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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 20. Juni 2013 

Borderline-Störungen. Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige


von Ulrike Schäfer

Kategorie: Gesundheit & Medizin
ISBN: 3525462492

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Konsequent kompakter und kompetenter Rat


Borderline" ist inzwischen zu einem Alltagsbegriff geworden, der rasch verwendet wird, ohne spezifisches Hintergrundwissen. Oftmals werden Menschen als Borderliner bezeichnet, um ihre Verhaltensweisen einzuordnen; hierbei kommt es aber auch rasch zu gravierenden Fehleinschätzungen und unnötigen Pathologisierungen oder Stigmatisierungen.
In diesem neuen Buch geht es um eine Entstigmatisierung", damit Borderline kein Schimpfwort (wird), sondern (als) eine ernst zu nehmende psychiatrische Erkrankung" (S. 10) verstanden wird, der man sach- und menschengerecht begegnen kann.
Das ausgewiesene Fachautorentrio Ulrike Schäfer, Eckart Rüther und Ulrich Sachsse aus Göttingen hat die jahrelangen Erfahrungen in der praktischen Arbeit mit Borderline-Patienten/-innen zu einem - auch für Laien gut verständlichen - Ratgeber für Betroffene und Angehörige zusammengefasst.
Auf gut 110 Seiten werden in kompakter Weise die einzelnen Elemente behandelt, die im Leben eines Menschen mit einer Borderline-Störung eine Rolle spielen (können).
So wird zunächst eine grobe Beschreibung und dann eine spezifische Definition von Borderline gegeben. Dabei orientiert man sich vor allem an den diagnostischen Kriterien nach DSM - IV, welche hier stichpunktartig aufgeführt werden: Vermeiden von Verlassen werden", instabile zwischenmenschliche Beziehungen, Identitätsstörung, Impulsivität, Suizidale Handlungen, selbstverletzendes Verhalten, Gefühlsschwankungen, Gefühl von Leere, unangemessene Wut und dissoziative Symptome.
Phänomene, die bei Menschen mit einer Borderline-Störung auftreten können, werden im weiteren sehr alltagsnah beschrieben, so dass sich die Lesenden sehr gut in die Lage von Borderline-Patienten/-innen hineinversetzen können. Die Bereiche Sucht, Essstörung, Angst, selbstverletzende Verhaltensweisen, Suizidalität und Dissoziationen werden klar umschrieben.
In einem kurzen Abschnitt werden auch statische Elemente eingefügt, wonach 0,8 bis 2 % der Allgemeinbevölkerung eine Borderline-Störung haben, sich 80 % von diesen in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung befinden und es nach dem dritten Lebensjahrzehnt zu einer deutlichen Stabilisierung kommt.
Die Entstehungsbedingungen für eine Borderline-Störung werden in einem eigenen Kapitel gut erklärt. Hier wird sowohl die Bedeutung von Umweltfaktoren als auch von genetischen, neuro-biologischen bzw. -chemischen Faktoren und Traumata ausgewogen beschrieben.
Die Erklärungen über Verfahrensweisen zur Feststellung einer Borderline-Störung mit den fachspezifischen Testverfahren wird eher für Psychologen/-innen und Ärzte interessant sein.
Die beiden Kapitel über die Umgangsweisen Betroffener bzw. Angehöriger mit dem Störungsbild der Borderline-Störung gehören zu den Highlights dieses Buches. Hier wird sehr anschaulich und mittels gut gewählter Beispiele aufgezeigt, wie betroffene Menschen oder deren Angehörige mit der Borderline- Problematik umgehen können.
Die in einem gesonderten Abschnitt aufgezeigten vielfältigen Behandlungsmethoden sind zwar nicht sehr ausführlich beschrieben, vermitteln aber ein gutes Bild über mögliche Wege in der Beratung und Therapie. Insbesondere die Beschreibung der medikamentösen Behandlung mit klaren Angaben zu den Medikamenten, welche bei speziellen Symptomen wie eingesetzt werden sollten, wird für viele Leserinnen und Leser hilfreich sein.
Die relativ ausgefallene Literaturliste wird dieses Buch gut ergänzen können.
Bei den Ausführungen zur Traumazentrierten Psychotherapie wäre ein Hinweis schlüssig gewesen, dass hier Punkte aus dem Buch Hilfe und Selbsthilfe nach einem Trauma" aufgegriffen wurden. Die Graphiken wirken zu starr und hätten mittels Piktogrammen uns Symbolen anschaulicher ausfallen können. Zudem wäre ein Kurzregister verwendeter Fachbegriffe - insbesondere für Laien - eine Hilfe gewesen.
Die bekanntermaßen nicht gerade leichte Beschäftigung mit Borderline hätte durch ankernde Fotos erleichtert werden können.
Ansonsten aber besticht dieser kompakte Ratgeber durch seine klaren Ausführungen, die wirklich weiterhelfen können. Dies trifft auch vor allem auf die Beantwortung der Frage zu: Gibt es Borderline- Störungen bei Kindern und Jugendlichen?" Hier nimmt das Autorentrio klar Stellung und geht eher von einer Borderline-Entwicklungsstörung" aus.
Im Gesamten also ein sehr konsequenter, kompakter und kompetenter Ratgeber!

Siehe auch:
Gesundheit & Medizin > Borderline-Störungen. Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige
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