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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMittwoch, 19. Juni 2013 

'Ich muß doch meinen Vater lieben, oder?'


von Matthias Kessler

Kategorie: "Drittes Reich"
ISBN: 3821839147

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Fassungslosigkeit!
Zeitweilig musste ich das Buch aus der Hand legen und über das Gelesene nachdenken. Was diese Frau von frühester Kindheit an erleben musste, ist unglaublich. Der Autor (Interviewer) Matthias Kessler versteht es, sich dieser Geschichte auf ganz besondere Weise zu nähern und sie ans Tageslicht zu bringen. Gerade durch die einzigartige Form des Interviews kommt die ganze Tragweite Amon Göths zu Tage, mit der er von Anfang an und immer noch das Leben Monikas beeinflusst. Für mich ein erschütterndes und wichtiges Buch.

Ein Experiment holt die Vergangenheit wieder ein
Matthias Kesslers Buch über die KZ Kommandanten Tochter Monika Göth ist mehr als nur ein experimentelles Interview über einen Menschen, der versucht mit dem Karma der väterlichen Vergangenheit zu leben. Es ist auch mehr als die Aufarbeitung einer Zeit, mit der wir eigentlich nichts mehr zu tun haben wollen. Wir haben es hier mit einem zeitgeschichtlichen Dokument zu tun, dessen gesellschaftliche Bedeutung vielleicht erst von nachfolgenden Generationen erkannt wird. Matthias Kessler ist es mit seinem neuen Buch gelungen ein Stück des kollektiven Unterbewussten herauszuarbeiten, um für die Zukunft aus den Fehlern der Vergangenheit zu leben!
Dieses Buch verdient das Prädikat: absolut empfehlenswert!

Vergangenheitsbewältigung und Zeitdokument
Wer mit diesem Buch erst einmal angefangen hat, unterliegt einem magischen Zwang, es in einem Zuge durchzulesen. Ich persönlich habe es förmlich verschlungen. Völlig offen breitet Frau Göth ihr Leben vor dem Leser aus. Durch das Interview-Experiment wird mit der üblichen biographischen Darstellung total gebrochen. Der Leser wird quasi zum Mithörer und Beobachter einer Art psychologischen Sitzung. Man spürt, wie Frau Göth schrittweise Abschnitte ihres Lebens durch dieses Experiment zu verstehen beginnt, sie verarbeitet und bewältigt und sich endlich aus dem magischen Bann ihres Vaters lösen kann, was sie durch den Epilog, in dem sie selbst Bilanz zieht, belegt. Für Frau Göth wurde das Experiment zur Lebenshilfe, die der Leser hautnah miterleben und auch, so er denn will, für sich selbst verwerten kann.
Als Nachkriegskind begrüße ich, dass Autoren nun endlich die Probleme meiner Generation aufzeigen und versuchen, sie auch aufzuarbeiten. Im Rahmen der Thematisierung ist dieses Buch ein wichtiges Zeugnis, zumal es die Problematik auch noch aus Sicht eines Täterkindes beleuchtet.
Durch die authentischen Bilddokumente und den ausführlichen Anhang wird der Charakter dieses Buch auch als Zeitdokument noch verstärkt.
Siehe auch:
"Drittes Reich" > 'Ich muß doch meinen Vater lieben, oder?'
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