Anthroposophie und der Rassismusvorwurf
 | von Hans-Jürgen Bader
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Soziologie ISBN: 3772519172 | Notwendige Aufklärung Notwendige Auklärung: Steiner weder Rassist noch AntisemitIn den letzten Jahren häufen sich die Stimmen derer, die eine Affinität anthroposophischer Inhalte und Bestrebungen zu rassistischen und antisemitischen Anschauungen für ausgemacht halten. Egal, ob es sich dabei um den Versuch des Politologen Peter Bierl handelt, Rudolf Steiner als Befürworter eines protofaschistischen Ständestaates zu verunglimpfen oder um das Bemühen eines Micha Brumlik, in ihm einen Anhänger des Mythos der jüdischen Weltverschwörung zu erblicken, oder um den Versuch Helmut Zanders, die anthroposophische Strömung in dem Spektrum völkisch-nationalistischer Lebensreformbewegungen in den Jahren vor 1933 zu verorten, - stets handelt es sich hierbei um Anschuldigungen und Postulate, deren Stoßrichtung sich gegen heutige, aus der Anthroposophie erwachsene sozialreformerische Ideen und Initiativen richtet und deren uneingestandene Absicht es ist, einen möglichst breiten Flurschaden anzurichten. Unnötig zu betonen, dass diese Spielart einer sich wissenschaftlich gerierenden Pseudokritik in der Regel jeder ernstzunehmenden Grundlage entbehrt. Im »besten« Fall basieren solche Anschuldigungen auf ein Missverstehen anthroposophischer Gedanken infolge der unkritischen Übernahme falscher oder unzureichender Informationen aus zweiter und dritter Hand bzw. auf der Ausblendung des inhaltlichen und historischen Kontextes, in dem Äußerungen Steiners gelesen und interpretiert werden müssen. Im schlimmsten, immer häufiger anzutreffenden Fall jedoch beruht solche »Kritik« auf einer durchaus absichtsvoll geleiteten Verstümmelung und Collage von Zitaten, wie man dies vor allem von Amateurforschern wie Bierl oder den Brüdern Guido und Michael Grandt gewohnt ist. Während in dem ersten Band die Autoren (noch unter Mitwirkung des inzwischen verstorbenen Manfred Leist) den Antisemitismus-Verdacht entkräften und den Nachweis führen, dass Steiners »ethischer Individualismus« den Hintergrund für dessen kritische Zurückweisung judenfeindlicher Gesinnungen bildete, nehmen sich in einer zweiten, etwas umfangreicheren Studie Hans-Jürgen Bader und Lorenzo Ravagli des eher unspezifisch erhobenen Rassismus-Vorwurfes an. Zur Widerlegung der Kolportage, Steiner sei Rassist oder Antisemit gewesen, können die Verfasser auf eine Fülle von Zitaten aus dem mündlichen und schriftlichen Werk des Begründers einer spirituellen Geisteswissenschaft zurückgreifen, deren Inhalt die Essenz des anthroposophischen Menschen- und Weltverständnisses unmittelbar berührt. Wenn Steiner prognostizierte, dass »nichts mehr« als atavistische »Bluts- und Rassenideale« die moderne Menschheit in den »Niedergang« führen würden, wenn er wiederholt die Aufnahme des Christus-Impulses durch den freien Willen als ein Mittel zur Genesung der in Nationen, Rassen, Religionen und Kulturen zersplitterten, einen Menschheitsfamilie pries, wenn er nicht müde wurde, den völkerverbindenen und rassenübergreifenden Charakter der Anthroposophie herauszustreichen, deren Aufgabe gerade die Überwindung des Gattungshaften zugunsten des Individuellen sei, dann sind dies nicht beiläufig oder operational geäußerte Lippenbekenntnisse, wie Kritiker bisweilen zu suggerieren suchen, sondern dann handelt es sich hierbei um Aussagen, welche unmittelbar aus dem zentralen Anliegen der Anthroposophie hervorgehen. Man könnte solche Äußerungen auch als Bekenntnisse einer modernen kosmopolitischen Weltanschauung deuten, die im »ethischen Individualismus«, der Möglichkeit moralischer Intuitionen, ihren Quellgrund hat. Mit diesen beiden, vom Bund der Waldorfschulen in Deutschland in Auftrag gegebenen Studien sind vor allem durch die Medienberichterstattung verunsicherten Waldorfeltern und -lehrern bzw. jedem ernsthaft an der Anthroposophie Interessierten überzeugende Textmaterialien und Argumente an die Hand gegeben, die es ermöglichen, Diskussionen und Gespräche mit Andersdenkenden nicht länger nur aus einer Position der Defensive heraus bestreiten zu müssen. Ralf Sonnenberg
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