Mit anderem Blick Erzählungen
Nebenwerk einer großen Autorin Der Vorabdruck einer Geschichte in diesem Band - Fototermin L.A. - in der Süddeutschen hat mich bewegt, das Buch zu lesen. Es geht hier um die Begegnung zwischen "Old Europe" und der amerikanischen Leitkultur unseres Jahrhunderts, ein reizvoller Kontrast an Perspektiven. Frau Wolf ist eine altmodische, ältere Frau, geprägt in einem Land, das längst nicht mehr existiert, und ihr Aufenthalt in Kalifornien, der den Mittelteil des Buches ausmacht, ist eine Bestandsaufnahme, was ein aus der Zeit geworfener Mensch noch sagen oder erleben kann.Die hohe sprachliche Kunst der Autorin ist zu Beginn des Buches evident, wo sie zuerst über Nägel, dann über Steine und zuletzt über die Farbe Blau assoziiert auf einem Niveau, das es heute in der Literatur gar nicht mehr gibt. Etwas schwächer dann der lustige Monolog ihres Ehemannes über das Essen, etwas spöttisch über dessen Umstandskrämerei, aber doch auch liebevoll. Zuletzt dann eine Bestandsaufnahme am 27. September 2001 nach 09/11, die wenig aussagekräftig ist und in bloßem Zitieren mündet, was ich für ein Armutszeugnis halte. Insgesamt ist das Buch eines dieser literarischen Nebenschauplätze, wie sie zum Beispiel Peter Handke liebt. Keine große, geschlossene Arbeit, sondern ein zufällig zusammengeklopptes Gelegenheitswerk, das zwar den Rang der Autorin dokumentiert, aber zu ihrem Werk nicht beiträgt. Die älteren Geschichten, die schon bei Luchterhand aufgelegt wurden, sind besser als die neuen. Manchmal hat man beim Lesen den Eindruck, die Schreibmaschine der Wolf, die sie ihre "unablässige Mahnerin" nennt, sei kurz vor dem Verstummen. Siehe auch: |