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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMontag, 6. September 2010 

Das Testament des Herrn Napumoceno.


von Germano Almeida

Kategorie: Portugal
ISBN: 3596138477

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Neue Zürcher Zeitung
Puzzle eines Lebens

Ein kapverdischer Hagestolz

Portugal war letztes Jahr Gastland bei der Frankfurter Buchmesse, entsprechend zahlreich waren neue Übersetzungen aus dem Portugiesischen. Doch nicht alle diese Novitäten stammen aus Portugal. Bei einem portugiesisch schreibenden Autor aus Angola oder aus Guinea-Bissau wird man daran erinnert, dass Portugal einst Kolonien besass. In einer früheren portugiesischen Besitzung lebt auch Germano Almeida, Anwalt und Verleger auf den Kapverdischen Inseln vor der Küste Westafrikas. Almeida ist Autor von vier Romanen, «Das Testament des Herrn Napumoceno» ist sein erstes auf deutsch übersetztes Buch.

Bei besagtem Testament handelt es sich genaugenommen um den vielhundertseitigen Lebensbericht des honorigen, in hohem Alter verstorbenen Handelskaufmanns Senhor Napumoceno da Silva Araújo von der kapverdischen Insel Mindelo. Der Roman ist aber nicht einfach mit diesen Erinnerungen deckungsgleich; Almeida wählt einen verspiegelten, kurzweiligeren Erzählmodus. Einerseits resümiert und paraphrasiert er das Testament und entwirft auf diese Weise mosaikartig das Leben des Senhor Napumoceno. Anderseits schildert er die Auswirkungen des Testaments auf die Hinterbliebenen, in erster Linie auf Napumocenos Neffen und einzigen direkten Erben Carlos Araújo. Dieser machte im Handelshaus seines Onkels Karriere und hat ihm auch sonst viel zu verdanken – ohne es ihm aber je gedankt zu haben, wofür er jetzt büssen muss: er geht leer aus. Als Alleinerbin ist Maria da Graça eingesetzt, eine junge Frau, die niemand kennt. Damit wird der Blick auf das verborgene und vielfältige Liebesleben des verblichenen Junggesellen gelenkt. Dieses umfasste nicht nur die Haushälterin, mit der er auf einem soliden Büromöbel eher derben Umgang trieb und deren Tochter Maria da Graça ist, sondern vor allem Adélia, Senhor Napumocenos Verhängnis und die Ursache für sein Leben als Hagestolz.

Die wechselnden Erzähllinien verleihen der Geschichte Tempo, der Konjunktiv und die indirekte Rede resultieren in einem erfrischend umständlichen Erzählton, und die burlesken Geschehnisse und die leise Komik lassen diesen Kurzroman vollends zum vergnüglichen Divertimento werden. Darüber hinaus erhält der Leser, ohne dass dahinter irgendwelche pädagogischen Absichten stünden, Einblick in Erlebniswelt und Eigentümlichkeiten einer insulären Gesellschaft weit draussen im Atlantik.

Georg Sütterlin

Kurzbeschreibung
Das Testament des Herrn Napumoceno entpuppt sich als ein Lebensbericht, der ein völlig neues, überraschendes Bild auf den angesehenen Verstorbenen wirft. Seite um Seite offenbart sich, wie er es mit Schläue und einer kräftigen Portion Glück vom Laufburschen zum reichen Bürger brachte und vor allem, welch ungeahnte Anziehungskraft auf ihn, der sich Zeit seines Lebens keiner anderen Leidenschaft als seiner kaufmännischen verschrieben hatte, das weibliche...


Siehe auch:
Portugal > Das Testament des Herrn Napumoceno.
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