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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSamstag, 25. Mai 2013 

Linkshändige Kinder in Familie und Schule


von Alfred Zuckrigl

Kategorie: Eltern & Kinder
ISBN: 3497013706

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Schlichtweg veraltet
Ich halte es für bedenklich, dieses besonders in Bibliotheken verbreitete Buch als den letzten Stand der Weisheit anzusehen.

Der Schweizer Professor Dr. Zuckrigl legt hier in vergleichsweise schlichter, gut nachvollziehbarer Sprache seine Grundlagenvorstellung von den Ursprüngen der Linkshändigkeit dar und erläutert die Konsequenzen des Phänomens für Wachstum und Erziehung.

Sein Grundansatz ist der, daß Linkshändigkeit nicht um jeden Preis abtrainiert werden muß, aber das Kind eine Phase durchläuft, in der es in seiner Prädisposition festgelegt werden muß, um nicht evtl. Folgeschäden davonzutragen. Ähnliches gilt für die von ihm ebenfalls vermerkten Phänomene der Links-/Rechtsfüßigkeit und Links-/Rechtsohrigkeit - was mir zuvor unbekannt war.

Daß linkshändig veranlagte Kinder häufig eine Phase der Irritation durchlaufen, könnte lt. Zuckrigl ein Grund dafür sein, warum Linkshänder einerseits oft Lernversager oder -verweigerer, andererseits häufig besonders kreative und geistig überdurchschnittlich leistungsfähige Menschen seien. Seine Argumentation klingt zunächst folgerichtig, läßt aber den Leser mit den naheliegenden Schlußfolgerungen allein - so müßten z.B. zu spät umtrainierte Linkshänder oder umtrainierte Linkshänder mit nicht ebenfalls umgestellter Linksäugigkeit nach Zuckrigl eigentlich unweigerlich komplette Versager sein. Kurz: trotz einiger richtiger Grundgedanken und einer gut nachvollziehbaren Herleitung sozialer Phänomene aus einer genetischen Veranlagung überzeugt Zuckrigls Aufarbeitung des Phänomens Linkshändigkeit nicht, zumal sich schnell die Frage stellt, auf welchen Quellen denn diese Argumentation beruhte.

Das führt direkt zum zweiten Kritikpunkt:

Der Akademiker Zuckrigl hat das 1967 erstmals erschienene Werk gelegentlich "überarbeitet", was sich leider darin erschöpft, daß er hinten ein Kapitel angefügt und alles andere offenbar unverändert belassen hat. Wenn man beispielsweise die Quellenangaben und -datierungen überprüft, bemerkt man sehr schnell, daß der Autor es seit fast 40 Jahren für unnötig befunden hat, statistische Aussagen und wissenschaftliche Befunde mal auf ihre heutige Gültigkeit zu überprüfen. Angesichts dessen, was wir in den letzten Jahrzehnten über das Gehirn und das Phänomen menschlichen Lernens herausgefunden haben, ist das für einen Professor schlicht lächerlich.

Wissenschaftliche Schlampigkeit prägt denn auch das ganze Büchlein, was wegen des vergleichsweise eingängigen Schreibstils von unkritischen oder flüchtigen LeserInnen evtl. durchaus übersehen werden könnte. So ist sich Zuckrigl nicht zu dumm, kurz anzumerken, daß es bislang KEINEN Nachweis eines Zusammenhangs zwischen Linkshändigkeit und Sprachentwicklungsstörungen gibt, um sich anschließend über genau diese Zusammenhänge zu verbreiten. Das ist entweder ungeschickte Rhetorik oder schlicht unseriöse Pseudowissenschaft.

Trotz einiger guter Ansätze kann man im Grunde von diesem Buch nur abraten, weil es schlicht fast keine kompetenten gegenwartsbezogenen Aussagen enthält. Entweder müßte das Buch RICHTIG überarbeitet werden (was in diesem Fall wohl ein neues Buch ergäbe), oder es gehört endlich beherzt vom Markt genommen und aus den pädagogischen Ratgeberregalen entfernt. Aber das ist natürlich nur die Meinung eines nicht umtrainierten Linkshänders...
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