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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMontag, 11. Dezember 2017 

Snow Crash


von Neal Stephenson

ISBN: 344245302X

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5 Sterne Deluxe
Im Gegensatz zu einigen, eher unreflektierten, Rezensionen dieses Buches, gibt es von mir die vollen fünf Sterne in jeglicher Hinsicht. Snow Crash ist unterhaltsam, regt zum Denken an, übt Kritik an kulturellen und soziologischen Entwicklungen unserer und vergangener Zeiten und öffnet Ausblicke und Horizonte für künftige Entwicklungen. Allerdings liegt sein Szenario nicht so weit in der Zukunft wie, beispielsweise, das von Joe Haldeman in seiner Forever ...-Trilogie. Deshalb ist auch die Abstraktion lange nicht so stark und gerade das fordert den Leser mehr als bei einem SF-Roman im klassischen Sinne.
Hiro Protagonist ist Pizza-Lieferant für die Mafia, der beste Schwertkämpfer der Welt, Informationssammler für die CIC und der letzte der Freelance-Hacker. Seine finanzielle Situation lässt sich also mit Recht als "angespannt" bezeichnen. Seine guten Verbindungen zur Hackerszene und die Freundschaft zu dem Mann, der das "Metaversum" (eine Art 3D-Internet) miterfunden hat, zieht ihn in eine abenteuerliche Jagd auf ein Firmenkonsortium, welche die Weltherrschaft anstrebt und aus dem einst ungefährlichen Metaversum einen lebensgefährlichen Ort im wörtlichen Sinn gemacht hat.
Das Buch beginnt mit dem ersten Satz in einem höllischen Tempo und gönnt sich und dem Leser keine wirklichen Verschnaufpausen. Deshalb empfiehlt es sich durchaus zur mehrmaligen Lektüre um die, auf den ersten Blick überraschenden, Wendungen und schwer nachvollziehbaren Hintergründe zu verstehen.
Die Empfehlung richtet sich nicht so sehr an die begeisterten Leser klassischer SF-Literatur, als vielmehr an alle, denen das Leben und Überleben auf unserem Planeten noch nicht völlig egal ist.

Gibson für Pubertierende
Neal Stephenson gelingt es mit seinem Cyberspace-Bestseller "Snow Crash" leider nicht,im unvermeidlichen Vergleich mit dem Genreformenden Meisterwerk "Neuromancer" von William Gibson zu bestehen. Weder hat er das Sprachgefühl Gibsons, dessen plastische Bilder, noch schafft er es, eine vergleichbare Orginalität aufzubieten. Daher wirkt "Snow Crash", obwohl etwa ein Jahrzehnt jünger als "Neuromancer" im Vergleich zu diesem schon jetzt hoffnungslos veraltet. Zu wenig vertraut Stephenson auf seine eigene Imagination, zu sehr ist er bemüht um alles , was gegen Anfang der 90er "hip" war und beschleunigt so den Verfall der eigenen Fiktion. Da stolpert man über wild rückkoppelnde Grunge-Gitarristen und Skateboardkids und wundert sich schließlich, dass das alles ein Blick in die Zukunft sein soll.
Desweiteren ist Stephenson ständig zu sehr bemüht um einen jugendlich-frechen Stil und verkrampft darüber derart, dass ihm dieser Stil etwa zu dem Tonfall eines 55-jährigen Drogenbeauftragten der Polizei auf einer Informationsveranstaltung während der Love-Parade gerät. Da hat das Auto eines Pizzalieferanten beispielsweise "genügend potentielle Energie in den Batterien stecken, dass man damit ein Pfund Speck in den Asteroidengürtel schießen könnte". Bitte, wie?
Schon die Auswahl der Namen der Charaktere ("Hiro Protagonist","Vitaly Tschernobyl,"Sushi K." - gottseisgedankt taucht immerhin kein Deutscher auf...vermutlich hätte er den Namen "Hans Wurst" bekommen) macht klar: Das hier ist entweder Satire oder so klischiert, dass es schon schmerzt.Spätestens nach den ersten 100 Seiten verwirft man dann den Glauben an die Satirevariante.Ein Protagonist namens Protagonist, der a) unheimlich gut aussieht, b) der letzte freiberufliche Hacker der ganzen hochtechnisierten Welt und gleichzeitig c) der beste Schwertkämpfer des ganzen Planeten sein soll, wirkt ja schon etwas mehr als abgeschmackt,aber wenn dann noch ein finsterer, langhaariger, in einen schwarzen Ledermantel gekleideter, Motorrad fahrender Oberbösewicht namens "Raven" (kein Witz!) auftaucht, bleibt einem endgültig das Lachen weg. Diesen Roman hat man schon gelesen, wenn man ihn noch nie in der Hand gehalten hat. Da nützt es auch nichts mehr, dass der Autor sich in der zweiten Hälfte des Buches in endlosen, meist ziemlich arg zurechtgebogenen Analogien zwischen Religiösen Motiven und der Welt der Hacker verliert, der Leser hat bereits bemerkt, dass der Autor ihm weismachen will, er sei erst 15.
Fazit: Wer sich schon immer gewünscht hat, Neuromancer wäre ein wenig mehr wie eine Melange aus Tank Girl,The Crow und Ninja Turtles, wird hier angemessen bedient.

Buch-Droge??? Ja!
Der Hauptheld des Buches ("Hiro Protagonist der Name") ist hauptberuflich Auslieferator für Cosa Nostra Pizza, einen Pizzaservice, der der Mafia gehört. Entweder er liefert in 30 Minuten - oder er hat sein Leben verwirkt. Dieser Kitzel ist nämlich genau das Richtige für ihn... Nebenberuflich ist Hiro ein Hacker und außerdem der beste virtuelle Schwertkämpfer des Metaversums. Das kommt ihm zugute, als ein rätselhafter Virus namens Snow Crash die besten Hacker des Netzes im Dutzend hinwegrafft. Bei seinem Kampf gegen das Unerklärliche, die Infokalypse, wird Hiro von einer jungen Kurierin namens Y.T. unterstützt.

Darüber hinaus erweist sich das Buch als hochinteressante Einführung in sumerische Traditionen. Die Geschichte von Babel und den sumerischen Formeln fließt wie nebenbei in die Geschichte ein und stellt sich im Endeffekt als ihr Ursprung heraus.

Neil Stephensons Science-Fiction-Roman avancierte in Amerika binnen kurzem zum Kult-Buch. Stephensons Ideen und Vorstellungen des Lebens in der virtuellen Realität wurden nur leider viel zu schnell wahr. Nichtsdestotrotz: "Snow Crash" ist perfekte Unterhaltung auf höchstem Science-Fiction-Niveau, auch wenn die Wirklichkeit Stephensons Visionen teilweise bereits überholt hat. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Siehe auch:

> Snow Crash
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