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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 25. April 2014 

Schmalspur-Ökonomie


von Paul R. Krugman

Kategorie: Wirtschaftswissenschaft
ISBN: 3593362872

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Gleich, ob es um die Globalisierung, die Angebotsideologie oder das neue "Jobwunder" geht, Politiker und Intellektuelle jeglicher Couleur fühlen sich tagtäglich berufen, zu ökonomischen Themen Stellung zu beziehen. Daran ist nichts verwerfliches, denn schließlich betrifft die Ökonomie uns alle, und jeder von uns hat das Bedürfnis nach fundierter und gleichwohl verständlicher Information.

Nur leider gehen Sachverstand und schriftstellerische Begabung selten Hand in Hand. Gerade die einflussreichen Wirtschaftsgurus, deren Bücher die Bestsellerlisten zieren, liefern hierfür das beste Beispiel. "Ihre Bücher sind allenfalls ein billiger Abklatsch dessen, was sich in der Wirtschaftswissenschaft wirklich abspielt. Häufig stehen ihre großmäuligen Thesen nicht nur im Widerspruch zum herrschenden Konsens in der Wirtschaftswissenschaft, sondern sind nachweislich dummes Zeug", schimpft Paul Krugman. Frei nach dem Motto "Viel Feind, viel Ehr", nennt er in seinem Bestseller Schmalspur Ökonomie die eifrigsten "Distributoren des ökonomischen Schwachsinns" beim Namen. Krugman versteht dies als Dienstleistung am Leser, der die "kaltschnäuzigsten" Vertreter dieser Spezies ohne Umschweife erkennen soll. Und so finden sich Linke neben Rechten, der Führer der republikanischen Mehrheitsfraktion im Repräsentantenhaus, Richard Armey, neben dem französischen Premierminister und Sozialisten Lionel Jospin. Denn bei den meisten Themen, liegen sowohl die Liberalen als auch die Konservativen mit ihrer Ideologie schlicht falsch.

Man sollte "Ökonomie nicht mit dem gleichsetzen, was solche falschen Propheten unter die Leute bringen", mahnt Krugman. Es klingt zwar oft plausibel, führt aber nur zu einer falschen, mitunter sogar gefährlichen Wirtschaftspolitik. Krugmans Schmalspur Ökonomie beschert uns also nicht nur neue Einsichten, sondern ist auch ein provokantes und höchst unterhaltsames Plädoyer für ein ideologiefreies Denken in der Volkswirtschaftslehre.--Stephan Fingerle

Gesammelte Artikel, leider kein Fachbuch
Ich bin enttäuscht. Erwartet hatte ich ein Fachbuch, aber es handelt sich um Artikel aus dem Internet und einigen Zeitungen seit ca. 1996. Die Artikel sind sehr oberflächlich und beziehen sich fast nur auf amerikanische Themen. Weder wird die Frage detailliert dargestellt, was denn die 27 Irrtümer sind noch wird danach der Zusammenhang dargestellt. Es ist wirklich nur eine Aufsatzsammlung, von denen einige lesenswert sind, wenn man einen großen Namen zitieren möchte, ohne sich wirklich mit den Dingen zu beschäftigen. Ich hätte mehr Ehrlichkeit auf dem Buchtitel erwartet.

Wes Geistes Kind?
Ich kann das vorliegende Werk fast ohne Einschränkung empfehlen. Krugman hat Grips, Phantasie und einen gesunden Menschenverstand. Krugman lässt sich nicht von dem verunsichern, was die Apologeten der einen oder der anderen Seite in den Medien und durch die Medien verbreiten.
Ich bin über einen seltsamen Weg zu Krugman gekommen: Durch Oskar Lafontaine, der ihn in "Das Herz schlägt links" erwähnt. Nach Lektüre verschiedener Krugman-Werke musste ich feststellen, dass Krugman nicht der ist, von dem Lafontaine & Co. gerne hätten, dass er es wäre. (Krugman ist eben nicht derjenige, der an "Entweder Monetarismus oder Keynesianismus" glaubt.)
Hier liegt meines Erachtens auch die Haupt-Schwachstelle des Buches. Man muss nicht viele Stellen überlesen, um am Ende behaupten zu können: "Der grosse Krugman ist auch Globalisierungsgegner und Keynesianist!" Und das ist Krugman eben nicht. (Ein weiterer Schwachpunkt ist, der mangelhafte Verweis auf ökologische Problemfelder.)
Wer von der Globalisierungsdebatte herkommend zu Krugman greift, sollte zu dem bereit sein, was Nietzsche im Zarathustra mit den Worten fasst: "Wolle deinen Untergang!" - die Umwertung geschätzter Werte.

Von wegen Nachfragetheorie!
Vorweg: Krugman ist tatsächlich ein sehr pointierter und ungewöhnlich fantasiereicher Ökonom, der es versteht, Dinge verständlich darzustellen, ohne sie allzu stark zu simplifizieren. Das kann ihm nicht hoch genug angerechnet werden. Seine Darstellungen sind konzis und nachvollziehbar, sein Verlangen nach einfacher, für Laien verständliche Darstellung erfüllt er selbst grandios. Dies ist in der Tat ein Buch für Leser ohne -besondere- Vorkenntnisse und vergnüglich zu lesen.
Allenfalls -eben wegen seiner Allgemeinverständlichkeit- ein wenig zu feuilletonistisch geschrieben, aber wer Krugman (und sein wissenschaftliches Werk) kennt, würde nie auf die Idee kommen, ihn als Verteidiger einer reinen Nachfragetheorie zu bezeichnen, das gibt auch dieses Buch nicht her, nur weil er an einer Stelle die (idiotischen) reinen "supply-side"-Argumente kritisiert und (sehr kurz) Keynesianische Aussagen darstellt. Milton Friedman bspw. wird von ihm ausdrücklich verteidigt, was ihn eher nicht in die Nähe der einseitig staatlichen Eingriffspolitik rückt.
Ein sehr interessantes Buch (das es glücklicherweise ja mittlerweile als Taschenbuch-Ausgabe gibt).
Siehe auch:

Wirtschaftswissenschaft > Schmalspur-Ökonomie
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