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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 19. Oktober 2017 

Diamond Age, Die Grenzwelt


von Neal Stephenson

ISBN: 344245154X

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Standartwerk der SF
Eigentlich war ich der Meinung, das Stephenson mit Snow Crash sein Meisterstück schon abgeliefert hatte....eigentlich war dieser herausragende Roman schon der Presslufthammer, der Gibson vom Sockel holte...eigentlich.....

Nun, soviel vorab, er kann es noch besser! Mit Diamond Age geht Stephenson noch einen Schritt weiter. Während Snow Crash noch in einer postapokalyptischen Welt spielte, in die jeder Leser seine Vorstellungen einer zukünftigen Zeit gut hinein interpretieren konnte, wird er bei Diamond Age in eine vollkommen neue, und teilweise absurde Welt hineingeschubst. Diamond Age spielt in einer modernen Farce des viktorianischen Zeitalters.

Die Technik ist so weit vorangeschritten, das der Einsatz von intelligenter Nanotechnologie das Leben beherrscht. Dinge werden nicht mehr handwerklich oder industriell gefertigt, sondern mit Hilfe dieser Technologie kompiliert. Klingt kompliziert ? Wäre es auch , wenn sich nicht einer besten Geschichtenerzähler dieser annehmen würde. Dieses komplizierte Thema vermittelt Stephenson mit einer dermaßen souveränen und leichten Erzählweise, das es dem Leser gar nicht auffällt, wie er extrem schwierige Zusammenhänge als selbstverständlich aufnimmt.

Die Geschichte selbst ist ein modernes Märchen um die Heldin Nell, die eigentlich keine Chance hat, aus ihrem schlechtem sozialen Umfeld einmal etwas aus ihrem Leben zu machen. Mit Hilfe eines "intelligenten" Buches, das ihr unverhofft in die Hände fällt, lernt sie über ihre sozialen Grenzen hinaus alles, was ihr normalerweise verwehrt gewesen wäre....und sie entwickelt sich zu einem Menschen, der die Welt in ungekannter Weise beeinflussen und verändern wird.

Dieses Buch ist eines der schönsten, das ich gelesen habe (leider VIEL zu spät) und darf als Referenzwerk der neueren Science Fiction in keinem Fan-Regal fehlen.

Wertung: selbstverständlich 6 von 5 möglichen Punkten...

Eines der faszinierendsten Bücher der SF
Ich habe zwar keinen Schimmer, wieso die "Village Voice" Neal Stephenson den Titel "Der Quentin Tarantino des Cyberpunk" verleiht und wieso das dann mitten auf dem Buchtitel stehen muss, aber das ist ja auch nicht so wichtig. Wahrscheinlich brauchten sie was Cooles, damit man sie immer wieder zitiert. Viel wichtiger ist, dass Stephenson seine wissenschaftlich durchaus atemberaubenden Visionen verknüpft mit einem gesellschaftspolitischen und kulturellen Gemälde, das mich persönlich tief berührt und inspiriert hat und das immer noch tut. Es wird Leute geben, die seinen wesentlich bekannteren Roman "Snow Crash" besser finden - mich hat "Diamond Age" stärker fasziniert. Es ist die Kombination aus Story und wahnwitzigen Ideen, die Stephenson mit einer Selbstverständlichkeit präsentiert, als würde er einen Pfirsich halbieren. Seit "Diamond Age" interessiert mich die Nanotechnologie. Und seither ertappe ich mich immer wieder, wie ich selbst auf Nanotech-Visionen herumspinne und nie sagen kann, ob ich das eigentlich mehr beängstigend oder erstrebenswert finden soll.

Na ja,
Eigentlich bin ich ja wirklich ein Sci-Fi Fan - und die Tatsache, dass Stephenson mit diesem Buch den Hugo-Award gewonnen hat, hat mich einiges erwarten lassen. Dieses Buch ist aber bei weitem nicht allen Erwartungen gerecht geworden.
Es stimmt dieses Buch ist wirklich visionär. Es baut genauso wie Snow Crash (ebenfalls von Stephenson) eine komplette Welt auf, die eine völlig andere politische Struktur hat als die, die wir kennen. Leser, die Snow Crash schon gelesen haben, werden viele Stil-Elemente bzw. Story-Elemente erkennen. Auch die Geschichte über ein voll interaktives Buch, welches insgesamt drei junge Mädchen „erziehen" soll ist visionär und zu einem großen Teil auch gut gelungen. Der spätere Verlauf der Geschichte schildert unter anderem die unterschiedlichen Lebensverläufe der drei Mädchen, trotz einer identischen Erziehung.
Was diesem Buch bei aller Schnelligkeit der Erzählstruktur fehlt ist eine gewisse Leichtigkeit. Dieses Buch eignet sich nicht für den Zug. Zu schnell verliert man sich in der Geschichte und stolpert über die vielen neuen Begriffe, die Stephenson in Zusammenhang mit seiner Welt erschafft. Das Buch hat es auch nie geschafft mich so richtig mitzureissen. Ich hatte vielmehr das Gefühl mir das Buch erarbeiten zu müssen. Insgesamt betrachtet also ein Visionäres Buch, welches aber nicht als Lesekost für Zwischendurch geeignet ist.
Siehe auch:

> Diamond Age, Die Grenzwelt
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