Krieg gegen den Irak
 | von William Rivers Pitt
ISBN: 3462032119 | Da verstehe noch einer die Welt. Während Washington sich auf die UNSCOM beruft, um gegen einen angeblich bis an die Zähne bewaffneten Saddam Hussein mobil zu machen, geht ihr einstiger Chef in Bagdad ein und aus und erteilt der irakischen Führung taktische Ratschläge. Bevor Scott Ritter 1998 aus Frustration über mangelnde Rückendeckung aus den USA seinen Dienst quittierte, wurde er dort noch als Provokateur und Lügner beschimpft und mit Waffengewalt an der Arbeit gehindert. Hat der Ex-Marine und Golfkriegsveteran vor der Operation "Desert Fox" noch die Blauäugigkeit der Clinton-Administration angeprangert, beschuldigt er heute seinen Parteifreund George W. Bush der Scharfmacherei durch bewusste Übertreibung des irakischen Bedrohungspotenzials. Krieg gegen den Irak. Was die Bush-Regierung verschweigt lautet der investigative Titel eines Büchleins, in dem der Bostoner Friedensaktivist William Rivers Pitt ein Interview mit Ritter dokumentiert, der im Schutze diplomatischer Immunität schwere Vorwürfe erhebt. "Wenn ich mich zu Wort melde, dann um die Demokratie zu stärken, aber es hat nichts mit Verrat an meinem Land zu tun." Ohne den Diktator zu beschönigen, attestiert er Saddam nachgerade bemerkenswerte Kooperationsbereitschaft. Schuld an der prekären Lage gibt Ritter seinem eigenen Amtsnachfolger Richard Butler, der die Instrumentalisierung der UNSCOM durch CIA-Spione geduldet und sich nach dem Rausschmiss aus dem Irak der US-Regierung als Kronzeuge angedient habe. Dass Saddam nach den systematischen Zerstörungen von Forschungseinrichtungen und Produktionsstätten über keine nennenswerten Waffenarsenale mehr verfügt, steht für den einstigen UNO-Detektiv außer Frage. Als absolut lächerlich tut er eine Verbindung dieses Islamistenfressers zu Osama bin Ladens al-Qa'ida ab: "In den Augen dieser Leute verköpert er das Böse schlechthin." Und Ölinteressen spielen nach seinem Dafürhalten im Irak-Konflikt keine Rolle. Als treibende Kräfte hinter Bushs Muskelspiel sieht Ritter die neokonservativen Betonköpfe um Alt-Falken Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz ("tollwütiger Irrer von der extremen Rechten") und Richard Perle ("Fürst der Finsternis") am Werk. Er befürchtet, dass diese selbst ernannten Rächer Israels bereits zu viel politisches Kapital in ihre Kampagne investiert haben, um ohne Gesichtsverlust von Saddam ablassen zu können. Trotz dürftiger Hintergrundinformationen etwa über die Rolle der Briten in diesem Spiel mit dem Feuer ein denkwürdiges Buch, das die Skrupel vor einer Beteiligung an einem "Abenteuer" im Irak in einem anderen Licht erscheinen lassen dürfte. --Roland Detsch
Warum wurde der Irak-Krieg geführt? Dieses Buch besteht im wesentlichen aus einem Interview des Bostoner Friedensaktivisten William Rivers Pitt mit dem ehemaligen Waffenispekteur im Irak und Parteifreund von George W. Bush, Scott Ritter. Wer immer noch nicht glaubt, dass Bush und seine Kumpane lügen, der kann sich hier an glaubhafter Adresse überzeugen. Die Begründungen für den Krieg gegen den Irak waren falsch. Weder hatte Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen, mit denen er die Welt bedrohen konnte, noch hatte er Verbindungen zu El Kaida. Warum wurde der Krieg aber dann geführt? Hier vergaloppiert sich Ritter vielleicht, weil der die handelnden Personen persönlich zu gut kennt. Dass Wolfowitz, Rumsfeld und Perle notorische "Betonköpfe" sind, mag ja sein. Aber die Weltmacht USA handelt nicht aus persönlichen Motiven einer Handvoll Leute heraus, sondern aus handfesten wirtschaftlichen und machtpolitischen Zwängen. Wer das neue Buch von Stefan Engel "Götterdämmerung über der neuen Weltordnung" gelesen hat, der kennt die Triebkräfte. Die beherrschenden internationalen Monopole, speziell die Ölindustrie in USA und Großbritannien konnte nicht zusehen, wie Saddam die Ölkonzessionen an Rußland, Frankreich und China vergeben hat. Sie haben Bush ins Amt gebracht, damit er den Nahen Osten und die ganze Welt für sie "neu ordnet". Aber Engel zeigt auch die Kehrseite: Die USA werden keine stabile und schon gar nicht friedliche "neue Weltordnung" schaffen, sondern eine zunehmende Unordnung. Damit wachsen die Faktoren für eine international koordinierte Revolution, die dem Imperialismus eine Ende setzen kann. Diesen Ausblick kann man von Pitt und Ritter nicht erwarten, dennoch ist ihr Buch eine wichtige Quelle und eine gute Ergänzung zu dem Buch von Stefan Engel.
100%ig korrekte Hintergrund Informationen Spätestens zum gegebenen Zeitpunkt zeigt sich nun, wie richtig Scott Ritter mit seinen sehr wertvollen Hintergrund Informationen lag. Alles, ohne Ausnahme, was in diesem Buch aufgelistet wurde, hat sich bewahrheitet. Die Bush Administration wie die Blair Administration haben unter Anleitung von den Falken nicht nur Ihr eigenes (leider ignorantes) Volk hinters Licht geführt, sondern die gesamte Weltbevölkerung. Gott sei Dank gab es da auch echten Widerstand. Es gab viele, welche trotz den Fakten und deren Widerlegung auf noch etwas anderes gehört haben, und zwar Ihren Instinkt oder Ihre Intuition! Man merkt einfach, wenn da etwas faul ist! Auch heute, nach dem Irakkrieg (soweit dieser überhaupt als beendet gesehen werden kann), ist dieses Buch äusserst wertvoll. Sozusagen als der schlagende Beweis!
Gegenposition eines Experten In dem Buch wird relativ kurz die Geschichte des Irak dargestellt. Das Interview mit dem ehemaligen UN-Waffeninspekteur Scott Ritter aus dem August 2002 umfasst ca. 60% des Inhalt. Alle von der amerikanischen Regierung angegeben Gründe werden widerlegt: 90 - 95% der ABC-Waffen und die zu ihrer Herstellung nötige Infrastruktur und die Produktionsanlagen seien zwischen 1991 und 1998 nachweislich zerstört worden, der Rest teilweise durch die Iraker ohne Kontrolle der UN. Außerdem müssten die meisten sonstigen Kampfstoffe längst zerfallen sein: Die Nervengase Tabun und Sarin sei nach spätestens 5 Jahren unbrauchbar und harmlos, auch VX zerfalle nach einigen Jahren. Anthrax (flüssige Milzbranderreger) keimt selbst bei idealer Lagerung nach spätestens drei Jahren und wird ebenfalls unbrauchbar. Bei einem Neuanfang der Programme zur Herstellung atomarer, biologischer oder chemischer Waffen müsse der Irak wieder von Null anfangen. Vor allem die Entwicklung von nuklearen Waffen würde durch westliche Geheimdienste durch entstehende Strahlung nicht unentdeckt bleiben. Die Trägersysteme des Iraks werden von Ritter als unbrauchbar bezeichnet: „Sie hatten Raketen gebaut, die im Kreis flogen und ins Trudeln gerieten, die nach Norden statt nach Süden losgingen und explodierten." Leider wird dabei nicht auf die Raketenangriffe auf Israel eingegangen. Dennoch scheint eine propagierte Bedrohung durch irakische Langstreckenraketen übertrieben, was auch sehr einfach zu begründen ist: Tests von Langstreckenraketen kann man logischerweise nicht in einem Labor durchführen. Außerdem deklariere der Irak alle seine Raketentests (er darf Raketen mit einer Reichweite bis 150 km besitzen). In dem Buch wird selbstverständlich nicht bestritten, dass Saddam Hussein ein brutaler und verrückter Diktator ist. Als absurd bezeichnet Ritter aber die Pläne, im Irak eine Demokratie einzuführen. Eine Mehrheitsregierung bedeute ein Bündnis mit dem Iran, also Rückkehr zur „Achse des Bösen", wegen der schiitischen Mehrheit (60% der Bevölkerung). Eine Herrschaft der zweitgrößten Bevölkerungsgruppe, der Kurden mit 23%, würde die Türkei nicht zulassen. Bleibt nur die Minderheit der Sunniten (zu denen auch Hussein gehört). Ein solcher Herrscher wäre aber nach Meinung der Autoren nicht besser als der jetzige Diktator. Noch lächerlicher scheint eine Verbindung zu Osama bin Laden. Saddam Hussein sei als säkularer Diktator, der islamische Fundamentalisten seit 30 Jahren hart bekämpft, ein Todfeind Osama bin Ladens, der ihn als Abtrünnigen bezeichnet, der getötet werden muss. Bei alledem muss man berücksichtigen, dass Ritter ansonsten ganz und gar nicht oppositionell eingestellt ist. Er ist Mitglied der Republikaner und hat Bush 2000 als Parteifreund unterstützt. Außerdem hält er sich selbst für „ausgesprochen pro-israelisch". Es ist ein gutes Zeichen, dass dieses Buch einen so hohen Verkaufsrang hat, da es eine sehr gute Gegendarstellung zur US-Propaganda ist. Die Meinungen der Autoren scheinen mir nur an wenigen Stellen zweifelhaft, z.B. denkt Ritter, das Öl bei dem Konflikt keine Rolle spielt. Siehe auch: |