Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMittwoch, 22. Mai 2013 

John Maynard Keynes


von Gerhard Willke

ISBN: 3593370344

Kommentar abgeben
Hervorragende Einführung in die ökonom. Theorie von Keynes
Dieses Buch über John Maynard Keynes (1883-1946) ist keine Biographie, wie der Titel vermuten lässt. Gegenstand ist eine Analyse der nach Keynes benannten ökonomischen Theorie vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre und ihre revolutionäre Wirkung. In der gegenwärtigen Situation hoher Arbeitslosigkeit erlangt die Theorie oder Teile daraus wieder an Aktualität, so dass das Buch auch einen Beitrag zur aktuellen Diskussion leistet.

Das wissenschaftliche Buch besteht aus drei Kapiteln plus Literaturverzeichnis, Glossar und Zeittafel. Zunächst gibt es im ersten Kapitel eine hintergründige „Einführung" zur Weltwirtschaftskrise und über das, was Keynes daraus ableitete. Dann wird im Hauptteil (zweites Kapitel) Keynes' „neue Wirtschaftstheorie" vorgestellt. Schließlich folgt im exzellenten dritten Kapitel „Rezeption und Diskussionsstand". Darin wird erläutert wie die neue Wirtschaftstheorie die Welt verändert hat.

Durch Keynes Annahmen und Theorie zum Konsumverhalten und zur Geldnachfrage und zum Geldmarkt entstand eine schlüssige makroökonomische Theorie, mit der erstmals das Marktversagen zur Zeit der wirtschaftlichen Depression erklärt werden konnte. Es wird erklärt, wieso Keynes' Theorie zunächst auf große Ablehnung stieß und der Leser erfährt wesentliche Elemente, über die Lehrbücher nicht berichtet haben. Da die keynes'sche Theorie wieder aktuell geworden ist, wird zum Schluss noch ein interessanter „Ausblick" gegeben.

Das Buch befasst sich mit zentralen bis heute strittigen Fragen der Makroökonomie und es beleuchtet den Diskurs der keynesianischen Theorie von den Anfängen bis zur Gegenwart. Es zeigt, wie besonnen und realistisch Keynes im Gegensatz zu den Post-Keynesianern war, und dass zahlreiche Vorwürfe, die an Keynesianer gerichtet wurden, an Keynes selbst nicht gerichtet werden dürfen. So nahm Keynes das Problem der Inflation keineswegs auf die leichte Schulter, im Jahre 1940 beschäftigte er sich ausführlicher mit dem Problem der Inflation infolge einer Überlastung der Produktionskapazitäten und führte dazu den Begriff des „inflationary gap" ein (S. 154f).

Die Grundgedanken und die wirtschaftspolitischen Konsequenzen der keynes'schen Theorie sind tatsächlich einfach und darin besteht „ihre Stärke und Attraktivität für politische Akteure." (S. 131). Wer das Buch vollständig verstehen will, der sollte einige Grundkenntnisse aus dem Studium der Makroökonomie mitbringen, auch wenn die Methoden im Buch erklärt werden. Dennoch lässt sich das Buch m. E. für Interessierte Laien weitgehend verstehen. Es eignet sich besonders für Studenten der VWL und BWL, und des Weiteren zur Auffrischung für diejenigen, die das Fach vor langer Zeit studiert haben.

„Jede Darlegung der makroökonomischen Theorie muss mit Maynard Keynes [...] beginnen", betonen Samuelson und Nordhaus in ihrem Standardwerk der Volkswirtschaftslehre (Willke, S. 126). Und wer den geschichtlichen Zusammenhang zur makroökonomischen Theorie verstehen will, der sollte dieses hervorragende, einführende Buch von Willke über Keynes' ökonomische Theorie und deren Wirkung lesen.

Hervorragender Überblick über die General Theory
Durch den Buchtitel ist man geneigt anzunehmen, dass es sich hierbei um ein biographisches Werk über einen der bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts handelt. Aber dieser Eindruck trügt. Vielmehr war es das Ziel des Autors, die General Theory (das Hauptwerk von Keynes) näher zu beleuchten und ihre Auswirkungen auf den wirtschaftswissenschaftlichen und -politischen Diskurs zu untersuchen.

Viele Fragen, die nach meinen Einführungsvorlesungen in Makroökonomik offen blieben, werden hier endlich kurz und prägnant und dennoch fundiert beantwortet, viele Missverständnisse richtiggestellt (zB was haben Keynes Vorstellungen überhaupt noch mit dem oftmals bemühten IS-LM-Modell gemeinsam, oder auch wie keynesianisch war Keynes eigentlich selbst?).

Das Buch ist in drei große Hauptteile untergliedert: eine Einleitung, in der Keynes Motive, die General Theory zu verfassen, dargelegt werden, den Hauptteil, in dem die wesentlichen Inhalte und die daraus resultierenden Konsequenzen der General Theory präsentiert werden und schließlich einen Abschnitt über die Anwendung der Prinzipien von Keynes in der Wirtschaftspolitik und das letztliche Scheitern in der großen Stagflation der 70er-Jahre.

Der Autor Gerhard Willke setzt keinerlei Grundkenntnisse voraus (im Hinblick auf ein durchgängiges Lesevergnügen schaden sie allerdings auch nicht) und erklärt zu Beginn des Buches alle wichtigen Konzepte von Grund auf, wenn auch eher kurz und knapp; auf mathematische Formalismen verzichtet er so weit wie möglich und versucht stattdessen durch Diagramme das Geschriebene zu untermauern. Auch der Vergleich mit den Ansichten der klassischen Ökonomie vor Keynes bringt viel Licht ins Dunkel.

Auch besonders positiv hervorzuheben ist, dass das Buch das Schaffen von Keynes aus einem sehr objektiven Blickwinkel betrachtet. Der Autor weist einerseits auf die (wenigen) schlichtweg ungültigen Annahmen und Prognosen (vor allem die langfristigen) von John Maynard Keynes hin, ohne jedoch Keynes zweifelsohne großen Verdienst im Bereich der Wirtschaftswissenschaften und vor allem in der Wirtschaftspolitik herabzuwürdigen.

Dieses Buch ist sicher für all jene geeignet, die nicht die ganze General Theory durchackern wollen, aber trotzdem wissen wollen, welche Inhalte in diesem epischen Werk stecken. Ich denke es eignet sich auch gut als Sekundärliteratur zu Keynes Hauptwerk. Bücher wie diese machen Lust auf mehr! Von meiner Seite gibt es eine eindeutige Kaufempfehlung an alle, die dieses Thema auch nur im geringsten interessiert.

Huhiii...eher was für leicht versierte
Also eigentlich sollte das Buch ja eine Einführung sein in sein Hauptwerk, und erklärt somit seine wichtigsten Thesen und Begründungen und setzt diese in Bezug zu den Klassikern. Trotz dem Untertitel Einführung ist es doch recht schwer für den Laien alles zu durchschauen, da vielfach ab einem bestimmten Level ab Seite 40! hauptsächlich mit Buchstaben, die natürlich ihre Bedeutung haben und auch einmal erläutert werden, gearbeitet wird (ca. 20 an der Zahl im ganzen Buch). Auh finde ich die mathematischen Zusammenhänge vielfach nur hingeklascht. Dabei wird dem bei mir jedenfalls der Eindruch erweckt, die Autoren schreiben Passagen ab, bzw. formulieren sie leicht um. Erläuterungen finden hauptsächlich auf einem sehr wissentschaftlichen Level statt. Beispiele scheinen sich manchmal in das buch verirrt zu haben.

Alles in allem nur für Leute geeignet die von Funktionen eine gewisse Ahnung haben, der Anfänger wird wohl nur die Grundgedanken Keynes entschlüsseln können, dabei bleibt der Hintergrund vielfach im argen aufgrund der komplexen und mathematischen Erklärungen, die wie gesagt gewisse mathematische Kenntnisse erfordern, um sie zu entschlüsseln.
Siehe auch:

> John Maynard Keynes
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenSeite drucken

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/buecher/isbn/3593370344/">John Maynard Keynes </a>