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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMontag, 1. September 2014 

Eine Geschichte von Liebe und Finsternis


von Amos Oz

Kategorie: Liebesromane
ISBN: 3518416162

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Sein Buch gebe ein altes Rätsel auf, hat der 65-jährige israelische Schriftsteller Amos Oz über den Inhalt seines stark autobiografisch gefärbten Roman Eine Geschichte von Liebe und Finsternis geschrieben: „Wie können zwei gute Menschen eine schreckliche Katastrophe herbeiführen? Wie kann es kommen, dass die Heirat zweier Menschen, die einander wollen und einander gutes Wünschen, in einer Tragödie endet?“

Die zwei Menschen, von denen Oz hier spricht, das ist zum einen sein Vater: „ein sentimentaler und enthusiastischer Mann“, der siebzehn Sprachen lesen und elf sprechen kann (alle mit russischem Akzent), ein Universalgelehrter voll mit Magie und Mystik, und doch nach Ansicht der Mutter „rational sogar noch im Schlaf“. Die andere Person ist die Mutter des Schriftstellers, Fania Klausner, die am Ende der Geschichte von Liebe und Finsternis verzweifelt den Freitod wählt -- und von der der Ich-Erzähler behauptet, „bis zum Schreiben dieser Seiten“ nie über sie gesprochen zu haben. Ihre tragische Geschichte erzählt das Buch -- und die Geschichte der Überlebenden ihrer Familien, die, dem Holocaust entronnen, in den vierziger Jahren ins gelobte Land nach Palästina ziehen, und die doch auch in der ersehnten Fremde nicht recht glücklich wurden.

“Dieses Buch handelt von der enttäuschten Liebe meiner Eltern und Großeltern zu Europa“, heißt es bei Oz. „Es spürt dem jüdischen Erbe in der europäischen Kultur nach und dem europäischen Erbe in unserer eigenen Kultur. Vor allem aber ist es ein Buch über eine einzelne kleine Familie“. Nein, möchte man, eher ergänzend als widersprechend, hinzufügen: Vor allem ist die Geschichte von Liebe und Finsternis ein Stück großer, packender, ehrlicher, grandios erzählter Literatur. --Stefan Kellerer

Naja
Also eines mal vorweg: Dieser Roman liest sich äußerst mühsam. Klar ein todernstes Thema, aber trotzdem stellenweise zu langatmig, wie ich fand.
Die geschichtlichen Hintergründe sind zudem ziemlich schlampig recherchiert. Dem Autor unterlaufen Fehler, die vielleicht dem Durchschnittsleser nicht auffallen, mir als Geschichte-Lehramtler allerdings schon.
Leider teilweise eine Schwache Leistung :(

Ein ganz großer Erzähler!
Amos Oz Eine Geschichte von Liebe und Finsternis Suhrkamp Verlag
ISBN 3518416162

Hier beschreibt ein Autor seine wunderbare, anrührende und in einem langen Lebensprozess zur Vollendung gereifte Geschiche.
In differenzierten, feinen Beobachtungen, mit denen er als Kind die Welt und die Erwachsenen um sich herum wahrgenommen hat, läßt uns Amos Oz teilnehmen an dem, was Juden mit der Vertreibung aus ihren Heimatländern widerfahren ist.
Beide Großeltern stammen aus Odessa und Rowno, von wo sie um 1930 herum aufgebrochen sind, um in Israel eine neue Heimat zu finden, geflohen vor Progromen und den heranrückenden Nazis.
Es waren wohlhabende, gebildete Familien, die aus allen Bezügen bürgerlichen Wohlstands und der Teilhabe am kulturellen und wissenschaftlichen Leben herausgerissen wurden. Der Aufbruch in ein neues Land, der nicht gewollt war, vollzog sich unter widrigsten Umständen. In Jerusalem brauchte man Handwerker und benötigte Landwirtschaft, um überhaupt zu einem Aufbau des Landes beitragen zu können. Über beide Fertigkeiten verfügten viele eingewanderte Familien nicht. So blieben Träume und Hoffnungen auf wissenschaftliche Karrieren auf der Strecke, mußte nach dem gewohnten begüterten Leben mit primitivsten Unterkünften Vorlieb genommen werden, galt es, Verzicht auf gewohnten Lebensstandard zu leisten. Nur Bücher bleiben eine unerschöpfliche Quelle des Glücks in der Familie.
Der Junge wird ein liebevoller Beobachter, der seinen Eltern mit Empathie die Unbilden der Einwanderung zu erleichtern versucht. Daß er damit überfordert war, ist nur zu begreiflich.
So ahnt er die Tragödie der Eltern: eines klugen, pedantischen und mühsam das Leben meisternden Vaters, der sich als Bibliothekar den Broterwerb sichert, und einer an schweren Depressionen erkrankten, ebenfalls begabten und klugen Mutter.
In wunderbaren Szenen bekommen wir ein Bild von der frühen Phantasiewelt, mit der der Autor sich eine Welt zusammenspielt, in der er bestehen kann.
Der übergroße Vater, der viel zu viel spricht, weil er das Schweigen nicht erträgt, die stumme und bedrückend kränkelnde Mutter begleiten seine frühesten Kindheitsphasen. Später ertragen Vater und Sohn den Freitod der Mutter nur stumm miteinander. Sie gehen auseinander, als Amos beschließt, sich in einen Kibbuz zu begeben und sein Leben selber in die Hand zu nehmen.

Man bekommt tiefe Einsichten in die Unerschütterlichkeit, mit der Juden ihr Leben in der fremden Umgebung zu meistern versuchten, um endlich eine Heimat zu finden.
Die beschriebenen Charaktere sind vielfältig wie das Leben.
Die Schilderungen sind getragen von liebevoller Mitmenschlichkeit, voller Verständnis, kritischer Selbstreflexion und Dankbarkeit für die Menschen, die dem Erzähler im Leben begegnet sind und ihm weitergeholfen haben. Dazu gehört auch die spätere Ehefrau. Schöner und anrührender kann man eine solche Liebe und Freundschaft nicht beschreiben.
Traditionen in den Familien bleiben das bindende Glied über alle Hürden und Widrigkeiten hinweg. Es gibt aber auch Zerrüttungen, die eine Begegnung zwischen einstmaligen Familienmitgliedern für immer unmöglich werden läßt.

In einer zugleich poetischen und realistischen Sprache wird hier ein Leben zwischen Vergangenheit und Aufbruch beschrieben, voller Lebensweisheit, Weltklugheit und Versöhnlichkeit, ohne daß die bestehende Realität verleugnet wird.

Ich habe lange nicht ein so wunderbares Buch wie dieses gelesen.
Cl.B.
Siehe auch:

Liebesromane > Eine Geschichte von Liebe und Finsternis
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