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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDienstag, 21. Mai 2013 

Leb wohl, Berlin


von Christopher Isherwood

Kategorie: Großbritannien
ISBN: 3548245358

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Berlin in den 30ern - zum Verlieben
Wer mehr über die „Berliner Republik" erfahren will, ist mit aktuellen Buchangeboten ja hinreichend bedient. Und nicht wenige davon widmen sich ja dem fast schon mythischen Berlin der Zwanziger: Swing, Dekadenz, Sex, Drogen, Kunst und Straßenschlachten. Einer der Klassiker zu diesem Thema ist sicher Christopher Isherwoods Tagebuch seiner Jahre in Berlin. Zu Hause bei wechselnden Wirtinnen zur Untermiete, streift er durch die Stadt und begegnet dem Großbürgertum ebenso wie dem Proletariat, den Starlets ebenso wie den Halbseidenen Geschäftemachern. „Herr Issyvoo" ist zwar mittendrin, bewahrt sich aber seine staunende Distanz zu den Geschehnissen. Und trifft in seinen kurzen Portraits und Beschreibungen den Ton so gut, daß sich Berlin und der Tanz auf dem Vulkan sehr anschaulich und atmosphärisch dicht vor den Augen des Lesers aus den Ruinen der Geschichte erhebt. Dabei passiert eigentlich gar nichts aufregendes, aber der alltägliche Wahnsinn der Zwanziger sorgt auch schon für eine sehr unterhaltsame Lektüre. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

Zeitreise ins Berlin der 30iger Jahre
Christopher Isherwood lebt als Student Anfang der Dreißiger Jahre in Berlin. Er genießt das glitzernde Nachtleben Berlins mit seinen Bars und Kneipen. Er lernt Sally Bowles kennen, eine Schauspielerin, die sich ihren Lebensunterhalt auch durch ihr "freizügiges" Leben finanziert. Er wohnt erst bei Frau Schröder, seiner neugierigen aber rührenden Hauswirtin, die sich immer den gesellschaftlichen Umständen anzupassen weiß, dann bei den Nowaks, einer Arbeiterfamilie, die in einer ärmlichen Dachgeschoßwohnung haust. Er hat Kontakt zu Bernhard, der aus einer jüdischen Unternehmerfamilie stammt. Und er beschreibt das Hin und Her in der Beziehung zwischen Otto und Peter auf Rügen.

Christopher ist meist mit anderen jungen Männern zusammen. Am Ende des Romans wird er beiläufig als "andersrum" beschimpft; er widerspricht nicht.

Der Leser lebt über 200 Seiten hinweg im Berlin der Weimarer Republik. Er trifft auf Straßen und Plätze, die er vielleicht von seinem letzten Berlin-Besuch her kennt und kann vergleichen, was sich in fast siebzig Jahren verändert hat und was geblieben ist. Isherwood beschreibt im Detail das Alltagsleben in verschiedenen sozialen Szenen und gesellschaftlichen Schichten. Die dramatischen politischen Ereignisse am Ende der Weimarer Republik fließen erst am Rande und dann immer stärker in seinen episodischen Roman mit ein. Bis er Anfang 1933 plötzlich selbst abreisen muß aus Berlin ...

Ein sehr offener Roman für alle, die für ein paar Jahre in ein Berlin reisen möchten, das es so nicht mehr gibt.
Siehe auch:

Großbritannien > Leb wohl, Berlin
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