und Gerichtsprozesse.
Als kriminologischer Aspekt geht es in diesem Buch über Viktimologie, d.h. darüber, was sich zwischen Täter und Opfer abspielt.

Außerdem enthält das Buch 2 Kapitel über eine Täterkategorie, die in den anderen Büchern noch nicht erwähnt wurden, den sog. "Stalkern", das sind Leute, die ihren Opfern - Prominenten oder normalen Bürgern - das Leben durch Aufdringlichkeit und Drohungen zur Hölle machen (z.B. verblendete "Verehrer"). Douglas vermittelt, was es mit dieser Täterkategorie auf sich hat.

Dies ist ein Buch das die Opfer endlich ins rechte Licht rückt und sich angenehm von der tumben Sensationsgier der Medien abhebt. Für wen die Opfer langweilig und nur die Täter schillernd und darstellenswert sind, der braucht über die Täter nicht zu urteilen - er oder sie ist dann schon auf dem besten Weg zu deren Gefühllosigkeit.

Serienmord, Vergewaltigung, Stalking
Der deutsche Untertitel täuscht: es geht hier nicht um profiling sondern um die gewaltverbrechen, die von triebtätern begangen werden. Von tätern, die oft hochintellegent sind und ihre verbrechen vorsätzlich und ohne gewissensbisse begehen. Menschen, die sich daran berauschen, anderen menschen gewalt anzutun um so macht auszuüben. Anhand von konkreten fällen wird auf die motive und verhaltensweisen von vergewaltigern eingegangen. Dabei zeigen sich viele parallelen zu serienmördern und stalkern. Stalking wird anhand von beispielen genau erklärt. Man gibt auch tipps, wie sich opfer von stalking verhalten sollen.
Douglas spart auch nicht mit kritik an der gesellschaft und justiz: dass in der vergangenheit vergewaltigungsopfer oft verhöhnt wurden (frauen sind selber schuld)und dass man stalking überhaupt für einen witz hielt.
Wieder kommen auch die hinterbliebenen zu wort und wird für eine verschärfte anwendung der todesstrafe geworben.
Wer vor allem über profiling lesen will ist am besten mit "Die Seele des Mörders" bedient.

Ein Buch für und über die Opfer
Zwar trägt das Werk die Überschrift „Die Seele des Mörders", tatsächlich geht es jedoch um die Opfer einer Straftat. So unterstützenswert der Versuch des Autors auch ist, die Situation der Oper eines Gewaltverbrechens in den Vordergrund zu rücken und die Erfahrungen und die Qualen der Betroffenen zu beschreiben, so ist das Ergebnis hier doch wissenschaftlich fragwürdig und rechtspolitisch bedenklich. So unterläßt Douglas jeglichen Erklärungsversuch, warum die Täter die - von ihm in aller Detailliertheit beschriebenen - Taten begangen haben und schlägt sich auf die Seite der Opfer. Der Täter habe die Tat nur begangen, „weil er dies wollte". Zwar beruft sich der Autor auf angebliche Erkenntnisse der Viktimologie, unterschlägt jedoch den in diesem Bereich wichtigen Aspekt der Interaktion zwischen Täter und Opfer und die damit gewonnenen Erkenntnisse der Tatverhinderung. Letztlich handelt es sich bei diesem Werk eben doch nur um ein weiteres Buch der sogenannten anekdotischen Kriminologie. Wer darüber hinaus etwas über das Profiling erfahren will, wird enttäuscht sein.
Siehe auch:

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