Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
 | von Bastian Sick
ISBN: 3462034480 | Die deutsche Sprache liegt uns offensichtlich fast allen am Herzen, wie man an der ebenso endlosen wie hitzigen Debatte über die Rechtschreibreform erkennen kann. Einerseits. Andererseits ist leider ein oft unbedachter und liebloser Umgang mit ihr zu beklagen. Die Sprache kann sich ja nicht wehren, nicht einmal gegen schlimmste Vergewaltigungen -- man denke nur an den brutalstmöglichen Sprachschrott unserer Politiker. So etwas wie eine Sprachpolizei bräuchte man, die freundlich aber bestimmt auf Vergehen hinweist und Bußgelder verhängt. Freundliche Hinweise bekommt man auch im Zwiebelfisch, der Sprachkolumne, die Bastian Sick seit über einem Jahr wöchentlich für Spiegel-Online schreibt. Kaum zu glauben, dass man über Phänomene wie Fugen-s, unregelmäßige Verben oder sich epidemisch ausbreitende Suffixe so unterhaltsame Texte schreiben kann. Bastian Sick ist Entertainer und Oberlehrer in einer Person, wobei er letzteren vor allem in tabellarischen Zusammenfassungen am Ende seiner Kolumnen auslebt. Dabei ist das doch wohl der Idealfall eines Sachbuchs: wo man lachen und schmunzeln und gleichzeitig jede Menge lernen kann. Zum Beispiel, wo das Eszett seinen Namen herhat und warum die Deutschen als einzige diesen wunderlichen Buchstaben benutzen. Oder wie man eingebürgerte Fremdwörter konjugiert -- warum es zwar ich recycle heißt, aber nicht du recyclest. Und auf die verzwickte Frage, ob gedownloadet oder downgeloadet richtig ist -- wer hätte sich das noch nie überlegt --, weiß Sick die verblüffend einfache Antwort: Weder noch, es heißt heruntergeladen. Und wieso der Zwiebelfisch ausgerechnet Zwiebelfisch heißt, erfährt man naturgemäß auch. Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod bietet 47-mal charmante Aha- und Haha-Erlebnisse und ist jedem Sprach-User heißestens zu empfehlen. --Christian Stahl
seltsam Ich kann die Deutschen nicht verstehen: Da gibt es so tolle Buecher ueber die deutsche Sprache, das beginnt mit Mark Tain und endet mit Eckhard Henscheid, und ausgerechnet so ein Buch wird zum Bestseller! Einige Pointen sind ja ganz gelungen, aber sie langweilen sich bestimmt mitten in diesem Wust von uninteressantem Zeug. Fuer den Leser gilt dasselbe.
Wie der Titel, so das ganze Buch Eigentlich sollte man Bastian Sick ja loben, denn er spiegelt dem Leser keine falschen Tatsachen vor: Der Titel zitiert einen alten Witz, den schon vor 20 Jahren keiner mehr lustig fand. Und ähnlich verhält es sich mit dem Buch. Eine mittelmäßige Besserwisserei mit gut versteckten Pointen. Wer wirklich an Sprachwitz interessiert ist, der greife besser zu Karl Krauss.
Gescheitert am eigenen Anspruch Schade, schade, schade! Ich muß sagen, Sicks Zwiebelfisch-Kolumne fand ich oft ganz witzig, jedenfalls jede 2. oder 3. Folge. Jetzt, wenn ich die Zusammenstellung in einem Buch durchlese, merke ich, wie langweilig viele Kolumnen eigentlich sind. Beim ersten Lesen sind sie noch ganz amüsant, aber dem zweiten Blick hält kaum eine stand. Da fällt mir eher unangenehm auf, wie sehr Sick sich als spiritus rector aufspielt, und vor allem, wie sehr er an diesem Anspruch scheitert (Offensichtlich bemerkt er gar nicht, wie oft er selbst gegen seine eigenen Vorgaben verstößt!). Vielleicht sollte er sich in seinem nächsten Buch einem Thema widmen, von dem er mehr versteht. Siehe auch:| > Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod |
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