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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 24. Oktober 2014 

Im Anfang war (k)ein Gott


von Tobias D. Wabbel

Kategorie: Evolution
ISBN: 3491724775

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Bedeutendes Buch über die Frage nach Gott
Warum gibt es in diesem Buch kein Register? Warum gibt es in diesem Buch keinen Glossar? Anscheinend hat hier das Lektorat gepennt.

Diese Liste allerdings liest sich wie ein Who-is-who und ist schon erstaunlich: Gregory Benford, William H. Calvin, George V. Coyne (Astronom des Papstes), Richard Dawkins, Johannes V. Feitzinger, John F. Haught, Donald D. Hoffmann, Hans Küng, William C. Mitchell, Bill Napier, F. David Peat, Douglas Preston, Ulf von Rauchhaupt, Martin Rees, Rupert Sheldrake, Ian Tattersall, Gerd Theißen, Frank J. Tipler, Charles Townes (Nobelpreis Physik), Roger Trigg, Ulrich Walter (D2-Astronaut), Carl Friedrich von Weizsäcker, Franz M. Wuketits).

Man verstehe mich nicht falsch. Trotz der kleinen Mängel ist das Buch hervorragend (bis vielleicht auf zwei schlechte und unverständliche Beiträge). Dem Herausgeber gebührt jeder Respekt für die Autoren, die er da zusammengetrommelt hat. Die Idee, Befürworter der Evolution und Gottes-Skeptiker mit Theologen und Philosophen zu konfrontieren, ist sehr gelungen. Ein sehr gutes Buch, das jeden Cent wert ist, mit kleinen Mängeln, die das Gesamtbild aber nicht schmälern. Es könnte zu einer Art Standardwerk mutieren, das auch für den Schulunterricht sehr geeignet wäre.

Aufschlussreichstes Buch über Gott und die Wissenschaft
Ich muß mich anschließen: das Buch ist außerordentlich spannend und interessant. Wenn auch ein Beitrag (Feitzinger) recht abstrakt und für den normalen Leser ohne naturwissenschaftliche Vorkenntnisse weniger verständlich ist, denke ich, daß hier ein faszinierender Querschnitt des gegenwärtigen Forschungsstandes vorliegt - wenn man bei Gott von Forschungsstand sprechen kann. Was hier versucht wurde, ist Theologen, Philosophen und Top-Wissenschaftler dazu zu bewegen, sich über Gott zu äußern und die Frage zu klären, ob Gott bei der Entstehung des Alls seine Hände im Spiel hatte oder nicht. Unter normalen Umständen ist das ein aussichtsloser Versuch, da sich heutzutage immer noch sehr viele Wissenschaftler weigern, sich zu Gottes Platz im Universum zu äußern. Wabbel ist das aber erstaunlicherweise gelungen.
Als Physik-Studentin und Atheistin war es für mich klar, daß Gott bei der Entstehung des Alls nicht im geringsten eine Rolle gespielt hat, weil er einfach nicht existiert. Das Buch hat mich jedoch nachdenklich gemacht und mir einige Antworten auf meine Fragen gegeben, die ich mir seit meiner Kindheit schon immer gestellt habe. Aber, das muß jeder für sich selbst entscheiden. Vieles spricht für Gott - manches jedoch sehr gegen ihn. Besonders hervorheben möchte ich hier den Beitrag von Rupert Sheldrake, über die morphogenetischen Felder und den Beitrag von George Coyne, dem Astronomen des Papstes. Wenn Sheldrakes Theorie zutrifft, dann ist die morphische Resonanz des Universums nichts anderes als ein Sender und das menschliche Gehirn ein Empfänger. Im Grunde genommen wissen wir bereits alles, auch, ob Gott existiert oder nicht und auch warum wir existieren. Wir sind notwendig, um Gott und das Universum zu "realisieren", damit sich Gott seiner selbst bewußt ist. Das ist sehr provokant.
Daß der Herausgeber so viele hervorragende Autoren für das Buch gewinnen konnte, zeugt von sorgfältiger Recherche, Sachkenntnis und einer starken Leidenschaft für das Thema - eine wichtige Zutat für ein faszinierendes Buch wie dieses, die sich heutzutage bei anderen Werken sehr oft vermissen läßt. Ich wünsche mir mehr davon.

Im Anfang war Neugierde
Dieses Buch richtet sich offensichtlich an all jene Menschen, die sich in ihrem Leben schon mal gefragt haben, woher das Universum kommt, ob eine schöpferische Hand bei der Entstehung des Lebens auf der Erde nachgeholfen haben könnte oder ob unsere Existenz zufällig ist oder nicht: demnach also an jeden vernunftbegabten Menschen. Denn wahrscheinlich hat sich jeder schon einmal, wenn auch nur kurz, gefragt, warum wir hier sind. Das Buch gibt Antworten. Mehr Antworten, als Stephen Hawkings "Eine kurze Geschichte der Zeit." oder irgendein anderes Buch davor. Das Buch teilt sich in fünf Themenbereiche auf:
1) Gott und das Universum
2) Gott und die Evolution
3) Gott und das Bewußtsein
4) Gott und die Wissenschaft und den spannenden Schlußbereich:
5) Im Anfang war (k)ein Gott?

Die Gliederung ist klar und durchschaubar, kein Beitrag ist fehladressiert oder unverständlich, weil in normaler Sprache verfaßt und ohne jede Formel. Wirklich unverständlich und schwer nachvollziehbar ist nur der Beitrag von Johannes Feitzinger - das schmälert aber nicht das positive Gesamturteil. Das Buch soll dem Herausgeber zufolge ein interdisziplinärer Versuch sein, eine Annäherung der Naturwissenschaft an die Gottesfrage zu finden. Angesichts der zahlreichen Größen aus Wissenschaft und Theologie und deren kritischen Beiträgen ist dies gelungen. Es fängt bei Hans Küng und Carl Friedrich von Weizsäcker (!), an und geht bis hin zu Douglas Preston, Richard Dawkins, Frank Tipler, Martin Rees, Rupert Sheldrake, Charles Townes (Nobelpreisträger Physik), George Coyne (Astronom des Papstes) Bill Napier, William Calvin, Franz Wuketits u.v.a., die selbst erfolgreiche Autoren und Wissenschaftler sind. Faszinierend ist schon zu lesen, wie Frank Tipler allen ernstes anhand der mordernsten Physik beweist, daß dieses Universum seiner Auffassung nach ein Designer-Universum und daher von Gott geschaffen ist. Sehr ernüchternd dagegen ist Richard Dawkins Beitrag "Die Unwahrscheinlichkeit Gottes" in dem er seinen provokanten Standpunkt anbringt, daß Gott bei der Evolution einfach nicht notwendig war und ist. Jeder Leser kann sich sein eigenes Urteil bilden. Es werden keine Dogmen aufgestellt, sondern Fakten präsentiert. Am Ende ist jeder schlauer.

Tipler und Dawkins stehen stellvertretend für das gelungene Gesamtkonzept des Buches: beide Seiten werden gezeigt: naturwissenschaftlich-theologische Argumente "pro" und "contra" Gott. Jeder kommt zu Wort, der Skeptiker wie auch der Gottes-Befürworter. Dabei ist dem Herausgeber Wabbel hoch anzurechnen, daß ihm dieser Spagat mehr als gelungen ist.

Ein hervorragendes Buch, das zum Nachdenken und nächtelangen Diskutieren anregt.
Siehe auch:

Evolution > Im Anfang war (k)ein Gott
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