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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 25. Juli 2014 

Preußische Profile


von Sebastian Haffner

Kategorie: Ostgebiete
ISBN: 3548265863

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Gutes Buch, aber die Auswahl ist mir zuweilen zu subjektiv
Das vorliegende Buch gehört sicherlich zu den besten Darstellungen über Preußen neben Sebastian Haffners: "Preußen ohne Legende", Hans-Joachim Schoeps "Preußen" und Marion Gräfin Dönhoffs: "Preußen" und Christian Graf Krockows: "Preußen: eine Bilanz". Allen Autoren ist gemeinsam, dass sie die Tugenden Preußens - die Rechtsstaatlichkeit, die religiöse Toleranz, die Tapferkeit und Ehrbarkeit herausstellen und die These vom "Preußischen Militarismus" ablehnen. Venohr macht in der Einleitung deutlich, dass insbesondere Hitler und der Nationalsozialismus in ihrer Intention anti-preußisch gewesen sind. Nicht umsonst gehörten die bekannteste Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 namhaften preußischen Familien an, die für die oben skiziierten preußischen Werte kämpften. Einer von ihnen, Henning von Tresckow, wird in dem Band von Venohr eindrucksvoll portraitiert. Von ihm stammen auch die Portraits des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs des Großen. Zu beiden Königen hat Venohr ausführliche Standardbiographien verfasst. Hier wird - und darin liegt der Wert des Buches - ein erster Einblick geboten, sehr gut für Erstinformation für Schüler und Interessierte.

Die biographische Herangehensweise, die auch Ohff in seinem Werk: "Preußens Könige" oder in dem von Frank-Lothar Kroll herausgegebenen Sammelband: "Preußens Herrscher" gewählt haben, klammert gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte aus, da auf die persönlichen Charaktereigenschaften der portraitierten Personen fokussiert wird. Die einzelnen Portraits sind jedoch sehr lesenswert, insbesondere die Portraits über Bismarck und Fontane von Haffner oder die Portraits der Militärs Gneisenau und Moltkes. Im Gegensatz zu den eben erwähnten Buchtiteln: "Preußens Herrscher" bzw. "Preußens Könige" werden hier jedoch nicht nur die Monarchen und Staatsoberhäupter Preußens in Kurzportraits dargestellt, sondern Personen, die für die Entwicklung Preußens maßgebend und prägend waren, was sich an den Portraits Moltkes, Bismarcks, Tresckows und Fontanes zeigt. Was mich allerdings wundert, ist die Subjektivität der Auswahl. Waurm etwa werden Friedrich Engels oder Ernst Niekisch in diese Sammlung aufgenommen, jedoch nicht der zutiefst preußische Wilhelm I., der - in seltener prophetischer Gabe - in der Reichsgründung vom 18. Januar 1871 - 170 Jahre nach der Gründung des Königtums durch Friedrich I. 1701 - den Untergang Preußens und sein Aufgehen in ein von ihm nicht gewolltes "Deutsches Reich" korrekt vorausgesehen hat? So interessant der Berater Wilhelms II., Philipp zu Eulenburg, gewesen sein mag: ist nicht die preußische Königin Luise, sind nicht Scharnhorst und der Freiherr von Stein für Preußens Entwicklung bedeutender als Eulenburg?

Es sind genau diese Aspekte, die mich zögern lassen, dem Buch, welches an sich sehr gut geschrieben ist und deren Autoren nicht nur ausgewiesene Fachkenner sind, sondern die (seltene) Gabe haben, historische Fakten spannend und plastisch zu schildern, die höchste Punktzahl zu geben.

Dennoch: als Ersteinführung am ehesten vergleichbar mit Ohffs: "Preußens Könige" oder Gordon A. Craigs: "Das Ende Preußens" (auch hier werden acht wichtige preußische Persönlichkeiten portraitiert, wobei Craig die Vorgehensweise wählt, jeweils zwei Personen in einer Art Duographie direkt miteinander zu vergleichen: Stein und Marwitz, Bettina von Arnim und Bismarck, Theodor Fontane und Wilhem II., Otto Braun und Konrad Adenauer)und insgesamt trotz der oben gemachten Einschränkungen, was die subjektive Auswahl der Portraits angeht, auch heute noch äußerst lesenswert.

Wortgewaltige Verteidigungsschrift auf Preußen
Für jeden Liebhaber guter Bücher ein absolutes Muss! Das Buch lässt sich ausgezeichnet lesen, was zu großteil ein Verdienst der verwendeten Sprache beider Autoren ist. Leider bleibt die historische Wirklichkeit teilweise auf der Strecke. Preußen und seine Tugenden werden ohne Kritik und Selbsterkenntnis verteidigt. Hierbei schrecken beide Autoren, besonders Venohr auch vor äusserst Fragwürdigen Thesen nicht zurück. Kritische Aspekt der preußischen Seele wie Untertanengeist und Obrigkeitshörigkeit werden hier als erstrebenswerte Tugenden angepriesen. Na ja,...jeder Interessierte sollte sich selbst ein Bild davon machen und ein kritisches Auge beweisen. Trotz allem aber, sehr lesenswert!

Plutarch hätte seine Freude!
Wenn sich zwei so profunde Preußenkenner wie Sebastian Haffner und Wolfgang Venohr mit der preußischen Geschichte beschäftigen, kann nur ein höchst anspruchsvolles Werk herauskommen. Frei nach dem Motto: Menschen machen Geschichte porträtieren die beiden Autoren zwölf unterschiedliche Persönlichkeiten. Auch die negativen Eigenschaften der jeweiligen Personen werden nicht verschwiegen. Plutarch hätte seine Freude über dieses gelungene Werk. Der tiefe Respekt vor den preußischen Tugenden und dem "suum cuique",des alten Preußen das jedem Untertanen "das Seine" zu geben, bereit war, ist klar erkennbar. Mit dem Vorurteil über das " kriegslüsterne Preußen" räumen die beiden Autoren gründlich auf. Eine Kernaussage des Buches ist: Preußen war militärisch, sogar ein wenig revolutionär, aber nie kriegslüstern.
Siehe auch:

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