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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMittwoch, 18. Oktober 2017 

Richard Feynman


von John Gribbin

ISBN: 3492040411

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Kleiner Test: Mathe "gut" oder besser? Dann bitte nur den Schluss dieser Rezension lesen. Alle übrigen: Sie werden weite Teile des Buches nicht verstehen, aber Sie sollten es trotzdem lesen. Wegen der Seiten, die sie verstehen. Und wegen der anderen auch.

Denn Sie besuchen zwar regelmäßig Aufführungen Neuer Musik, haben ein Theater-Abo, verbringen viel Zeit mit der "ZEIT". Immer häufiger aber streift Sie die Ahnung, dass die Musik nicht im Konzert spielt, Theater subventioniertes Getue ist und das Feuilleton -- eine seiner gerade abgelegten Lieblingsvokabeln -- "selbstreferentiell". Freudvollere Freizeitgestaltung täte not!

Unser Tipp: Geschichte der Physik. Hier geht es endlich mal um große Dinge, die klitzekleinen Teilchen unserer Welt. Hier spielt die Musik, bei manchen dieser Winzlinge läuft die Zeit nämlich ganz real rückwärts (nicht bloß im Kopf eines Komponisten), bei anderen wieder ist Wirklichkeit mal wirklich doppelbödig (dieser geschundene Begriff der Kritik!).

Der Mensch Richard Feynman (in den USA populär, hierzulande bloß Physikern bekannt) bleibt fremd: "Mad Professor", hoher Sexkonsum, später Familienvater; auch seinen Biografen war die Erforschung dieser Durchschnittsfakten nicht viel Mühe wert. Gut so. Aber ein Physiker, der die Regel außer Kraft setzt: Bedeutendes zwischen 20 und 30, Nobelpreis, Prominenz, Banalität. Stattdessen: Auch jenseits der 50 führend beteiligt an sensationellen Entdeckungen.

Rezensionsabschnitt für alle: Gebrauchsanweisung. Sie stammt von Feynman höchstselbst. Erdacht einst für die kleine Schwester: "Lies einfach. Wenn Du nicht mehr weiter kommst, fang von vorn an, bis Du erneut stecken bleibst. Fang wieder von vorn an, bis Du mit dem Buch fertig bist." --Michael Winteroll

gut zu lesen
Die Biografie informiert nicht nur über das Leben des illustren Physikers Feynman, sondern stellt ihn auch in den naturwissenschaftlichen Kontext. Man erfährt über die Entwicklung der Physik vor Feynman, die Planck'sche Quantenhypothese, des Bohr'sche Atommodell, sehr lehrreich: die Lamb-Verschiebung, die den durchschlagenden Erfolg der Quantenelektrodynamik mitbegründete, da diese eine berechenbare Erklärung für jene gab. Feynman bekam für seinen Beitrag zur QED und seine berühmten Feynman-Diagramme den Nobelpreis. Ausserdem löste er die Frage nach den Grund des Challenger-Absturzes. Persönliche Details erhielten die Autoren v.a. von Feynmans Schwester. Wer bereits "Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman!" oder "Kümmert Sie, was andere Leute denken?" gelesen hat, erkennt, dass viele Geschichten aus diesen - noch von Feynman selbst herausgegeben - Anekdoten-Sammlungen stammen. Den Autoren muß zugutegehalten werden, dass der wissenschaftliche Teil sehr anschaulich geschrieben ist und inhaltlich mustergültig richtig ist. Er enthält keine blöden Flüchtigkeitsfehler, die oft in poulärwissenschaftlichen Publikationen auftreten, wenn der Autor wohl davon ausgeht, dass der Leser sowieso nicht versteht, was gemeint ist. Großes Lob! Es wurde versucht, den Feynman-typischen lockeren Ton zu imitieren, allerdings bleibt natürlich eine gewisse Distanz zur beschrieben Person, die nur in einer Autobiografie vollständig wegfällt. Wer also vor allem mit lustige Anekdotenunterhalten werden will, sollte eines der oben genannten Bücher lesen. Für alle, die einen fundierten Überblick über Feynman Leben und seinen Beitrag zur Physik suchen, ist dieses Buch genau das richtige.
Siehe auch:

> Richard Feynman
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