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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 24. Mai 2013 

Philosophie des Abendlandes.


von Bertrand Russell

Kategorie: Philosophie
ISBN: 3492242081

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Großer Denker...
Wer gerne eine Übersicht über die abendländische Philosophie bekommen will, sich aber nicht traut, eine der vielen auf dem Markt befindlichen Einführungen zu lesen, weil er Angst hat, er könne sich dabei eine Blöße geben, dem sei dieses Buch zu empfehlen. Dieses Buch stammt nämlich von einem der größten Geister und dazu noch größten Stilisten der philosophischen Schreibkunst. Russel hat zwar einen sehr eigenen Zugang zu den einzelnen Philosophen und man merkt schnell, welchen er mehr und welchen er weniger schätzt, dennoch sind seine Zusammenfassungen ein wirkliches Lesevergnügen. Ich möchte aber an dieser Stelle hinweisen, dass Russels Buch mit den amerikanischen Pragmatisten, genauer gesagt Dewey endet, da das Buch schon etwas älter ist. Bergson ist nach meinem Geschmack auch ein wenig zu breit behandelt, war aber wohl damals noch sehr en vogue.

Eingeschränkte Empfehlung
Bertrand Russels "Philosophie des Abendlandes" gehört zu den Klassikern der Philosophiegeschichte, obwohl es nicht die neuesten Strömungen behandeln kann.
Trotzdem besitz es Licht und Schatten. Hinsichtlich des ersten und zweiten Buches "Die Philosophie der Antike" und "Die Katholische Philosophie" bietet es einen guten und leicht lesbaren Überblick über die Entwicklung der Philosophie im Zusammenhang mit historischen und sozialen Ereignissen, die er in einem lockeren Schreibstil gut vermittelt.
Aber im dritten Buch "Die Philosophie der Neuzeit" verschlechtert sich der Inhalt dramatisch. Es scheint, als ob Russel sich Verplaudert hat und nun Jahrhunderte schnell abarbeiten will. Dabei zeigt sich seine unverholene Idosynkrasie für die deutsche Philosophie von Martin Luther bis Friedrich Nietzsche. Schon von anderen Rezensenten angesprochen, stellt die Besrpechung von Nitzesches Werk (nach meinem subjektiven Eindruck)eine der schlechtesten dar, die ich gelesen habe.
Zwar mag seine Abneigung an der Zeit gelegen haben (das Buch wurde im zweiten Weltkieg geschrieben). Aber das kann nicht der einzige Grund sein, da er im Gegenzug jeden englischen Philosophen heraushebt.
Wenigstens ist er so ehrlich und verschleiert seine Ansichten nicht mit philosophischen Phrasen.
Insgesamt als ersten Einstieg bis zu Renaissance gut zu gebrauchen. Danach sollte man sich nicht zu sehr Russel anschließen, ohne andere Einführungen gelesen zu haben.
Eingeschränkt zu empfehlen.

Populismus im Plauderton!
Für einen Nichtphilosophen, aber an der Philosophie Interessierten (wie ich es bin) ist dieses Werk angenehm zu lesen und verliert sich nicht in einem Sumpf aus philosophischen Fachbegriffen. Zudem verleiht es eine grobe Übersicht über die Geschichte der Philosophie und das, was zu unserem heutigen Denken führte.

Als Kaufargument kann jedoch nur Ersteres gelten, da es sicherlich eine andere, bessere Übersichtslektüre gibt.

Das Problem an diesem Buch ist die Voreingenommenheit und Einseitigkeit des Autors. Er gibt zwar zu, dass er nicht neutral schreibt, doch versucht er bewusst von seiner Philosophie und seinen Ansichten mit teilweise fadenscheinigen Argumenten zu überzeugen. Beliebt bei ihm ist mittels aus dem Kontext gezogenen Zitaten die Beweisführungsmethodik einzelner Philosophen anzuprangern und anhand kurzer und meines Erachtens wesentlich schwächerer Gegen-"beweise" die Leser, die zumeist einen Einstieg in die Philosophie suchen und daher noch besonders empfänglich sind, zu indoktrinieren.
Die griechischen Philosophen würdigt er ob ihres großen Einflusses auf das zukünftige Denken, jedoch verwirft er in fast unglaublicher Arroganz deren Ideen und das der weiteren Denker (nach dem Motto: wie blöd müssen doch alle Philosophen der letzten 3000 Jahre gewesen sein?).

Besonders augenfällig ist seine Verachtung für Nietzsche, die sich schon in der Darstellung von dessen Biografie manifestiert (!). Ich hätte nichts einzuwenden, wenn der Autor sachlich und emotional distanziert schreibt und am Ende des Kapitels seinen persönlichen Senf dazugibt (wieso auch nicht). Hingegen nimmt er einen Brocken aus Nietzsches Werk raus, wie z. B. den Übermenschen und behauptet, indem er dann Wagner auch noch in den Dreck zieht, dass Siegfried einen solchen Übermenschen entspräche. In seiner weiteren "Argumentation" wird dann deutlich, was er aussagen möchte und wirft das alles ohne ein Wimperzucken mit dem Nationalsozialismus zusammen (das geneigte Publikum klatscht Beifall für den ungeheuren Populismus). Russell hat entweder Nietzsche nicht gelesen oder nicht im Geringsten verstanden, da Nietzsche im Übermenschen weder einen blonden, deutschtümmelnden Jüngling sah, noch, wie Russell behauptet, ein Kriegsfanatiker war. Eine Aussage Nietzsches, wie ich es in einem seiner Werke selber gelesen habe, war, dass er zwar kriegerisch sei, jedoch führte er in den weiteren Sätzen aus (die Russell offensichtlich nicht mehr weiterlas oder bewusst verschwieg), dass seine Waffen Worte wären (also provokant) und er jedwede tätliche Gewalt verabscheue.

Fazit: Der Begriff "Stammtischphilosophie" eines Kommentators ist meines Erachtens trefflich gewählt. Es ist unter dem Deckmantel einer Geschichtsdarstellung ein reines Werk Russell'scher Philosophie, welcher sich mit fast ausnahmslosen Verurteilungen augenscheinlich selber als homo superior hält.
Siehe auch:

Philosophie > Philosophie des Abendlandes.
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