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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDienstag, 18. Juni 2013 

Der Schwarm


von Frank Schätzing

ISBN: 3462033743

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"Die Yrr haben die Welt für alle Zeiten verändert." Letzter Tagebucheintrag, nachdem die Welt haarscharf am Untergang entlanggeschrammt war. Alles hatte angefangen mit einem peruanischen Fischer. Das letzte was Ucañan in seinem Leben zu sehen bekam, war eine riesige silbrig glitzernde Fläche, die näher kam. Ein Schwarm Goldmakrelen, dachte er erfreut. Ucañan irrte. Was ihn das Leben kostete, sollte sich sehr bald zu einer unheimlichen und existenziellen Bedrohung für den gesamten Planeten auswachsen.

Unter der Meeresoberfläche brodelt es neuerdings gehörig. Im Nordwesten Amerikas verschwinden Wale spurlos, um bald darauf gar nicht mehr artgerecht wieder aufzutauchen. Australien gibt Quallenalarm. Vor Norwegens Küste entdecken Ölbohrfachleute eine unbekannte Wurmspezies, deren monströse Kauwerkzeuge einen halben Kontinent zum Einsturz bringen können. Dem Meeresbiologen und Schöngeist Sigur Johanson schwant Übles: Die gesamte Meeresfauna und -flora scheint sich ferngesteuert gegen die Menschheit zu wenden. Ein wissenschaftliches Dreamteam nimmt den Kampf auf.

Unglaubliche 1.000 Seiten (angeblich Verlagsrekord!), routiniert erzählt und -- so weit es sich überblicken lässt -- solide recherchiert (immerhin ging ein wissenschaftlicher Beraterstab von annähernder Heeresstärke dem Autor zur Hand). Die Ökothematik zerdehnt zwar die Story, aber so nebenbei erfährt man allerhand über die Ölgewinnung auf den riesigen Plattformen vor Norwegens Küste und wird mit dem weit gehend unerforschten Ökosystem Tiefsee vertraut gemacht.

Für den spannenden Plot hat Tausendsassa Schätzing (der Mann leitet eine Werbeagentur, ist Musikproduzent, sieht gut aus und hat eine mehr als bewegte Website), diverse Erfolgsrezepte zusammengerührt und mit Öko abgeschmeckt. Nicht unclever und präventiv erwähnt Schätzing im Roman das Quellgebiet, das er geistig angezapft hat. Michael Crichtons Œuvre, Independence Day, Contact mit Jodie Foster und ganz besonders James Camerons Erfolgsfilm Abyss, sie alle grüßen herzlich aus nicht allzu großer Ferne.

Im letzten Drittel wird kräftig (Methan-)Gas gegeben. Tsunamis schwappen, Gallertartiges triumphiert. Höllengleich mutieren Zellverbände zu formenreichen Glibberwesen voller Tentakel. Knietief jagt Schätzing uns durch den intelligenten Schleim, der die Menschheit vor ihre größte Herausforderung stellt. Beängstigender Ökothriller! Bitte sofort die Ölheizung abdrehen! --Ravi Unger

Wow!!!
Wow, man möchte die Story der 1000 Seiten „Schwarte" (das umfangreichste Buch, dass Kiepenheuer & Witsch herausgebracht hat) am liebsten ohne Unterbrechung verschlingen. Atmosphärisch dicht und ungemein spannend treibt der Autor seine Geschichte voran. Wissenschaftlich fundiert (nebenbei erfahren wir sehr viel über Meeresbiologie, Erdölgewinnung in der Nordsee, Walforschung und viele mehr), sehr vielseitig und mit echten filmischen Cliffhangern am Ende jedes Kapitels begeistert uns der Autor Frank Schätzing. Die Balance zwischen wissenschaftlicher Realität uns Science Fiction ist eine Gratwanderung, die ihm fantastisch gelungen ist.

Vorne stark und hinten flach
So würde Weinkenner Schätzing vielleicht sein eigenes Buch beschreiben. Der Anfang ist überwältigend: giftige Quallenschwärme vor den Stränden, Wale greifen Schiffe an, Milliarden Würmer krabbeln aus der Tiefsee hoch - überall auf der Welt kommt es zu unheimlichen Vorkommnissen. Vieles ist der Menschheit bekannt, doch diesmal agieren die Naturgewalten so abgestimmt, als würde eine geheimnisvolle Kraft die Gewalten der Natur koordinieren und gezielt gegen die Menschen steuern! Weltweit wird der Notstand ausgerufen.

Der Kölner Star-Autor Frank Schätzing beschreibt mit solidem Wissen und detailliert die Meeres-Lebewesen und Naturgewalten - der Lernfaktor ist hoch, und hier liegt der Reiz des Buches. Die Natur holt zum Gegenschlag aus, und das gerade rechtzeitig, bedenkt man die Millionen Tonnen an radioaktiven und giftigen Müll, die seit Jahrzehnten in der Tiefsee versenkt werden. Nun kommen zunächst die Schifffahrt und dann der Welthandel zum Erliegen. Ein Netzwerk von Forschern und Geheimdienst-Agenten versucht, die Katastrophe zu erfassen, und es kommt zu einer Riesen-Überraschung.

Leider häufen sich in diesem zweiten Teil des Buches die Schwächen. Schätzing verwendet viel Zeit auf Gefühlsduseleien zwischen den Beteiligten - kaltes Karrieredenken, warme Vaterliebe, wahre Freundschaft, schüchtern keimende Liebe zwischen erfahrenen Erwachsenen usw. Solche Dinge können andere Autoren irgendwie besser beschreiben, doch vor allen Dingen wirken die ausschweifenden Gedanken oft fehl am Platz angesichts der Lage, dass nebenher gerade die Welt untergeht. Hier traue ich den Top-Forschern dieser Welt doch mehr geistige Größe zu. Das Buch wirkt am Ende sehr eingeengt: man verfolgt das Geschehen an gerade mal 2 Orten dieser großen Welt. Da das Überleben der Menschheit auf dem Spiel steht, müssten sich eigentlich weltweit die Ereignisse überschlagen, die Finanzsysteme zusammenbrechen, Erkenntnisse ausgetauscht werden, die Nationen enger zusammenrücken und ohne Vorbehalte kooperieren. Vielleicht würde die Menschheit sogar ihre Einstellung zur Natur einmal komplett überdenken und zu elementaren politischen Entscheidungen kommen - doch von all dem erfährt der Leser nichts. "Der Schwarm" entlässt Sie nach 1000 Seiten etwas unbefriedigt aus seinen Fängen.

Viel Licht, ein wenig Schatten
Normalerweise lese ich keine dt. Romane und normalerweise auch keine Bestseller (ausser Harry Potter)...

Den Schwarm habe ich vor kurzem gekauft, weil mich das Meer schon immer in einer Art Hass-Liebe interessiert hat (Ja, so ist man als Nichtschwimmer)...

Nun zum Plot: die ersten 200 Seiten fand ich zu lang, der mittlere Teil war der Beste, der Schluss ist zu lang, die beiden letzten Seiten hätten wieder länger sein können...

Einige Rezensenten haben ja schon viel verraten... also, dass fast jede Person in dem Roman stirbt, das finde ich zu fatalistisch,... die Diskussion über "Gott" und "Religion" finde ich hingegen prächtig,... wobei das Buch wohl niemals in den USA ein Renner werden kann und unverfilmbar ist, weil Atheisten (pfui!) doch keine guten Bücher schreiben dürfen...;-)

Vieles erinnert auch an tagesaktuelle Probleme (Bush, US-Administration, religiöse Rechte) und da habe ich für das Buch die Sorgen, dass vieles heute noch verständlich, bald aber "Vergangenheit" ist... insbesondere wenn Kerry die Wahlen gewinnt und hoffentlich kein wiedergeborener Präsident mehr amtiert.

Das Buch hat einen Suchtfaktor im Mittelteil, der viel mit echter "Angst" zu tun hat, man fühlt sich in die Charaktere hinein und denkt nur, Mist, was wäre wenn...

Aber so ein echter Suchtfaktor vom ersten bis zum letzten Buchstaben wie bei fast allen frühen Werken von John Irving, dem größten Romancier aller Zeiten, kommt nicht auf, weil zu viele Geschichten erzählt werden und tatsächlich - um es noch einmal zu schreiben - zu viele teilweise sehr liebevoll gezeichnete Charaktere sterben - wobei ich das Über-Luder Li gerne eigenhändig erschossen hätte... allen anderen hätte man - lieber Herr Schätzing - eine Chance geben sollen... und ein Roman mit offenem Ende ist auch nicht so toll, das geht nur im Kino - wegen dem Sequel... aber nicht im Roman.

Guter, zu recht erfolgreicher Versuch, us-amerikanische Schreibweise zu übernehmen und einen Film draus zu machen. Nichts für Germanisten und Anti-Kino-Gänger...
Siehe auch:

> Der Schwarm
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