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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSamstag, 29. November 2014 

50 Klassiker, Architektur des 20. Jahrhunderts


von Christina Haberlik

ISBN: 3806725144

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1963 drehte Jean-Luc Godard den Film Le Mépris. Als Kulisse für die Handlung diente das auf den Klippen Capris stehende Haus Casa Malaparte des italienischen Dichters und Dandys Curzio Malaparte.

Diese in den Küstenfels hinein gebaute Villa mit einem auffälligen Flachdach und einer außergewöhnlichen Freitreppe ist einer der 50 Klassiker moderner Baukunst, die Christina Haberlik im vorliegenden Band vorstellt.

Zwischen der seit 1883 entstehenden Kirche La Sagrada Familia von Antoni Gaudi und dem niederländischen Expo-2000-Pavillion des Rotterdamer Architekturlaboratoriums MVRDV finden sich chronologisch geordnet so bekannte Klassiker, wie das Bauhaus in Dessau, das Chrysler Bulding in New York oder das dekonstruktive Guggenheim-Museum von Frank O. Gehry in Bilbao.

Es gibt aber auch Ungewöhnliches zu entdecken, wie die Filmarchitektur zu Fritz Langs Metropolis oder das auf befestigende Außenwände verzichtende Curtain Wall House des japanischen Architekten Shigeru Ban.

In feulletonistischen Textbeiträgen beschreibt die Autorin die Biografien der Baumeister sowie die architektonische Beschaffenheit der einzelnen Bauten und deren Entstehungsgeschichte. Zahlreiche Farbabbildungen ergänzen ihre Ausführungen. Darüber hinaus gibt sie zu den einzelnen Gebäuden Literatur-, Film- oder Musiktipps und rundet ihre Hinweise mit berühmten Zitaten und einer Kurzbewertung ab. Leider lässt sich weder in der Einleitung, noch in der Schlussbemerkung eine Erläuterung zur architektonischen Moderne und den Kriterien für die Auswahl der Bauwerke finden.

Die 50 Klassiker, Architektur des 20. Jahrhunderts sind informativ und unterhaltsam gestaltet und beschrieben. Als Übersichtswerk oder Orientierungshilfe zur Baugeschichte des letzten Jahrhunderts ist die Publikation jedoch aufgrund ihrer zusammenhangslosen Darstellung weniger geeignet. --Stefan Meyer

über den mut, neuerungen durchzusetzen
nicht nur internationale blickfänge wie zum beispiel die oper von sydney haben die schöpferische, symbolbildende kraft von architektur in jedermanns bewusstsein gehievt: auch deutschland wird zusehends zu einer art star-architekten-ausstellung: phänomenal immer noch das dachgespinst des olympiastadions in münchen, aber sicher aus überhaupt keinem deutschen kopf mehr tilgbar: die ansicht der gläsernen kuppel auf dem reichstag in berlin. norman robert foster, der schöpfer dieser den obrigkeitsstaatlichen geist des gebäudes etwas auflockernden lichtvollen aussichts- und kletter-skulptur - er schuf sein berühmtestes gebäude allerdings in hongkong: dort thront auf hohen pylonen mitten im fußgängerbereich ein bankgebäude, welches besticht durch seine zwölf stockwerke hohe eingangshalle - mit einer tausend quadratmeter großen fußbodenplatte aus glas. natürlich werden viele andere visionäre architektonische leistungen in diesem detailreichen buch von christina haberlik besprochen. so auch der GRANDE ARCHE in paris des dänischen architektur-professors otto von spreckelsen: "der offene würfel ist 110 meter hoch, 106 meter breit und in 35 stockwerke unterteilt. im hohlraum hätte notre dame spielend platz." norman foster, besitzer eines hubschrauber-, düsen- und motorflugzeug-pilotenscheines könnte da mit seiner cessna locker durchfliegen. es geht das gerücht, dass nur eine handskizze gereicht habe, francois mitterand von dieser modernen triumphbogen-variante zu überzeugen. "architekten sind menschen, die mit wirtschaftlichen und politischen machtinstanzen arbeiten müssen. so ist architektur die zugleich schwierigste und wirksamste art, die dekonstruktion durchzusetzen. was man dekonstruktion nennt, ist eine art und weise, sich in keiner tradition niederzulassen," zitiert christina haberlik an anderer stelle den französischen philosophen jacques derrida. ihre zusammenstellung, ihr auswahlprinzip bei diesem buch ist durchgängig von dieser grundeinsicht geprägt...

Ein guter Überblick
50 ausgewählte Meilensteine der Architektur des 20. Jahrhunderts.
Zu jedem Gebäude (aber auch Brücken, Siedlungen, Städte, ...) gibt es einen ausführlichen Text. Die Texte geben einen verständlichen Einblick in die Entstehungsgeschichte und die beteiligten Personen, zu denen jeweils informative Biographien gibt. Leider ist die Auswahl und Qualität der Bilder nicht so gut. Zum Beispiel werden in den Texten Besonderheiten der Gebäude hervorgehoben - die man auch sehen möchte - leider gibt es aber teilweise keine Bilder dazu. Einige Bilder sind doppelt oder ähneln sich so stark, dass sie überflüssig sind.
Trotz dieser Schwäche hat es wirklich Spaß gemacht im Buch zu schmökern - man bekommt einen guten Überblick über die Architektur im letzten Jahrhundert.
Siehe auch:

> 50 Klassiker, Architektur des 20. Jahrhunderts
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