Der Zirkel
 | von Dietrich Schwanitz
Kategorie:
Deutschland ISBN: 3442443482 | Studienlektüre der besonderen Art Dietrich Schwanitz plaudert aus dem univeritären Nähkästchen und tut dies in seinem zweiten Roman "Der Zirkel" nicht minder interessant und aufschlußreich wie im "Campus". Der Mord an einer Asta-Vorsitzenden ist die Rahmenhandlung und der Anlaß, daß sich Daniel Dentzer an die Aufklärung des Falles macht. Er verstrickt sich in ein Geflecht aus Intriegen, gegenseitigen Verpflichtungen und Seilschaften. Doch der Plot wirkt noch stärker schwarz-weiß-gemalt als die Handlung des Vorgänger-Romans und kann nicht in allen Punkten überzeugen - zu einem durchdachten Krimi gehört einfach mehr.. Ein Konglomerat aus Krimi, Love-Story, Komödie und Sachbuch - letzteres, weil Schwanitz - bis vor kurzem selbst Professor für Anglistik in Hamburg - immer mal wieder seine eigenen Erfahrungen über die hellen und dunklen Seiten des universitären Molochs in sein Werk einfließen läßt... So wird "der Zirkel" - ebenso wie "der Campus" zu einer Pflichtlektüre für all jene, die mal einen Blick hinter die Fassaden des Hochschulwesens werfen wollen. Wie man im Hochschuldschungel überlebt und dabei auch noch finanziell gut dasteht, hat indes auch er für sich umgesetzt: Laut "Focus" hat Schwanitz inzwischen nämlich seiner Hochschule den Rücken gekehrt, um sich anderen Aufgaben widmen zu können - ein Urteil hierüber sei jedem selbst überlassen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Würdiger Nachfolger "Der Zirkel" ist eine Mischung aus Satire, Krimi und beißender Gesellschaftskritik. Hauptfigur ist Daniel Dentzer, der persönliche Referent des Hamburger Wissenschaftssenators Weiss. Das Buch handelt von den Zuständen in den Hamburger Hochschulen, der Korruptheit der dort arbeitenden Professoren und dem Filz, der sich über Jahre und Jahrzehnte aufgebaut hat. Ohne Seilschaften geht gar nichts. Und daß diese bis zum Ministerium für Staatssicherheit reichen, erschien mir im ersten Moment überraschend, aber keineswegs besonders weit hergeholt. Die Beweisführung Schwanitz', wie sich die Stasi in die Hochschulen und auch in politische Ämter in der gesamten Bundesrepublik eingeschlichen hat, erscheint mir logisch und plausibel. Damit im Zusammenhang sind auch die Todesfälle zu sehen, die im Laufe des Buches passieren, die allerdings nur Begleiterscheinungen sind und nicht ständig im Mittelpunkt der Geschichte stehen, dafür aber immer wieder hochgekocht werden. Ans Schmunzeln bin ich des Öfteren gekommen, wenn Schwanitz wortgewaltig und sprachverliebt die Beziehung zwischen Mann und Frau beschreibt, manchmal sogar geradezu karikiert. Hier liegt aber auch die Schwäche des Buches, denn streckenweise war mir Schwanitz zu selbstverliebt in seinen eigenen Stil und wurde dann für den Ottonormalleser wie mich unverständlich. Da schmiß er mit Fremdworten um sich, daß ich ein ums andere Mal zum Fremdwörterbuch greifen mußte. Das hat mich gestört, weil es auch den Lesefluß beeinträchtigt hat. Unterm Strich fand ich den "Zirkel" aber ebenso lesenswert wie seinen Vorgänger "Der Campus" und kann ihn hier mit gutem Gewissen weiterempfehlen.
Gute Satire, aber leider Anleihen bei anderen Autoren ... Nach dem Ueberraschungserfolg "Der Campus" war die Erwartung gegenueber dem neuen Roman von Dietrich Schwanitz, "Der Zirkel", sehr hoch. Um es gleich vorwegzunehmen - auch der neue Schwanitz ist ein hoechst unterhaltsames Buch aus dem Milieu von Universitaet und Hochschulpolitik, dessen Lektuere dem Leser viel Vergnuegen bereitet.Leider wird das Lesevergnuegen dann doch dadurch ziemlich getruebt, dass man sich an einigen Stellen des sonst durchaus origenellen Romanes dem Eindruck nicht entziehen kann, dass Schwanitz - formulieren wir es auf diese Weise - gelegentliche Anleihen bei den Romanen "Yes Minister" und "Yes Prime Minister" von Jonathan Lynn und Anthony Jay genommen zu haben scheint. Einige Beispiele seien hier dargestellt: Wenn der Held gegenueber einer Professorin zu einer Ausfuehrung anhebt, Sie moege doch bitte nicht sagen, was sie nicht sagen wolle, sondern sagen, was sie sagen wolle, dann hoert jeder Leser der englischen Satireklassiker sofort die unverkennbare Diktion von Bernard Woolley heraus. Ebenso ist der Vortrag von Rudinski, wie mit unbequemen Fragen umzugehen sei (Seite 139) eine inhaltlich fast identische Zusammenfassung einer aehnlichen Belehrung Woolleys durch den PM im Buch von Lynn und Jay (dort Seite 315). Auch eine Episode mit dem Jetlag-geplagten Universitaetspraesidenten (Seite 95) erinnert doch stark an eine aehnliche Situation in "Yes Prime Minister" (dort Seite 86). Nochmalig sei betont, dass "Der Zirkel" ein durchaus lesenswerter Roman ist. Nur leider stossen die doch nicht seltenen "Anleihen" dem Kenner der englischen Satireklassiker mehr als nur einmal unangenehm auf. Schade. Wer Lynn/Jay aber nicht kennt, dem sei "Der Zirkel" empfohlen. Siehe auch: |