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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSamstag, 25. Mai 2013 

Elsa Gindler - von ihrem Leben und Wirken


von Sophie Ludwig

Kategorie: Geschichte
ISBN: 3767213982

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Reagierbereit sich zweckmäßig entfalten
Wer nach Rezepten für Selbstverwirklichung sucht, sollte das Buch nicht lesen. Wer Unbehagen an seiner Lebenssituation verspürt und Klarheit gewinnen möchte über Ursachen von Störungen, die eine optimale Entfaltung beeinträchtigen, dem kann ich die Textsammlung über Elsa Gindlers Leben und Wirken zur Lektüre empfehlen. Den größten Gewinn werden diejenigen Leserinnen und Leser für sich verbuchen, die bereit sind,
a) vorurteilsfrei und selbstkritisch und
b) im Zusammenhang der Arbeit Heinrich Jacobys (siehe Amazon-Katalog)sich mit den Dokumenten und Materialien auseinandrzusetzen. Warum? a) Weil nur die Bereitschaft zur offenen Wahrnehmung der eigenen Person, gewissermaßen der wahrhaftige "Blick in den Spiegel", die Zusammenhänge der Gindlerschen Arbeit erschließt. Wer nicht bereit ist, seine Vor-Kenntnisse über psycho-somatische Gegebenheiten in Frage zu stellen und sein angelesenes Wissen über Methoden der "kreativen Selbstfindung" auszublenden, der wird nicht viel Wesentliches für die eigene Entfaltung und Nachentfaltung erfahren. Zunächst gilt es, zur Ruhe und Stille zu finden. Stille ist hier nicht zu verstehen als Abwesenheit von akustischen Reizen. Stillwerden können wir mitten im Gewimmel eines Kaufhauses! Durch Abklingenlassen aller Willens-Strebungen, durch Wahrnehmung zweckmäßiger Atmung und die Empfindung von Reagierbereitschaft kann Gelassenheit uns durchströmen. Anders als beim Autogenen Training, bei dem die Schritte von außen gelenkt werden, "Ich bin ganz ruhig ..." geht es bei der Gindler-Arbeit um Erfahrungen unmittelbar aus unserem Inneren, aus unserer leib-seelischen Befindlichkeit. Apropos "Arbeit": Zeitlebens hat sich Elsa Gindler dagegen gesträubt, ihr Wirken mit einem terminus zu definieren: Leibesübungen, Konzentrationsmethoden o.ä. Jede Definition fixiert, engt ein, lässt erstarren. Das Leben, das uns lebt, erfordert täglich neue, andauernde Reagierbereitschaft.
b) Die Zusammenarbeit mit Heinrich Jacoby war eine gute Fügung für Gindlers Wirken. Sie selbst hatte ihre Arbeit stärker intuitiv gestaltet. In der Begegnung mit Jacoby rückte noch stärker die Bedeutung von Zustand und Verhalten für die Qualität aller Wahrnehmungs- und Äußerungsvorgänge in den Vordergrund. Dazu hat Elsa Gindler selbst in einem Brief an eine Schülerin (1957) konstatiert: "In nun beihahe 50jähriger Arbeit hat er (Jacoby) die wissenschaftlichen 'hieb- und stichfesten' Fragestellungen gefunden, denen unter anderen auch Sie Ihre Erfolge zu verdanken haben.
Meine Arbeit wäre ohne die Arbeit von Heinrich Jacoby nicht denkbar. Erst duch ihn ist mir klar geworden, wie untrennbar das körperliche Geschehen von der 'seelischen' Situation des Menschen ist und wie sich das körperliche Geschehen nur aus der jeweilgen Art des Eingeordnet-Seins des Menschen in seine gesamte Umwelt verstehen und beeinfussen lässt" (Seite 55). Für mich bewegend sind viele Dokumente und Daten aus der Zeit des Dritten Reiches. Vorbildlich der Mut Elsa Gindlers, durch den viele aus rassistischen Motiven Verfolgte gerettet wurden. Eindrucksvoll die Geduld beim Wiederaufbau der Arbeit nach den Verwüstungen im Kriege. Wem das peinliche Geschätz vieler Talk-Shows zuwider ist, findet durch die Auseinadersetzung mit der Gindler-Jacoby Arbeit viele Anregungen und Motivation auf dem eigenen Weg zur Unabhängigkeit von der Meinung anderer. Marianne Haag, die Bearbeiterin der Biographie, hat die Dokumente und Kommentare übersichtlich und kenntnisreich zusammengestellt. So wurde ein praktikabler Leitfaden für interessierte Autodidakten konzipiert.
Siehe auch:
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