Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 24. Mai 2013 

Logbuch der Angst


von Klaus Hympendahl

Kategorie: Weltumsegelung
ISBN: 3768812642

Kommentar abgeben
Auf See wartet nicht die große Freiheit, sondern das Grauen: Beklemmend und zielsicher skizziert Klaus Hympendahl in seinem Logbuch der Angst die Abgründe menschlicher Seelen, die in der klaustrophobischen Enge einer Hochseeyacht und dem Zusammenprallen von Charakteren, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, geboren werden. Seite um Seite steuert die Crew der "Apollonia" der Katastrophe entgegen. Die Tatsache, dass es sich bei dieser Geschichte um einen authentischen Fall handelt, macht das Buch noch packender.

Es beginnt mit dem alten Traum vom Aussteigen. Ein deutsches Pärchen -- er ein gut situierter leitender Angestellter, sie seine wesentlich jüngere, völlig auf ihn fixierte Freundin -- plant, künftig auf der Karibik-Insel Barbados mit einem Charterschiff ihr Leben zu verbringen. Weil den beiden Schiffseignern auf Gran Canaria die ursprüngliche Crew davonläuft, wird schnell eine neue angeheuert: zwei junge Männer vom Bodensee, die im Trip über den Atlantik das große Ferienabenteuer wittern, und ein segelerfahrenes Paar, für das diese Reise die Existenzgrundlage sichern muss.

Schon am ersten Segeltag gibt es in dem zusammengewürfelten Team Reibereien. Schließlich eskaliert die Situation und gipfelt in einem Blutbad. Angelehnt an eine wahre Tragödie schildert Hympendahl, wie sich aus alltäglichen Meinungsverschiedenheiten tödlicher Hass entwickelt. Obwohl sein Blickwinkel als der eines neutralen Betrachters außen vor bleibt, werden die Motive und Gefühle der Akteure erstaunlich klar. Der Leser beginnt, die Konflikte zu verstehen und stellt sich am Ende des Buches entsetzt die Frage, ob man weder brutal noch abartig sein muss, um zum Mörder zu werden. Es reicht bereits, mit anderen Menschen auf engem Raum zusammenleben zu müssen. Das einzige Manko dieses ansonsten überaus spannenden Psychogramms: Die weiten Passagen, die sich mit Segeltechniken, Navigation und diversen Reparaturarbeiten an Schiff und Motor befassen, sind zuweilen anstrengend und erinnern an ein -- wenn auch sehr gut geschriebenes -- Nautik-Lehrbuch. --Carmen Krippl

herausragende geschichte
Die Geschichte der Apollonia könnte überall passieren, wo Menschen auf engstem Raum zusamengesperrt sind und nicht weglaufen können. Zwei Männer geraten aneinander und sind nicht imstande, über ihren Konflikt zu sprechen. Ihre Frauen "halten zu ihnen". Anstelle zu helfen vertiefen sie damit den Streit. Zwei weitere junge Männer "halten sich heraus". Niemand hilft den beiden um die Führungsrolle streitenden Männern und so nimmt das Schicksal seinen schrecklichen, aber dennoch völlig logischen Verlauf. Wahrscheinlich passiert so ein Ablauf öfter als man es wahrnimmt, aber auf der Enge eines Segelschiffes spitzt er sich scheinbar auswegslos zu. Ich frage mich, was hätte ich als einer der Beteiligten gemacht. Ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben.

Gelungene Darstellung der Vorgänge an Bord
Natürlich ist das kein Buch wie ein Roman. Aber die Darstellungen sind so anschaulich das die Problematik sehr gut verständlich wird. Jemand der einen langen Turn machen möchte ist gut beraten dieses Buch zu lesen um evtl. daraus zu lernen. Ich habe dies.

Dünne Story
Literarisch hält das Buch nicht was es verspricht. Hympendahl hält sich zwar eng an die Fakten (die Gerichtsprotokolle sind sehr interessant) und häkelt darum ein fiktives Logbuch. Seemänisch und seglerisch zwar korrekt, aber die Dialoge der handelnden Personen sind doch sehr simpel. Den angekündigten psychologischen Tiefgang liefert das Buch leider nicht.
Siehe auch:

Weltumsegelung > Logbuch der Angst
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenSeite drucken

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/buecher/isbn/3768812642/">Logbuch der Angst </a>