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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSamstag, 16. Dezember 2017 

Anrufung des Großen Bären.


von Ingeborg Bachmann

Kategorie: Bachmann, Ingeborg
ISBN: 3492203078

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Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Anrufung des Großen Bären
OA 1956 Form Lyrik Epoche Moderne
Die zweite und letzte Gedichtsammlung Anrufung des Großen Bären begründete zusammen mit dem drei Jahre zuvor erschienenen Lyrikband Die gestundete Zeit Bachmanns Ruhm als eine der wichtigsten deutschsprachigen Lyrikerinnen der Nachkriegszeit. Ihre als schwer zugänglich geltenden Verse beschreiben traumatische Erfahrungen und entwerfen eine Utopie. Geschichte, literarische Tradition und persönliches Leiden treten in ein Spannungsverhältnis.
Entstehung: Die 1956 veröffentlichte Gedichtsammlung enthält zahlreiche Reminiszenzen an Bachmanns Leben in Italien. Besonders die Gedichte des dritten Teils zeugen von einer ambivalenten Faszination für die landschaftlichen und atmosphärischen Eigenarten Italiens, die sich aus der Wahrnehmung der Schönheit des Landes und zugleich einer tiefen Irritation zusammensetzt. Ihrer Italienerfahrung schrieb die Kritik ihre »neu entdeckte Sinnlichkeit« zu, die Liebe und Eros einen großen Raum zugesteht.
Inhalt: Trotz der formalen Veränderung knüpft die Autorin inhaltlich an die Gedichte ihres vorhergehenden Bandes Die gestundete Zeit an. In mystisch-märchenhaften Bildern wird die Bedrohung der menschlichen Beziehungen in der gegenwärtigen Welt einer ersehnten Utopie gegenübergestellt, in der Unterdrückung und Ausbeutung abgeschafft sind. Die Verhältnisse der Gegenwart mit ihrer Entfremdung des Individuums werden vorbehaltlos abgelehnt. Als Heilmittel gegen die Entfremdung gelten für Bachmann Natur, Kunst, Religion, Märchen und Liebe. Die Utopie wird verlagert in den Bereich der Imagination und nicht mehr rational fassbar. Im Zentrum der dichterischen Aussage steht als verbindendes Prinzip die Erfahrung des Sprachverlustes. Der geheime Sinn der Gedichte wird erhellt durch das Wissen der intensiven Auseinandersetzung Bachmanns mit der Sprachphilosophie Ludwig R Wittgensteins und dem Werk Heideggers.
Aufbau: Der Band mit insgesamt 41 Gedichten gliedert sich in vier unterschiedlich große Gruppen. Zwei Gedichte bilden jeweils einen eigenen Zyklus: Von einem Land, einem Fluss und den Seen besteht aus 10, Lieder auf der Flucht aus 15 Gedichten. Im Gegensatz zum ersten Lyrikband Bachmanns ist die Form strenger, wenngleich der freie Rhythmus erhalten bleibt. Mehr als die Hälfte der Gedichte ist gereimt. Die Kritik der 1950er Jahre rühmte die schönen Worte der »poésie pure« und sah Gedichte wie Das Spiel ist aus und Erklär mir, Liebe sowie die titelgebende Anrufung des Großen Bären als beispielhaft für ihr Werk. Die verharmlosende Interpretation ihrer Lyrik übersieht die dunkle Seite ihrer Dichtung, welche die Liebe märchenhaft überhöht und gleichzeitig eine existenzielle Verzweiflung zum Ausdruck bringt. Ihr liegt die Erfahrung einer geschichtlich bedingten Verstörung zu Grunde, die zunehmende »Sprachlosigkeit« zur Folge hat. Am Ende der Lieder auf der Flucht gipfelt die Verzweiflung in tiefe Resignation: »Die Liebe hat einen Triumph und der Tod hat einen,/die Zeit und die Zeit danach./Wir haben keinen.«
Wirkung: Nach Veröffentlichung ihres zweiten Gedichtbandes bescheinigte die Kritik der Autorin als erster deutschsprachiger Lyrikerin der Nachkriegsgeneration die Fortführung der großen Tradition der literarischen Moderne. Für Anrufung des Großen Bären erhielt Ingeborg Bachmann den Bremer Literaturpreis. Nach diesem Lyrikband veröffentlichte sie nur noch wenige vereinzelte Gedichte.

Kurzbeschreibung
Ingeborg Bachmanns Gedichte der Jahre 1954 bis 1956, erstmals 1956 in einem Band veröffentlicht. Zusammen mit "Die gestundete Zeit" bilden sie den Kern ihres lyrischen Werkes.Ingeborg Bachmann, 1926 in Klagenfurt geboren, starb 1973 in Rom. 'Malina' wurde 1990 unter der Regie von Werner Schroeter verfilmt.


Bachmann, Ingeborg > Anrufung des Großen Bären.
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