Psychologische Tests für Mediziner
Die Medizinpsychologen Berth und Balck tragen hier die speziell für den medizinischen Alltag relevanten Testverfahren zusammen. Das macht Sinn, denn häufig ist auch bei psychischen Problemen der Arzt die erste Anlaufstelle des Patienten. Mediziner haben demnach zwar ein großes Interesse an psychologischen Testverfahren, sind jedoch andererseits auf diesen Bereich nicht spezialisiert. Nach Auffassung der Herausgeber ist es wichtig, dass Mediziner die einschlägigen psychologischen Tests kennen. Auswählen, einsetzen, auswerten und interpretieren sollten diese Tests aber ausschließlich ausgebildete Psychologen. Zunächst erfährt man, was genau ein psychologischer Test ist und welche Kriterien er erfüllen muss, um als wissenschaftlich gut beurteilt zu werden. Diese "Gütekriterien" werden ausführlich und verständlich erklärt, ein weiteres Nachschlagen in anderen Büchern erübrigt sich. Die Testverfahren werden in 17 Oberkategorien eingeteilt, die jeweils mindestens zwei Testverfahren beinhalten. Die Autoren der Testbeschreibungen stellen die Testverfahren in einem einheitlichen und übersichtlichem Muster vor, was die Orientierung in den verschiedenen Inhaltsbereichen erheblich erleichtert. Die Informationen zu den Tests entsprechen größtenteils denen anderer Testhandbücher. Der Unterschied besteht meist nur in der Beschränkung auf für das medizinische Umfeld wichtige Informationen. Zu jedem Verfahren gibt es Beispielaufgaben und konkrete Beispiele dafür, wie die die Verfahren in der Medizin angewendet werden. Psychologische Tests für Mediziner bietet Medizinern eine leicht verständliche Zusammenfassung testtheoretischen Wissens und hilft ihnen, sich im Testdschungel" zurechtzufinden. Außerdem ermöglicht es einen kritischeren Umgang mit den Verfahren. --Frauke Poganatz
Ein gutes Buch - und trotzdem ein Ärgernis Ich habe mir das Buch nach einem Werbeprospekt von Springer einfach bestellt - als ich es dann in den Händen hielt, war ich jedoch enttäuscht. Bücher, die ausgeschrieben für Mediziner veröffentlicht werden, sollten einen gewissen praktischen Nutzen bieten. Das tut aber eben dieses Buch entgegen der im Klappentext angekündigten "Zusammenfassung testtheoretischen Wissens", die "hilft ..., sich im Testdschungel zurechtzufinden", nur begrenzt. Die Herausgeber haben für ihre Zusammenstellung nur Selbstbeurteilungsfragebögen gewählt. Damit fällt schon ein großer Teil üblicherweise eingesetzter Tests weg, z.B. die Hamilton Depression Scale, die zwar einige Kritikpunkte aufweist, aber dennoch einer der verbreitetsten Tests ist, oder der Wisconsin Card Sorting Test, der zumindest in einigen Bereichen sehr wichtig ist. Außerdem fehlt - bewußt? - die Normierung, also die Information, mit dem man das Testergebnis interpretieren kann. Dagegen breiten sich die Herausgeber im Vorwort darüber aus, daß der Mediziner doch bitte immer bedenken möge, daß ein Psychologiestudium notwendig sei, um die Tests in ihrer ganzen Bedeutung verstehen zu können. Vielen Dank, aber eine Grenzabsteckung des Fachgebiets der Psychologie und eine Belehrung über meine Grenzen des Wissens ist zwar auch in Ordnung, wollte ich aber nicht für teures Geld kaufen. Lieber wäre mir gewesen, ich hätte mit dem Buch ein Instrument in die Hand bekommen, das mich kompetenter macht. Anerkennung der psychologischen Kollegen ist für mich kein Problem und wächst mit meinen (zwar geringen) Kenntnissen in der Testpsychologie eher noch an. Also, bitte keine Sorge, verraten Sie Ihre Geheimnisse, es wird Ihnen Respekt und Anerkennung einbringen! Mehr jedenfalls, als diese verschlossene Sammlung inhaltsleeren Wissens. Denn eine komprimierte Wissensansammlung aus der Feder kompetenter Leute, das ist das Buch auf jeden Fall. Auch spricht es für die Herausgeber, daß eine E-Mail-Anfrage kurzfristig beantwortet wurde. Siehe auch: |