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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 1. August 2014 

Small Worlds


von Mark Buchanan

Kategorie: Chaosforschung
ISBN: 3593368013

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Was haben Millionen synchron blinkender Glühwürmchen in Papua-Neuguinea mit dem Internet gemeinsam? Und was verbindet das Stromnetz der USA mit unserem Gehirn? All diese Strukturen sind Netzwerke. Und das Verblüffende: Sie weisen erstaunliche Ähnlichkeiten auf -- ob sie nun durch die Evolution oder durch den Menschen geschaffen wurden, ob sie gezielt angelegt oder zufällig gewachsen sind. Sie alle sind "Small Worlds".

In einer Small World ist jedes Element mit jedem anderen durch nur wenige Zwischenschritte verbunden. Das wohl berühmteste Beispiel: Jeder Mensch auf der Erde ist mit jedem anderen über durchschnittlich nicht mehr als sechs Ecken bekannt -- das gilt auch für den Papst und einen brasilianischen Kaffeepflücker. Aber nicht nur die Gemeinschaft der Menschen ist eine Small World. Wörter in einer Sprache, das Internet, Nahrungsketten, die Verbreitung von Seuchen, die Tatsache, dass Reiche immer reicher werden: All das lässt sich mit dem Small-Worlds-Ansatz beschreiben, und zum Teil finden sich auch heute schon Ideen dazu, wie man das neue Wissen über Netzwerke umsetzen kann: zum Beispiel zum Schutz von Ökosystemen und des Internets, zur Seuchenbekämpfung oder zur wirtschaftlichen Stärkung von Unternehmen.

Buchanan nimmt uns von den Anfängen der Komplexitätsforschung bis heute mit auf eine spannende, unterhaltsame Reise. Indem wir den Wissenschaftlern sozusagen über die Schulter schauen, entdecken wir die Strukturen und Merkmale der Small Worlds. Wir erfahren, dass es egalitäre und aristokratische Netzwerke mit unterschiedlichen Stärken und Schwachpunkten gibt, dass schwache Bindungen viel wichtiger sind als starke, dass Netzwerke zwischen Ordnung und Zufall existieren -- und dass letzlich dieselben Grundprinzipien Netzwerke aller Art bestimmen.

Wer wissen möchte, wie die Netzwerke funktionieren, die überall um und in uns sind, sollte dieses Buch lesen. Es ist hervorragend geschrieben, spannend aufgebaut und auch für wissenschaftliche Laien problemlos zu verstehen. Und es gibt den aktuellen Stand einer Wissenschaft wider, die für unsere Zukunft enorm wichtig werden kann. --Gabi Neumayer

Kaum beachtet, aber revolutionär faszinierend
Seit Jahrzehnten beschäftigt Wissenschaftler rund um den Globus ein Rätsel, dessen Auflösung Mark Buchanan uns in seinem faszinerenden Buch bekannt gibt. Wie kann es sein, dass jeder Mensch jeden anderen Mensch auf dieser Welt über sechs Ecken kennt? Wie kommen solche Zufallsbekanntschaften zustande? Der Falafel-Imbiss-Inhaber in Berlin mit Marlon Brando, ich mit dem Leser oder der Leserin dieser Buchbesprechung, Sie mit Hillary Clinton? Als "Small Worlds"-Phänomen in den sechziger Jahren bekannt geworden, geriet es beinahe in Vergessenheit. Doch die rasante Verbreitung des Internet und die Forschungen der Neuologen führten zu einer Renaissance des Problems. Denn bei jeder Beschäftigung mit Netzwerken gelangte man immer wieder auf das Phänomen der nicht vorhersagbarer, aber schnell eintreffender Verknüpfungen scheinbar unabhängiger und fremder Punkte.

Ich selber stiess erst vor drei Jahren auf das "Small Worlds"-Phänomen. Und seither liess es mich nicht mehr los. Denn neurologische Zusammenhänge begreifen zu wollen, führt unweigerlich zu Netzwerktheorien. Bis zur Lektüre dieses Buches habe ich zwar vieles geahnt und gewusst, aber nicht wirklich begriffen. Erst Mark Buchanan gelang das Kunststück, mich als mathematischen Idioten für ein Gebiet zu begeistern, das mir bislang fremd geblieben war. Möglich ist dies, weil der Autor zwar ein renommierter Physiker ist, aber seine abstrakte Welt seit 1993 als Wissenschaftsjournalist den Normalsterblichen nahe bringen will. Wie er das macht und wie das Rätsel gelöst wird, ist ein Lesegenuss und Erkenntnisgewinn der Superlative.
Siehe auch:

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