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Vini d' Italia 2005


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Kategorie: Allgemein
ISBN: 3774269513

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Er scheint jedes Jahr dicker zu werden, der leuchtend rote Gambero Rosso, der Schlüssel zu Italiens Weinwelt schlechthin. 1.770 Produzenten wurden mit 1.2610 Weinen in die Ausgabe 2002 aufgenommen -- eine Steigerung in zehn Jahren um mehr als 300 Prozent! Doch Italiens Weine haben es sich auch redlich verdient, dass ihnen mit solch einem jährlichen Standardwerk große Beachtung zukommt, denn die Qualitätsschraube dreht sich beständig nach oben.

Rund 120 Köpfe (und Gaumen!) umfasst das Verkoster- und Bewerterteam des Gambero Rosso. Die Höchstnote von drei Gläsern -- den Symbolen für die jeweilige Güte der Weine -- wurde 241-mal vergeben. Natürlich oft an die üblichen großen Produzenten, wie Angelo Gaja oder Elio Altare im Piemont, Antinori oder San Guido in der Toskana. Doch hält der Trend der letzten Jahre an, dass zunehmend Entdeckungen gemacht werden: Junge, ehrgeizige Erzeuger, die mit großem Engagement und Willen zur Qualität am Werk sind, findet man immer wieder in diesem Buch.

Der Weinführer ist zunächst in die Regionen von Aostatal bis Sardinien gegliedert, mit jeweils einer kurzen Einführung zur Entwicklung der jeweiligen Weinbauregion. Innerhalb der Region sind alphabetisch die Anbauorte aufgeführt und darin die Produzenten. Zu jedem Betrieb gibt es eine halbe Seite schriftliche Bewertung, dann folgt die Auflistung der vom Erzeuger eingereichten Weine mitsamt Punktierung nach Gläsern. Äußerst hilfreich für den Leser ist die Angabe des Preissegments bei jedem Wein. Die Redaktion hat dafür ein leicht überschaubares System von eins (bis 3,50 EUR) bis sechs (über 20,50 EUR) verwendet. Fazit: durch seine Aktualität nahezu unverzichtbar -- auch auf Reisen. --Matthias F. Mangold

Ein Standardwerk mit Eigenheiten
O.k., o.k., ich kaufe ihn ja auch jährlich (seit 1998), man muss ihn einfach haben.

Aber dennoch: So lesenswert (und vergnüglich zu lesen) der 'gambero' wegen seiner Beiträge zu Winzern und Weingütern auch ist, gibt es zwei Kritikpunkte:

Zum ersten erfolgen keine Angaben zur Menge, in der ein bestimmter Wein produziert wird. Das ist misslich, wenn man im Land einem bestimmten hochgelobten Drei-Gläser-Tropfen hinterrennt, ohne zu wissen, dass er vielleicht schon vor 6 - 9 Monaten in Verkauf gegangen ist und dass von ihm allenfalls 5.000 Flaschen abgefüllt wurden. Dann bekommt man ihn allenfalls in sehr guten Restaurants - wenn man Glück hat. Ganz generell wären Angaben zur produzierten Menge hilfreich, weil man dann schneller erkennen könnte, welches Weingut wirklich groß ist und deshalb z.B. die erhoffte Auswahl auch anbieten kann.

Der zweite Kritikpunkt ist die Bewertung an sich. Ich will mich hier nicht generell gegen den 'gambero' stellen (wie es z.B. Alois Lageder aus Südtirol seit Jahren tut, weshalb er im gambero auch nicht mehr erwähnt wird). Aber dennoch: Der Unterscheid zwischen einem und zwei bzw. zwischen zwei und drei Gläsern ist - allein auf das Bewertungssystem abgestellt - enorm. In der Praxis habe ich das ofmals aber nicht bestätigt gesehen. Natürlich gibt es Drei-Gläser-Tropfen, vor denen man sich schlicht nur noch niederknien kann. Aber bei anderen Dreigläserweinen ist das eben nicht der Fall (z.T. auch innerhalb der Weine eines Weinguts), und beides hält sich - so meine subjektive Erfahrung - in etwa die Waage.

Vorsicht sollte man auch bei der Bewertung der Weißweine walten lassen. Der 'gambero' verteilt seine Bewertungen nicht absolut, d.h. lagenübergreifend, sondern spezifisch auf das Anbaugebiet und auf den Wein bezogen. Im Ergebnis kann dies etwa bedeuteen, dass ein Weißwein aus eine mittelitalienischen Anbauzone besser wegkommt als ein Südtiroler oder ein Vino di Friuli, obwohl letztere objektiv betrachtet einfach besser sind (Italien ist m.E. jedenfalls südlich vom Gardasee eindeutig ein Rotweinland).

Wer eine perfekte Einkaufshilfe sucht, muss diese Besonderheiten einfach kennen. Dann - aber auch nur dann - ist der 'gambero' m.E. nicht nur Lesevergnügen, sondern auch echte Entscheidungshilfe. In jedem Fall macht es Sinn, ihn um ein weiteres Werk zu ergänzen. Ideal m.E. z.B. der 'Veronelli', der ebenfalls jährlich erscheint.

Mehr als eine Kaufhilfe
Wer meint, er bekommt mit diesem Buch nur eine Kaufhilfe für hervorragende italienische Weine serviert, der wird - wie ich - positiv überrascht sein. Zum einen erfährt man eine ganze Menge über die Weingüter, ohne dass es in schulnotenartige Bewertungen ausartet und zweitens bekommt man einen umfassenden Einblick in alle Anbaugebiete des "Stiefels". Meiner Meinung nach ist das Buch durchaus auch dem Weinanfänger zu empfehlen, der sich mit dem Weinland Italien beschäftigt. Das Buch hat Suchtpotential, die nächste Ausgabe wird sicher geordert!

Der Schlüssel zum Durchblick im Weinland Italien
Es ist schon erstaunlich, was da an Umfang von Verkostung und Bewertung geleistet wurde. Man kann nur hoffen, dass alles objektiv und neutral zugeht und muss halt selbst probieren. Für mich war der Weinführer eine wertvolle Hilfe beim Direkteinkauf in der Toskana und in Südtirol. Schade, und wohl auch der Bewertung im Gambero Rosso zu verdanken, dass viele gut bewertete Weine bei den Erzeugern jetzt schon vergriffen sind. Da muss man zum Folgejahrgang greifen. Gestört hat mich, dass auch in der deutschen Übersetzung bei den Weinen aus Südtirol ausschließlich die italienischsprachigen Bezeichnungen und Adressen gebraucht werden. Dies erschwert in dem - trotz politsch bedingter Verpflichtung zur Zweischprachigkeit in Südtirol- weit überwiegend deutschsprachigen Gebiet die Orientierung vor Ort erheblich!
Siehe auch:

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