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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMittwoch, 22. Oktober 2014 

Die Königin der Drachen


von George R. R. Martin

ISBN: 3442247349

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Halbzeit! Der unumstrittene Meister der zeitgenössischen Fantasy ist nunmehr in der Mitte seines gewaltigen Epos angelangt: Sechs der insgesamt zwölf angekündigten Bände sind erschienen. Zeit für ein kurzes Resümee -- oder, falls Neueinsteiger, Zeit für einen schnellen Sprung zum ersten Band der grandiosen Saga (Die Herren von Winterfell).

Schon mit dem ersten Kapitel des ersten Teils war offensichtlich geworden, was sich inzwischen sechsfach bestätigt hat: Ein genialer Geschichtenerzähler ist angetreten und hat dem Genre ein Ausnahmewerk geschenkt. In einem zunächst durchaus konventionell angelegten alternativen Mittelalter hat George R.R. Martin die Geschichte der Sieben Königreiche angesiedelt, eine Geschichte voll brodelnder Leidenschaften, ungezügelter Gewalt, Intrigen, Dramatik, Hoffnung und Verzweiflung.

Die magischen Elemente waren zunächst nur sehr spärlich eingesetzt -- Elfen und Trolle sind Martins Sache nicht. Seine Erzählung begann im hohen Norden des Landes, als Lord Eddard Stark mit einem Teil seiner Familie zu einer verhängnisvollen Stellung an den Königshof gerufen wird. Unterdessen naht der jahrzehntelange Winter: Jenseits der Mauer, die das Reich zum Norden hin abgrenzt, braut sich unheilvolles Grauen zusammen. Und auf der anderen Seite des Meeres erwacht eine totgeglaubte Drachenkönigin zu neuem Leben.

Während die Handlungstränge im dritten und vierten Band fast zu zahlreich zu werden schienen, gelingt es Martin im sechsten Band alle losen Enden aufzunehmen und die Handlung energisch voranzutreiben. In bewährtem Stil schildert er das Geschehen kapitelweise aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten. Diese gewinnen weiter an Kontur: Martins erzählerische Stärke besteht nicht zuletzt in vielschichtiger Charakterisierung. Der Kampf zwischen Gut und Böse wird hier nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch in den Köpfen der beteiligten Personen ausgetragen, und mit jedem Kapitel erwacht ein eigener Mikrokosmos zum Leben.

Die fantastischen Elemente werden im fünften und sechsten Band häufiger, ohne dass die Geschichte ihren düsteren Realismus verliert. Das Geschehen bleibt unvorhersehbar, was nicht zuletzt an der Erbarmungslosigkeit liegt, mit der Martin liebgewordene, ausdifferenzierte Personen opfert. Vorbei die Zeiten, als die Bösen des Genres immer daneben schossen, und die Helden der Geschichte sich aus jeder noch so ausgeweglosen Situation herauszuschlagen wussten!

In der Mitte seines Epos hat Martin nichts von seiner erzählerischen Wucht eingebüßt. Hält er diese Qualität auch in den kommenden Bänden, so hat das Genre (und endlich ist es einmal wahr!) einen erfrischend anderen, aber doch ebenbürtigen R.R. erhalten. --Birgit Will

Meisterzyklus auf höchstem Niveau
Ich kann nicht verstehen, wieso man dieses Werk mitunter als "ausschweifendes Geschwafel" bezeichnet. Alle bisherigen Bände haben mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Zuerst schreckt einen die unglaubliche Vielfalt an Charakteren, Ereignissen und Handlungssträngen, doch erstmal in der Story, will man am liebsten nicht mehr mit dem Lesen aufhören. Martin hat eine unglaublich komplexe Welt erschaffen, in die man eintauchen und dabei alles andere vergessen kann. Wo nimmt der Mann nur die Energie und Phantasie her, um uns neben dem wimmelnden, und dennoch feingezeichneten Personenstrom immer wieder neue Plotwendungen aufzutischen. Nebenbei erklärt er ganze Stammbäume der Lord-Familien, die Geschichte des Landes etc. und schafft es trotz allem, die Spannung zu halten. Dabei wirkt es (selbst mit Drachen) nie abgehoben, sondern teilweise wie ein historischer Roman. Leute wie Eddings und auch Gemmell müssen vor diesem Werk klar die Segel streichen, und ich kann kaum den nächsten Band erwarten.

P.S.: Da es ein Zyklus ist, sollte man schon mit BAND EINS anfangen. Wenn ich mir zuerst BAND SECHS besorge und es in die Ecke schmeiße, sollte ich mir schon Gedanken machen, bevor ich eine negative Rezension schreibe.

Meisterautor - auch noch im sechsten bzw. dritten Band
Dieser Fantasy-Zyklus ist wirklich klasse. George R. R. Martin versteht es Atmosphäre aufzubauen, wie ich sie bisher nur bei Howard oder Wagner gelesen habe, nur ist er vielleicht einen Tick besser. Sprachlich ist das Werk stimmig zum Handlungsverlauf und auch zu der Welt in der es spielt. Zu erwähnen wäre vielleicht, dass man sich bei der Übersetzung besser einig geworden wäre, was man eindeutscht und was nicht. In diesem Zusammenhang finde ich es schlecht gelöst, aber tut der Geschichte sowie der Sprache keinen Abbruch.

Martin erzählt nicht einfach chronologisch drauf los, sondern lässt den Leser die Handlung selbst ersehen, indem er ihn durch die Augen der verschiedenen Hauptpersonen blicken lässt. Das mag auf einige recht langatmig wirken, wer aber Spaß an sehr, sehr guten Charakterzeichnungen hat und auch Geschichten liebt, die gerade diese epische Breite besitzen, der ist mit den Büchern rund um "Das Lied von Eis & Feuer" absolut richtig bedient.

Fantasyleser, die alles nur idyllisch oder auch alles nur mit HdR (ich bin auch ein HdR-Fan, aber es gibt auch anderes) vergleichen wollen, sind hier falsch. Dieses Werk steht für sich allein - und das ist auch gut so!!!

Speziell zu diesem Band bzw. auch zum Sturm der Schwerter:

Die vielen Handlungsstränge, die in den beiden vorigen Bänden aufgeworfen wurden, finden hier nun zueinander und verdichten sich auf phantastische Weise. An einem Punkt der Handlung blickt man durch die Augen Sansa Starks, dann geht es mit dem Blickwinkel von Tyrion Lannister weiter. Diese Wechsel stellen einen ungeheuren Reiz dar, weil man dadurch die kontrastreichen Sichtweisen der einzelnen Protagonisten fast spürbar nahegebracht bekommt.

Man kann hier nur sagen, dass es Martin in großartiger Manier gelingt, ein riesiges Epos zu schaffen, dass in keinster Weise langweilig wird. Nur Leute mit schlechtem Gedächtnis oder die tiefgründiger Charakterschürfung nichts abgewinnen können, sollten vielleicht die Finger vom Lied von Eis & Feuer lassen.

Das Beste an Fantasy! Martin übertrifft alles!
Zum Inhalt des Buches möchte nicht viel sagen, da in der Kurzbeschreibung genug Inhalt verraten wird, ich dem Autor nicht vorgreifen und dem Leser nicht den Spaß am Lesen nehmen will. Deshalb möchte ich dazu übergehen, warum man George Martins Fantasywerk im epischen Ausmaßen nicht verpassen sollte.
Was macht Martin so besonders? - Seine Charaktere! Sein Aufbau der Romane!
Martin unterteilt seine Kapitel nicht mit arabischen Ziffern, sondern tituliert diese mit den Namen der Hauptfiguren, wie Eddard, Tyrion, Jon, etc. Dadurch erzeugt er mehr leben. Geschildert jeweils aus deren Perspektiven gelingt es dem Leser einen unglaublichen Bezug zu den Charakteren herzustellen. Die Darstellung des Innenlebens ist komplex und äußerst differenziert. Martin malt seine Figuren nicht schwarz-weiß, sondern benutzt für jeden seiner Charaktere einen eigenen Pinselstrich und eine eigene Farbkombination. Leser werden jenen hassen und jenen lieben, doch fünfzig Seiten weiter kann diese Gefühlslage komplett umschlagen, da man immer mehr über die Charaktere erfährt. Deren Vergangenheit, deren Lebensgeschichte, Schicksale und Tragödien. Und man findet sich selbst dabei wieder, wie das Hoffen und Leiden für einzelne Figuren ein Ausmaß findet, wie es nur in der Realität sein kann. Dabei verfällt Martin nicht in Gefühlsduseleien. Neben Liebe und Verantwortung geht es um Hofintrigen, Verrat, Macht und Ehre. So kann Martin mitleidslos werden. Personen sterben, werden eiskalt hintergangen und ermordet, fallen Schlachten oder „Unfällen" zum Opfer.
Eine Reise in eine eigene Zeit und Welt beginnt. Man wird zwar einer Maße an Personen begegnen, die einen am Anfang etwas überrollt und einen eventuell zwingt, Notizen zu machen. Aber der Anhang hilft einem immer wieder Fuß zu fassen und irgendwann ist man Teil der Welt, kennt Westeros (hier spielt der Roman!), wie seine eigene Stadt und die Menschen wie seine Nachbarn, Arbeitskollegen oder Freunde.
Einige Leser werden anfangs die Fantasy-Elemente vermissen. Doch Martin lässt diese langsam einfließen. Langsam und mit Genuss. Immer wieder entstehen kleine und größere Geheimnisse, Cliffhanger, die einen dazu zwingen weiter zu lesen.
George Martin hat nicht nur ein Meisterwerk der Fantasy geschaffen, sondern der Literatur. Keine zuckersüße Heldensaga auf den ausgetretenen Pfaden der Fantasy, sondern ein außergewöhnliches Machwerk, das man nicht mehr aus der Hand legen kann und will. Ich möchte Martin nicht mit Tolkien oder Williams vergleichen, aber eines ist sicher: Martin hat etwas eigenständiges Erschaffen. Mehr als nur Fantasy - eine zweite Welt, in der man Freunde und Feinde gleichermaßen finden kann!
Anm.: Momentan sind 6 Bände in Deutschland/ 3 Bände im Original erschienen. 2004 sollen zwei weitere Originalbände folgen (Feast of Crows, A Dance wirh Dragons). Die ersten beiden Bände („Herren von Winterfell" und „Erbe von Winterfell") sind ein genialer Einstieg mit oben genannten Schwierigkeiten. In Band drei („Thron der sieben Königreiche") und vier („Saat des goldenen Löwen") zieht sich die Geschichte etwas (4 Sterne), da Martin mehr Informationen über die Vergangenheit der Personen und des Landes transferiert. Im Endeffekt kann man sich glücklich schätzen über diese Details, da man mehr mit der Welt verschmelzt. Teil 5 („Sturm der Schwerter") und 6 („Die Königin der Drachen") treiben den Leser dann in eine Gefühlsflut von ungeheurem Ausmaß, wobei speziell der sechste Teil das Beste ist, was ich bisher gelesen habe. (Mehr zu den Inhalten sind aus amazon-Kurzbeschreibungen zu entnehmen.) Kleiner Tipp: Nicht den Klappentext lesen, denn hier ist der komplette Romanteil zusammen gefasst. Sonst: Viel Spaß beim Genießen!
Siehe auch:

> Die Königin der Drachen
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