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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMontag, 28. Mai 2012 

Die Revolution entläßt ihre Kinder


von Wolfgang Leonhard

Kategorie: Revolution
ISBN: 3462018027

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Wolfgang Leonhards 1954 erstmals erschienenes Buch Die Revolution entläßt ihre Kinder, ist längst zu einem Klassiker der Kommunismusforschung avanciert. Zu Recht, denn auch nach 45 Jahren hat es nichts von seiner Aktualität und Brillanz verloren.

Wer die inneren Funktionsmechanismen des Stalinismus verstehen will, kommt an Leonhards Buch nicht vorbei. Doch was macht das Besondere seiner Arbeit aus? Der Autor genießt einen entscheidenden Vorteil bei der Analyse des Stalinismus: Die Erfahrungen eines zehnjährigen Lebens in der Sowjetunion und der vierjährigen Tätigkeit als Funktionär im zentralen Apparat der SED-Führung.

1935 nach Moskau emigriert, erlebte Leonhard die große stalinistische Säuberung der Jahre 1936 bis 1938 und wurde ab 1942 auf der Schule der Kommunistischen Internationale zum Funktionär ausgebildet. Im Mai 1945 kehrte er zusammen mit Walter Ulbricht nach Deutschland zurück. Bis zu seiner überraschenden Flucht nach Jugoslawien im März 1949 war er im Zentralkomitee der KPD/SED mit der ideologischen Schulung der Parteifunktionäre betraut. In dieser Funktion lernte Leonhard viele der damaligen Repräsentanten der sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR persönlich kennen.

Es ist diese intime Kenntnis der inneren Mechanismen des Systems: Die Möglichkeit, sich in die Menschen der kommunistischen Welt hineinzudenken und die Fähigkeit, die für viele so rätselhafte ideologische Wortklauberei entziffern zu können, die sein Werk auszeichnen. Vieles, was dem Außenstehenden oft so unwahrscheinlich anmutet, erscheint dem früheren Funktionär "von drüben" wie ein offenes Buch.

Diese Kenntnisse befähigen Leonhard, die Entwicklungen in der kommunistischen Welt objektiv zu analysieren. "Gleichermaßen entfernt von primitivem Antikommunismus und den Haßgefühlen, aber auch von Schönfärberei und Illusionen", wie er 1990 anläßlich der Neuauflage von Die Revolution entläßt ihre Kinder schrieb. Es ist dieser unverfälschte Blick eines Insiders, der dem Buch jenes Maß an Authentizität und Glaubwürdigkeit verleiht, das es bis heute auszeichnet. --Stephan Fingerle

Sehr informatives, vorurteilsloses Werk
"Die Revolution entlässt ihre Kinder" ist ein Buch, das dem interessierten Leser das Leben in der Sowjetunion und der entstehenden DDR eindringlich schildert. Möglich wird dies dadurch, dass Leonhard, der als Kind einder deutschen Kommunistin in die UdSSR kam, sowohl das Leben eines "normalen" Sowjetbürgers als auch das Leben eines privilegierten Funktionärs aus eigener Erfahrung beschreiben kann. Er versucht dabei, seine Eindrücke so darzustellen, wie er sie zur jeweiligen Zeit empfunden hat, wobei er in seinem Buch auf plumpen Antisowjetismus oder -Kommunismus verzichtet. Er lässt den Leser die einzelnen Stationen nachvollziehen, die ihn in eine Funktionärskarriere sowie nach dem Krieg und seiner Rückkehr nach Deutschland mit Walter Ulbricht zur Mitarbeit bei der SED-Gründung führten. Dabei nennt Leonhard diejenigen Lebenssituationen, in denen er erste Zweifel am stalinistischen - wohlgemerkt nicht am kommunistischen! - System hegte. Im Laufe seiner politischen Tätigkeit mehren sich diese Zweifel, die schließlich zu seinem Bruch vom stalinistischen System führen, das sich auch in Ostdeutschland immer deutlicher etabliert.

Es handelt sich um eine detailreiche, unvoreingenommene und gleichzeitig kritische Analyse des Stalinismus und der historischen Begebenheiten, die durch den persönlichen Erzählstil leicht zu lesen ist und sogar eine gewisse Spannung beim Leser aufkommen lässt. Ein sehr empfehlenswertes Buch.

Lehrreiche Biografie
Da ich mich sehr für den Auf bau des Ostblocks und der Gründung der DDR interessierte habe ich mir dieses Buch gekauft. Ich stieß nur durch Zufall darauf und dachte eigentlich, daß es wieder ein weiterer Lückenfüller in meinem Bücherregal mit langweiligen Geschichtsbüchern wird. Aber aufgrund des Aufbaus des Buches, war die Lektüre unheimlich spannend und kurzweilig. Da Wolfgang Leonhard das Buch als eine Autobiografie geschrieben hat und praktisch nur nebenbei die sehr vielen Fakten und das Insiderwissen erklärt, ist das Buch meiner Meinung nach auch für diejenigen Leute sehr interessant, die sich nicht viel aus wissentschaftlich exakten Büchern machen. Ein besonderer Leckerbissen für alle Geschichtsfans und Menschen, die neben einer guten Biografie sich auch noch viel Wissen aneignen wollen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

Spannend, informativ und wahr?
Eins vorab, es ist ein spannendes und tolles Buch, doch kam mir oft der Gedanke, ob Leonhard nicht nachträglich noch etwas zu seinen Gunsten beschönigt darstellt. Innerlich weicht Leonhard ja schon 1937 in der Zeit der großne Verhaftungen von der Linie der SU ab. Aber den Bruch vollzieht er erst 12 Jahre später. Die Darstellung ist durchaus glaubwürdig, doch ist er immer bemüht seine eigene Rolle runterzuspielen. Er hat zwar angeblich oft "politische Bauchschmerzen" gehabt doch sich von den Privilegien getrennt hat er sich auch nicht. Also hat er sich passiv mitschuldig gemacht und ist nicht unschuldiger als Pieck oder Ulbricht. Man muss ihm doch zugute halten, dass er sich dann recht früh aus der DDR abgesetzt hat und nicht mehr aktiv an der Schreckensherrschaft des Terrorregimes teilgenommen hat. Aber ihren Weg hat er mitgeebnet. Trotzdem bleibt das Buch ein unbestreitbares Stück deutscher Zeitgeschichte und ist allemal lesenswert. Wolfgang Leonhard zeigt, dass sich früh politische Umschwenkungen und Ereignisse vorausahnen ließen, wenn man sie nur sehen wollte. Ich kann das Buch nur empfehlen.
Siehe auch:

Revolution > Die Revolution entläßt ihre Kinder
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