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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 18. Dezember 2014 

Therapie der Zweierbeziehung


von Jürg Willi

Kategorie: Beziehungen
ISBN: 3499605902

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Interessante Einblicke!
In diesem Folgeband des Buchs "Die Zweierbeziehung" behandelt Jürg Willi die Methodik und das Vorgehen seiner Paartherapie.
Dabei gelingt ihm der Brückenschlag zwischen Theorie und Praxis recht gut, er spricht in seinen Ausführungen sowohl Therapeuten als auch Betroffene an. Die besprochenen Themen sind:
- Das Erstinterview mit dem Paar
- Widerstand in der Paartherapie
- Die Übertragung in der Paartherapie
- Gegenübertragung und therapeutische Kollusion
- Ausübung von Paartherapie durch ein Therapeutenpaar
- Wertprobleme in der Paartherapie (ein Highlight!)

Die geschilderten Vorgehensweisen sind eindeutig psychoanalytischen Ursprungs mit den damit verbundenen Vor- und Nachteilen: die Prinzipien sind zwar einleuchtend, aber die wissenschaftliche Fundierung lässt doch etwas zu wünschen übrig. Hier ist das Buch "Die 7 Prinzipien der glücklichen Ehe" von J. Gottman wesentlich besser.

Steine sammeln auf dem "weiten Feld"
Es ist und bleibt das "Thema Nr. 1", wenn Menschen zusammen kommen: Glück und Leid der Liebe. Seit Fontane dafür das Synonym des "weiten Feldes" geprägt hat, ist es nicht mehr ehrenrührig, sich nur mit einzelnen Steinen dieses Acker-Feldes zu beschäftigen und dabei trotz allem der Meinung zu sein, etwas Neues beitragen zu können.
Jürg Willi ist ein solcher Steinesucher, Steinesammler und Steinefreund. Er wirft damit nicht nach anderen, sondern wiegt sie in seiner erfahrenen Hand, besieht sie mit vergleichendem Auge und erfaßt Dinge unter ihrer Oberfläche, die anderen entgehen. Dabei nimmt er gleichzeitig wahr, daß sich das Wetter über dem Feld ändert und die Früchte zwischen den Steinen reifen, geerntet oder ausgesät werden.
Man hält mit Jürg Willi inne, um sich zu erinnern, um zu vergleichen, um zu überdenken. Das ist für mich an ihm das Beste: Man kann sowohl eigene Erlebnisse als auch Mitteilungen anderer in neuem Lichte sehen, ohne dabei Niederlagen zu erleben, denn er erweitert den Horizont des Lesers. Um im Bilde zu bleiben: Obwohl das Feld dabei immer "weiter" wird, fühlt man sich auf ihm immer sicherer, denn seine Weite gehört immer klarer erkennbar zu seinem Wesen. Man lernt auf diese Weise ohne Furcht und ohne Hektik das Gehen, das Innehalten, das Schauen, das Zuhören und das Staunen. Man möchte andere in dieses Gefühl einbeziehen und wendet sich ihnen zu: Dem Partner, den Freunden, den Eltern und den Kindern.
Therapie? Das Buch ist Therapie.
Siehe auch:

Beziehungen > Therapie der Zweierbeziehung
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