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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSamstag, 30. August 2014 

Vorlesungen über Ethik


von Ernst Tugendhat

ISBN: 351806746X

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Das plausible Moralkonzept
Ernst Tugendhat - Vorlesungen über Ethik

Tugendhat knüpft mit diesem Buch an seinen früheren Überlegungen zum Problem der Ethik an. Anders als in der modernen Moralphilosophie üblich, möchte Tugendhat zuerst eingehend klären, was in unserer modernen Gesellschaft unter „Moral" und unter einer Begründung von Moral zu verstehen ist. Die modernen Moralphilosophen übergehen diese Schwierigkeiten, d.h. sie zeichnen entweder direkt ein Moralkonzept als das Richtige aus und versuchen dies zu begründen, oder sie reflektieren nur darauf, welches Moralkonzept in ihrer Gesellschaft vorhanden ist und verzichten auf eine Begründung. Tugendhat ist der Meinung, dass diese vermeintliche Alternative durch eine Verkennung des Problems entstehen: Das eigentliche ethische Problem liegt nicht der Auseinandersetzung zwischen dem amoralischen Egoisten und dem moralischen Altruisten, sondern darin, dass verschiedene Moralkonzepte nebeneinander existieren, die alle gleichermaßen einen universalen Geltungsanspruch erheben. Daraus folgt die moderne ethische Orientierungslosigkeit. In der ersten Person müssen wir ständig moralische Urteile fällen und erheben dafür immer einen universalen Geltungsanspruch. Gleichzeitig wissen wir aus der Perspektive der dritten Person, dass unsere Geltungsansprüche historisch und sozial relativ sind. Was in dieser Widersprüchlichkeit als ein „plausibles Moralkonzept" haltbar ist, ist das Thema dieses Buches. Tugendhat wählt hierfür ein weiteres Mal die literarische Form fiktiver Vorlesungen. Jede dieser achtzehn Vorlesungen ist in der für Tugendhat typischen, klaren und deutlichen Sprache verfasst. Kein philosophischer Fachbegriff wird eingeführt, nachdem er nicht eingehend in seiner Verwendungsweise untersucht wurde. Tugendhat entwickelt in Auseinandersetzung mit den verschiedensten moralphilosophischen Auffassungen ein zweistufiges Moralkonzept. Die untere Ebene besteht aus einem stark begründeten (amoralischen) Kontraktualismus, welcher die Motive für die Übernahme eines Moralkonzepts liefert. Die obere Ebene erweitert den instrumentalistischen Rahmen, kann dafür aber keine absolute Begründung mehr geben. Alle Versuche, ein nicht-instrumentelles Moralkonzept in unserer säkularisierten Welt absolut zu begründen, müssen als gescheitert angesehen werden. Das gilt auch für die diskursethische Neuformulierung des kategorischen Imperativs. Solche Versuche sind für Tugendhat nur psychologisch erklärbar: Wir alle wünschen uns einen kindlichen Zustand der Heteronomie zurück. Wir müssen uns der moralischen Autonomie stellen und die damit verbundenen Probleme akzeptieren. Tugendhat fordert uns auf, moralisch erwachsen zu werden.
Siehe auch:

> Vorlesungen über Ethik
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