Wer die Wahrheit sucht
 | von Elizabeth George
ISBN: 3764500999 | Das Dutzend ist voll: Mit dem vorliegenden Roman bringt es die Krimiserie von Elizabeth George, der Kalifornierin mit dem britischen Herzen, auf eine runde Zahl. Im Mittelpunkt der Handlung stehen dieses Mal endlich wieder Deborah St. James und ihr Gatte Simon, die in den letzten Bänden -- meines Erachtens -- etwas zu kurz gekommen sind. Auf der Kanalinsel Guernsey sollen sie in einem diffizilen Mordfall ermitteln. Der mehrfache Millionär Guy Brouard ist einem Täter mit unbekanntem Motiv zum Opfer gefallen, und zu allem Übel enthält sein Testament auch keinen Hinweis auf das große Vermögen, das er für ein ganz besonderes Projekt beiseite gelegt hatte. Guy Brouard und seine Schwester Ruth hatten als einzige Angehörige einer jüdischen Familie die Besetzung der Insel durch die Nazis überlebt. Seit dem zweiten Weltkrieg residierten sie auf Guernsey -- Ruth in stiller Ergebenheit ihrem Bruder gegenüber, Guy in Gesellschaft einer stetig jünger werdenden Abfolge von Frauen. Sein letzter Wille war es, ein Museum zur Erinnerung an den Holocaust zu finanzieren. Und ausgerechnet die junge China River, die gemeinsam mit ihrem Bruder Pläne für dieses Museum nach Guernsey gebracht hat, wird nun des Mordes an dem alten Millionär verdächtigt ... Mit großer erzählerischer Souveränität gelingt es Elizabeth George, die Waage zu halten zwischen einer atemlos spannenden Geschichte und in gebührender Ausführlichkeit gezeichneten Figuren. Ihre Protagonisten haben nicht einfach nur "Macken" die sie interessant machen sollen, sondern sind mit ihren ungewöhnlichen Eigenschaften auch handlungsbestimmend. Gerade die gemeinsame Vergangenheit von Deborah und China, von der Simon erst gar nichts ahnt, trägt zur unheimlichen Atmosphäre des Romans bei. Auch weiß die Autorin, angemessen mit aktuellen Themen wie dem Kunstraub im Dritten Reich umzugehen. Und in guter britischer Krimitradition werden am Schluss alle offenen Fragen beantwortet und alle Fäden aufgedröselt. Wer die Wahrheit sucht ist trotz seiner über 700 Seiten ein weiterer Schmöker von Elizabeth George, der keine Längen aufweist. --Felix Darwin
Elizabeth George: Wer die Wahrheit sucht Das fast zwei Jahre dauernde Warten auf Elizabeth Georges neuen Kriminalroman hat sich gelohnt! 600 Seiten "Sog"-Effekt, so dass es mit jedem Kapitel schwerer fällt, sich von der Lektüre zu lösen. Zugegeben, man braucht etwas Anlaufzeit, um sich in der Handlung zu Hause zu fühlen und zu verstehen, dass dieses Mal nicht Lynley im Zusammenspiel mit Havers ermittelt, sondern das Ehepaar St. James. Dann aber wird man reich belohnt: Die Handlung, hauptsächlich auf der Insel Guernsey angelegt, ist facetten- und detailreich geschildert; ungewöhnliche Charaktere faszinieren und verwirren zugleich ... Das Spinnennetz um den Tod eines reichen Mäzens erscheint mit jeder Seite undurchschaubarer! Menschliche Abgründe, wie E. George sie meisterhaft darzustellen vermag, tun sich auf, die Handlung nimmt unerwartete, in höchstem Maße spannende Wendungen - fast jeder hätte ein Motiv gehabt, doch wer war es? Einen besonderen Reiz erhält der Roman zudem durch das Ermittlergespann, das durch die Ereignisse in eine private Krise gerät. Der einzige Wermutstripfen für mich war, dass Inspektor Lynley-und Barbara Havers-Fans (wie ich) auf ihre Figuren nahezu verzichten mussten, denn ersterer spielte nur eine ganz bescheidene und letztere überhaupt keine Rolle. Aber vielleicht kommen die beiden im nächsten Buch wieder zum Zuge?
Kein Vergleich zu den Vorgängern! Ich zeige Elizabeth George für dieses "Machwerk" die rote Karte. Ich habe mich auf dieses Buch fast noch mehr gefreut als auf den fünften Harry-Potter-Band. Leider wurde ich enttäuscht...das Buch ist einfach sterbenslangweilig und die Handlung zieht sich hin wie Kaugummi! Ca. 300 Seiten lang (und das will bei 730 Seiten was heißen) kommt so gut wie keine Spannung auf, weil vieles so...vorhersehbar ist! Meines Erachtens verliert der Roman durch das Fehlen von Inspektor Lynley und der spillerigen Barbara Havers an Authenzität. Simon St.James und seine ewig pubertierende Ehefrau Deborah wursteln vor sich hin, zwischendrin hadern sie mit ihrer Liebe und das noch nach Jahren der Ehe)....Die Protagonisten: NATÜRLICH eine nörgelnde, geldgeile Ex-Ehefrau und ein Sohn, der ein Loser ist, einige Nachbarn und Angestellte, die auf den reichen Ermordeten finanziell angewiesen waren, und NATÜRLICH fuhr die Leiche im Leben auf junge, hübsche, knackige Mädels ab!!! Ist das jetzt was neues???? Ich bin enttäuscht.
Ein Fall für Deborah und Simon Das zwölfte Buch in der Lynley/Havers-Serie beginnt zur Abwechslung in Kalifornien. Wir lernen China River, eine Fotografin und ihren Halbbruder Cheyenne kennen. Cheyenne ist nie richtig erwachsen geworden und sucht immer noch nach der perfekten Methode, ohne Anstrengung viel Geld zu machen. Bei seinem aktuellen Unternehmen benötigt er die Hilfe seiner Schwester, die als seine Ehefrau auftreten soll, um Baupläne auf die Kanalinsel Guernsey zu bringen. Auf Guernsey will Guy Brouard, ein steinreicher Mann mit vielen Exfrauen, Mätressen und Protegés, ein Museum bauen, dass die Geschichte der Insel im zweiten Weltkrieg erzählen soll. Er ist der Empfänger der Baupläne. China und Cheyenne verbringen einige Zeit auf Brouards Landsitz und erkunden die Insel, bevor sie ihre Europareise fortsetzen. Dann wird Brouard ermordet und China als Verdächtige verhaftet. Dies bringt die St. Jameses, Deborah und Simon, nach Guernsey, denn China war Deborahs engste Freundin während ihres USA-Aufenthaltes. Deborah und Simon hoffen Beweise für Chinas Unschuld zu finden und entdecken dabei, dass sowohl Brouards Familie als auch viele der Einwohner auf Guernsey auf die eine oder andere Weise auf Brouards Geld angewiesen waren. Waren enttäuschte Hoffnungen oder Träume für den Tod des reichen Mannes verantwortlich ? Oder liegt der Grund noch weiter in der Vergangenheit ? Es dauerte eine Weile, bis ich mich mit der Tatsache abfand, dass diesmal die St. Jameses anstelle von Lynley und Havers im Vordergrund stehen. Dann war ich von der Geschichte gefesselt. Ein Grund dafür sind sicherlich die vielen interessanten Nebencharaktere, die Elizabeth George in die Geschichte einbaut. Da ist zum Beispiel Paul Fiedler, ein Jugendlicher, der Brouard verehrte und stolz ist, dessen Geheimnisse zu schützen. Und Adrien, Brouards einziger Sohn und ältestes Kind, der nie so richtig Fuß gefasst hat und mit 37 immer noch unter der Fuchtel seiner Mutter steht. Diese würde ihrerseits alles tun, damit ihr Sohn sein verdientes Erbe erhält. Oder Ruth, Brouards Schwester, die ihr Leben dem des Bruders untergeordnet hat und über die Jahre beobachtete, wie ihr Bruder über Wohl und Wehe seiner Bewunderer und Feinde entschied. Diese Vielzahl an Nebencharakteren macht das Lesen zu einem Genuss und lässt beinahe vergessen, dass Deborah und Simon als Hauptpersonen nicht besonders überzeugend sind. Deborah vergeht nach wie vor vor Selbstmitleid über der Tatsache, dass sie keine Kinder haben kann und Simon, der bisher seiner Frau ergeben schien, wirkt auf einmal wie ein despotischer Ehemann, der seine Frau nicht versteht, aber trotzdem weiß, was für sie das Beste ist. Elizabeth George erklärt am Ende diesen Widerspruch, überzeugt hat es mich jedoch nicht. China und Cheyenne wirken am Anfang sehr interessant, werden aber nie wirklich entwickelt. China scheint ihre schwierige Situation zu ignorieren, anstatt selber an der Aufklärung des Mordes mitzuarbeiten und Cheyenne hat nur Augen für Deborah, was eine weitere Belastung für ihre Ehe darstellt. Sicherlich steckt System dahinter, die beiden so undurchsichtig wie möglich zu gestalten, angesichts der anderen gut entwickelten Nebencharaktere fällt aber besonders auf, dass man nie so richtig versteht, was China und Cheyenne eigentlich bewegt. Doch trotz aller Einwände ist "Wer die Wahrheit sucht" eine würdige Fortsetzung der Serie, die man jetzt eigentlich Lynley/Havers/St. James-Serie nennen sollte, denn Thomas Lynley kommt nur auf ein paar Seiten vor und Barbara Havers wird noch nicht einmal erwähnt. Angesichts der vielen Fans gerade von Barbara (mich eingeschlossen), erscheint es mir fragwürdig, sie vollständig auszuschließen, aber es steht zu hoffen, dass dies sich mit dem nächsten Band wieder ändert. Siehe auch: |