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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMontag, 20. Mai 2013 

Fälschungen der Geschichte


von Uwe Topper

ISBN: 377662244X

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Einfach nur schlecht!
Zu schlecht um es zu Ende zu lesen. Einzig und allein der Bemerkung das Darwin falsch lag, stimmt. Aber anstatt daraus die Schlüss in Richtung Bibel zu ziehen, meint der Autor die Bibel sei im Mittelalter geschrieben worden. Schon allein deshalb Illusion, weil die Bibel in Weiten Teilen mit Koran u.a. übereinstimmt und auch mit den Schriftrollen von Qumran. Alles Fälschungen?

Sektierertum
Der Inhalt von "Fälschungen der Geschichte" hält auf den ersten Blick, was sein Titel verspricht. Anhand verschiedener Beispiele wird aufgezeigt, wie und zu welchem Zweck Geschichtsfälschungen vorgenommen werden bzw. wurden und was dies für Auswirkungen auf unser Geschichtsbild haben könnte. Das Buch widmet sich somit einem sehr interessanten Thema.

Uwe Topper outet sich (mit Vorliebe in Nebensätzen) als einer, der der Welteislehre hörig ist, der an einen ausserirdischen Ursprung von Kalkstein, Erdöl und Löss glaubt, der Menschen als Zeitgenossen von Saurier sieht, der den Holocaust der katholischen "Fälschung" anlastet bzw. ihn damit entschuldigt usw. Solches steht in störendem Gegensatz zu seinem Anspruch, ein Werk vorgelegt zu haben das den Problemkreis der Geschichtsfälschung unvoreingenommen, naturwissenschaftlich und ohne anzuklagen behandelt. Die von ihm angebotene Erklärung macht nur dann Sinn, wenn man bereit ist, eine weltweite Katastrophe ums Jahr 1350 und eine anschliessend gewaltige Verschwörung zur Schaffung der katholischen Kirche zu akzeptieren. Dies wird einem alles andere als leicht gemacht, weil Topper abgesehen von wenigen schwachen Indizien eine Beweisführung dafür schuldig bleibt.

Kurz: trotz einigen interessanten Ansätzen kann dieses Buch vom kritischen Leser schlicht nicht ernst genommen werden. Das wirklich neue darin scheint nicht einmal den Preis einer künftigen Taschenbuchausgabe zu rechtfertigen.

Wir werden belogen und betrogen
Jeder liest ein Buch mit anderen Augen. Jeder findet darin Dinge, die ihn persönlich ansprechen - oder auch nicht. Und jeder hat seine eigenen Vorstellungen, wenn er sich ein Buch aufgrund des Buchtitels kauft. Man hat Erwartungen und hofft, dass diese durch den Text des erworbenen Buches bestätigt werden.
Uwe Toppers Buch „Fälschungen der Geschichte" sagt im Titel schon aus, um was es geht, und der Leser wird in seinen Erwartungen wahrlich nicht enttäuscht. Man merkt es angenehm beim Lesen, dass Topper inzwischen Routine im Schreiben hat und dass er in der Thematik der Geschichtsfälschung fest verwurzelt ist. Auch in diesem Buch ist es nicht möglich, das gesamte Ausmaß der künstlich konstruierten Zeit, die wir „Geschichte" nennen, zu umreißen. Es bleibt ein (allerdings wichtiger) Mosaikstein zum großen Fälschungs-Puzzle. Seine Beschreibungen sind humorvoll und teilweise ironisch, wenn er der etablierten Wissenschaft vorhält, dass sie Fälschungen als echte Unikate präsentiert. Wenn diese Ironie manchmal in Sarkasmus abkippt, so sei ihm das verziehen. Der Leser wird es verstehen, denn Topper trifft keine Aussage ohne Begründung.
Topper beginnt in Museen und endet bei der Bibel. Bei seinen Museen-Rundgängen zeigt er, wie und woran man Fälschungen erkennt. Seine Beschreibungen sind auch für Laien nachvollziehbar, und das kommt einer Aufforderung gleich: Wir sollten alle viel öfter in Museen gehen oder dortige Ausstellungen besuchen. Aber nicht nur als Konsumenten, sondern mit kritischen Augen! Denn diese gehen uns auf, wenn wir uns die dort ausgestellten Stücke genauer ansehen! Nicht nur, dass Einzelstücke falsch datiert (oder beschriftet) ausgestellt werden, diese Fehler wären ja noch verzeihlich. Nein, dort werden auch Figuren und Skulpturen ausgestellt, die von Anfang an als Artefakte hergestellt wurden! So etwa beim „Zentralheiligtum der deutschen Altertumsbegeisterung", dem Pergamon-Altar, der zwar hübsch aussieht, aber schon als Fälschung hergestellt wurde, jedoch nicht in der Antike. Behaupten kann man viel, und auch Dinge in Frage stellen. Aber Topper zeigt detailliert die Fehler auf, die der Fälscherwerkstatt unterlaufen sind, und die nicht vorhanden wären, wenn der Altar echt wäre.
Topper schildert die Problematik mit den alten „echten" Urkunden und ihrer Datierung durch die Wissenschaft. Da sträuben sich dem unbedarften Leser so manchmal die Haare, nach welchen Kriterien entschieden wird, ob eine Urkunde „echt" ist oder nicht.

Besonders interessant finde ich Toppers Schilderung von Rom. Hoffentlich wird mit dem Märchen von „Rom, der ewigen Stadt" bald aufgeräumt. Topper liefert einige Details hinzu. Endlich einmal wird es ausgesprochen, dass die Geschichte Roms erst im 15. Jahrhundert geschrieben wurde. Dass die Stadt im Mittelalter zeitweise unbewohnt war und die „klassischen Bauten" erst im 15. Jahrhundert ausgegraben wurden.
Hier möchte ich einhaken: Papst Martin V. soll ab 1417 Teile des antiken Roms ausgraben gelassen haben. Wäre es nicht viel logischer anzunehmen, dass gar keine Ruinen ergraben, sondern die „alten" Bauwerke damals erst errichtet wurden? Natürlich können auch Ausgrabungen vorgenommen worden sein, doch welchen Grund sollte wohl ein christliches Kirchen-Oberhaupt gehabt haben, ehemalige heidnische Tempel auszugraben?
Wenn es denn so ist, dass die Ruinen unter meterhohem Schutt begraben waren, dann stellt sich gleich die Frage, woher dieser kommt? Denn heute ist es nicht anders. Ruinen aus der „Römerzeit" liegen unter meterdickem Boden. Woher kommt dieser, wenn nicht, ja wenn nicht von einer kontinentweiten gigantischen Überschwemmungskatastrophe, und die noch gar nicht so lange zurück liegt. Vielleicht tausend bis zwölfhundert Jahre, nicht viel mehr.
Auf die Frage, warum diese Großkatastrophe jahrhundertelang vertuscht wurde, bis sie vergessen war, bietet Topper einleuchtende Erklärungen an. Und mit der Akzeptanz dieser Katastrophe hätten wir auch die Erklärung, warum der „geschichtslose" Raum von den wenigen Überlebenden gefüllt werden musste. Und damit ließe sich auch erklären, wieso die Menschheit heute aus „nur" rund acht Milliarden besteht und nicht aus Billionen von Billionen Menschen, wie es korrekterweise sein müsste, wenn man eine statistische Vermehrungsrate zugrunde legt, die der heutigen entspricht, und dann rechnet. Denn legt man die bekannte Vermehrungsrate zu Grunde und rechnet zurück, so hätten vor rund tausend Jahren nur ein paar tausend Menschen gelebt, über die ganze Erde verstreut. Das erscheint recht unglaubwürdig. Doch legt man realistischere Zahlen zu Grunde, so stimmen die heutigen nicht. Das kann jedoch nur sein, wenn durch eine Großkatastrophe die überwiegende Mehrzahl aller Menschen ausgerottet wurden. Was nichts daran ändert, dass vor dieser Katastrophe ebenfalls Menschen lebten und hochstehende Kulturen entwickelten.
Das lässt jedoch auch Hans-Joachim Zillmers Szenarium der bis in jüngste Zeit lebenden Saurier in einem neuen, wahrscheinlicheren Licht erscheinen. Denn was wissen wir denn wirklich von jener Zeit? Die Archäologen haben vieles ausgegraben, Gebäude, Straßen, „Kult"-Plätze, Skelette usw. Aber wie die Menschen damals lebten, ob sie vielleicht kleine Saurier als Haustiere hielten, das wissen wir nicht. Bildliche Darstellungen von sogenannten Fabeltieren gibt es jedoch genügend, nur werden diese Darstellungen als Fantasieprodukte abgetan.
Zurück zu Toppers Buch: Auch einige kritische Worte möchte ich anmerken. So vermisst der Leser bei den plastischen Beschreibungen der Museumsfiguren die dazu gehörigen Bilder. Sicher, man findet sie irgendwann in der Mitte des Buches zusammengefasst. Das hätte aber wenigstens bei der ersten Beschreibung als Hinweis mit aufgenommen gehört. Genauso wie die von Topper entworfene Zeittafel, die an das Ende des Buches angefügt werden sollte, vom Verlag jedoch leider vergessen wurde.
Trotzdem hinterlässt das Buch einen positiven Eindruck. Ich wünsche Topper viel Erfolg damit, und eine große Leserschaft.
(Gernot L. Geise)
Siehe auch:

> Fälschungen der Geschichte
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