Die zwei Hörner des Rhinozeros
 | von David Quammen
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Nordamerika ISBN: 3546002415 | 15 Jahre lang hatte der Wissenschaftsjournalist David Quammen die reizvolle Aufgabe, einmal im Monat einen Essay für die Zeitschrift Outside zu verfassen, der sich "zumindest entfernt mit Naturwissenschaft oder Natur beschäftigte". Für den preisgekrönten Autor von Der Gesang des Dodo war der weit gesteckte Rahmen die ideale Gelgenheit, um seinen Hang zu ausgefallenen Theorien und abseitigen Schauplätzen auszuleben. Für den vorliegenden Band hat Quammen 25 seiner Essays ausgesucht, die für jeden Liebhaber geistreicher Naturbetrachtung ein Leckerbissen sein dürften. Konventionelle Naturbeschreibung wird man hier vergeblich suchen: "Einfühlsame Schilderungen von Wildblumen oder rauschenden Bächlein, Hohelieder auf die Waldesherrlichkeit, atemlose Stille in Gegenwart von Meister Reineke oder Frau Eule" sind nicht nach Quammens Geschmack. Stattdessen erzählt er von einer Klapperschlangenfarm in Texas oder hinterfragt die einseitige Parteinahme, die uns so sorgsam darauf achten lässt, für unser leibliches Wohl nur Thunfische, aber keine Delfine zu töten. Existenzielle Fragen wirft Quammen auf: "Sie haben sich im Laufe der Jahre schon oft gefragt, lieber Leser, warum Eulen keine Penisse haben" -- obwohl diese eigentlich "keine sonderlich elitäre entwicklungsgeschichtliche Errungenschaft" darstellen, wie all die penisbewehrten Krokodile, Marienkäfer, Schmetterlinge, Fadenwürmer und Milben beweisen. Bei der Auswahl seiner Essays konzentriert sich Quammen auf die Frage, wie Menschen die natürliche Welt betrachten und auf sie reagieren und will dabei immer wieder die Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis aufzeigen. Immer wieder stellt sich die Wirklichkeit dabei weitaus komplizierter dar als zunächst gedacht -- wie etwa bei der Frage, warum ein Viertel aller bekannten Tierarten Käfer sind, ganz zu schweigen von den vielen Millionen unentdeckten Varianten des "Grundmodells Käfer". Quammens Stärke besteht in der Mischung aus augenzwinkernder Ironie und Ernsthaftigkeit, mit der er die absurdesten Fragen aufwirft. Dank seiner gründlichen Recherche fördert er mit jedem Esssay eine wahre Fülle von Fakten und Anekdoten zu Tage, in denen er sich zeitweise zu verlieren scheint. Doch auf wundersame Weise gelangt er damit immer wieder zu hochinteressanten Einsichten und Theorien. Quammens Naturbetrachtungen liefern keine einfachen Antworten, sondern sind eine sehr lebendige Auseinandersetzung mit einer komplexen Welt, die uns immer wieder viel über uns selbst verrät. --Birgit Will
Sehr witzig und abwechslungsreiche Themen! Schon mit "Der Gesang des Dodo" hatte ich eine sehr anregende Lektüre über gute 2 Monate über die Biogeografie und Evolutionstheorie, insofern habe ich mich gleich an diese Aufsatz-Sammlung gemacht und finde sie von der Stoff-Auswahl her abwechslungsreich und auch witzig in der Darbietung. Meist geht es um biologische Themen: Wie schnell fliegen Katzen, warum haben Eulen keinen Penis?, aber auch um soziokulturelle, kritische Anmerkungen etwa über das Verhältnis des Amerikaners zu seinem Rasen, nachdenkliche Anmerkungen zum Thema Krebs, schließlich auch Kritik und Würdigung von Thoreau und dessen Werk "Walden". Ich finde die Essays unterhaltsam, aber zum Teil auch etwas gewollt und konstruiert, eben in der Weise, daß der Autor halt jeden Monat was an das zahlende Magazin abzugeben hatte, auch wenn's nicht so unbedingt spannend war. Die Essay-Kunst eines Stephen Jay Gould, der als Paläontologe und Wissenschaftshistoriker lehrt und so tolle Sammlungen wie "Darwin nach Darwin", "Der Daumen des Panda", "Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt", "Das Lächeln des Flamingo", "Bravo Brontosaurus" und "Ein Dinosaurier im Heuhaufen" geschrieben hat, erreicht dieser als Wissenschafts-Journalist schreibende Autor aber nicht. Dennoch ein Buch, daß man allen Leseratten empfehlen kann, die sich an der Vielgestaltigkeit der Welt erfreuen.
Ein wunderbares Buch! Dieses Buch ist jedem zu empfehlen, der sich auch nur ein wenig für Biologie und die Natur interessiert. Nachdem ich einmal angefangen hatte zu lesen, konnte ich es nur schwer wieder aus der Hand legen. Jede der Geschichten ist unglaublich informativ, fesselnd und unterhaltsam. Ob sich David Quammen nun mit Katzen im freien Fall, "Gottes Schwäche für Käfer", klapperschlangenbessessenen Texanern oder der Entwicklung von Schleimpilzen beschäftigt, stets ist sein Interesse an der Umwelt und sein Staunen über die Vielfalt der Natur ansteckend. Er versteht es virtous mit dem Leser ein Zwiegespräch zu führen und komplizierte Sachverhalte und Theorien in seiner wunderbar klaren Sprache zu erklären, ohne einem durchschnittlichen Leser und Nicht-Biologen (wie mir)ein Gefühl von Unwissenheit zu vermitteln. Das macht er manchmal auf so eine erfrischend ironische Weise, dass einem schon mal ein lautes Lachen auskommt. Von mir aus dürfte dieses Buch auch 50, und nicht nur 25 seiner Kolumnen enthalten. Leider habe ich mich bisher noch nicht an sein anderes Buch "Der Gesang des Dodo" herangetraut, aber das werde ich noch nachholen. Siehe auch: |