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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSamstag, 29. November 2014 

Fritten, Fett und Faltencreme


von John Emsley

Kategorie: Allgemeine Einführungen
ISBN: 3527311475

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Anregend, aufschlussreich und amüsant
Populäre Darstellungen der Naturwissenschaften im Allgemeinen und der Chemie im Speziellen, spriessen seit nunmehr genau einer Dekade aus dem Sachbücherwald bzw. seit dem Erscheinen von John Emsley's mehrfach ausgezeichnetem Erstlingswerk „Parfum, Portwein, PVC . . . Chemie im Alltag" (1) 1994, in der englischen Originalausgabe (1997 erschien im Wiley-VCH Verlag bereits die deutsche Übersetzung):
Die Triebfeder des Autors zum Double von 1999 „Sonne, Sex und Schokolade ... Chemie im Alltag II" (2), bestand wohl im von ihm erwähnten sog. „Lieblingsthema", der "oft missverstandenen Bedeutung der Chemie im Allgemeinen und der Chemikalien im Besonderen in unserem alltäglichen Leben". Womit, gemäss den Angaben des Verlags, erfreulicherweise erneut ein Bestseller gelang.
Damit war eine breite Publikationslawine (im direkten Vergleich mit anderen Sachbuch-Themen wohl eher ein Schneeflöckchen ... aber immerhin) losgetreten. Nun versuchten sich diverse Autoren oder gleich ganze Kollektive und Verlage im selben Metier.
Die Titel lauten: „Kaffee, Käse, Karies" (3), welches 1998 auf den Büchertisch kam, just-in-time mit dem Millenium folgte „Die Babywindel und 33 andere Chemiegeschichten" (4), im Jahr 2001 folgten „Morde, Macht, Moneten" (5) plus „Gene, Gicht und Gallensteine" (6), im Folgejahr „Teflon, Post-it und Viagra" (7) sowie „Meerjungfrauen, Schwarzlicht und andere optische Aufheller"(8). Schliesslich wurde im letzten Jahr noch „Fälscher, Schwindler, Scharlatane" (9) veröffentlicht, bevor nun der eigentliche Emsley'sche Hattrick gelang: Auf ganzen 275 Textseiten - seine beiden Vorgänger waren freilich mit ihren 362 bzw. 302 Seiten noch etwas umfangreicher - gelingt's ihm, in 6 Kapitel gegliederte Themen wie „Fritten, Fett und Faltencreme ... noch mehr Chemie im Alltag" (10) an eine interessierte, sicher bunte Leserschaft zu bringen!
Neue - ja wirklich (!) - Artikel der letzten zwei, drei Jahre aus renommierten naturwissenschaftlichen Journalen stammend, werden im Zusammenhang mit den sechs Schwerpunktthemen „Kosmetika, Nahrungsmittel, Sex, Hygiene, (mentale) Gesundheit und getarnte Polymere" mal erwähnt oder auch besprochen.
Damit gelingt Emsley eine (meist) chronologisch gegliederte, sauber vom Altbekannten her zum Aktuellen hin aufbereitete, durchwegs anregend verfasste Einführung und leserfreundliche Veranschaulichung der Themen.
Er will dem Leser das „Schlimmste im Leben", die Unsicherheit nehmen, also Sicherheit im Umgang mit der Chemie und den Chemikalien geben. Er ist tief davon überzeugt, dass die künftige Herausforderung darin besteht, Zitat, „die Segnungen der Chemie allgemein zugänglich zu machen, ohne der Umwelt Schaden zuzufügen - unter ausschliesslicher Verwendung nachwachsender Rohstoffe", mit der Gewissheit, dass sich dies auch erreichen lässt.
Er zeichnet sich durch ein sicheres didaktisches Gespür aus, just im richtigen Moment, die zum Textverständnis zentralen Begriffe treffend zu erläutern, dem Leser dabei Chemie zu lehren, jedoch ohne lehrerhaft oder belehrend zu wirken. Dieses Konzept wird durchgezogen und gelingt grösstenteils sogar noch in der Deutschen Übersetzung, was möglicherweise mit ein Grund war, dass ihm die GDCh 2003 ihren Literaturpreis verlieh.
Emsley studierte übrigens an der Manchester University Chemie und promovierte dort auch 1963. An der University of London war er dann bis 1990 als Dozent tätig, bevor seine eigentliche Wissenschaftsjournalisten-Karriere (durch)startete.
Mit der Lektüre kann übrigens immer grad da begonnen werden, wo man z.Z. Lust drauf verspürt. Damit ist der neue Teil III, welcher mir von den Dreien übrigens am besten gefällt, optimal qualifiziert zum Bezug des eben vakant gewordenen Nachttisch-Quartiers. Ein anderer Leser steckt ihn vielleicht grad in seine Ferien-Reisetasche oder in den Wanderrucksack, für unterwegs im öV etc.
Vielleicht sprach mich dieser Band auch so gut an, weil grad hier mehrere Themen besprochen werden, mit denen ich mich z.T. beruflich aber auch schon privat auseinandergesetzt habe und das sind ja jeweilen recht heikle Momente, denn die hochgesteckte Erwartung beim Lesen birgt die relativ grosse Gefahr, dass ebendiese enttäuscht wird.
Umso erfreulicher, wenn der Innentext hält, was der Buchumschlag verspricht: „Aller guten Dinge sind drei ... So macht Chemie ganz einfach Spass!" Liest man dann die Danksagung an die 30 namentlich erwähnten hochkarätigen Fach- & Sachspezialisten, versteht man die heutzutage notwendigen Voraussetzungen, dass eine seriöse wissenschaftliche Arbeit zustande kommt und erfolgreich gelingt: den überdurchschnittlich hohen Einsatz eines Einzelnen, Kontakte und Teamwork!
So, nun zu den Kritikpunkten: In jeder Schülerarbeit wird gefordert, kein Plagiat zu betreiben und jeweilen sauber, wie's sich für jede Publikation gehört, 1. den eigenen Text von den Zitaten kenntlich zu unterscheiden und 2. die Herkunft der Zitate anzugeben. Die Literaturangaben fehlen komplett, ein kritischer Missstand. Unverständlich. Jeder Leser würde zusätzlich profitieren, wenn er hinten im Buch die Originalliteraturstelle nachschauen könnte, so wie's sich einfach gehört, speziell in einem naturwissenschaftlichen Sachbuch.
In die selbe Richtung fällt der Wunsch, die eine oder andere chemische Formel mehr anzugeben. Damit gelänge mitunter sogar ein leichter verständlicher Text, denn ... „ein Bild sagte schliesslich oft mehr als ... „.ausserdem findet die chemische Formelsprache (auch heute noch) Zugang in alle deutschsprachigen schulischen Lehrpläne und darf damit als internatonal-verständliches Hilfsmittel aufgefasste werden. Mir scheint, ab und zu mühe sich der Autor mit Worten, wenn eine Formel schnell das ihre dazu täte.
Die Tabellen zum Text finde ich sehr hilfreich, ich wünschte mir jedoch noch weitere Abbildungen, Grafiken und/oder Illustrationen. Man merkt die Hingabe seitens Autor zum geschriebenen Wort, noch lehrreicher - weil auf weiteren „Kanälen" gesendet - wäre entsprechendes Bildmaterial. Speziell seine Kontaktpersonen böten mit Sicherheit einen wahren Fundus an aufschlussreichen Originalmaterialien (keine 1001-mal gesehenen Lehrbuchabbildungen natürlich). Davon würde auch sofort eine wesentlich grössere Leserschaft angesprochen. Ich denke z.B. an „Die illustrierte kleinen Geschichte der Zeit" von Hawking.
Ein knapp 300 Seiten starkes Sachbuch mit vom Autor bezwecktem Lerneffekt, aber ohne eine einzige Abbildung wirkt auf einen grossen potentiellen Leseranteil altbacken und abschreckend, was gemäss der Vorbemerkung nicht die wahre Intention des Autors sein kann?!
Fazit: „Aller guten Dinge sind drei ... So macht Chemie ganz einfach Spass!".
Enjoy, db
Siehe auch:
Allgemeine Einführungen > Fritten, Fett und Faltencreme
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