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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 31. Oktober 2014 

Da waren's nur noch neun


von Wolfgang Schur

Kategorie: Führung & Personalmanagement
ISBN: 382183949X

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Der Abzählreim "Zehn kleine Negerlein" musste offenbar zur Titelfindung herhalten. Politisch zwar nicht besonders korrekt, aber dafür umso reißerischer. Fragt sich nur, warum Verlage gute Bücher derart verunzieren müssen. Und das Lustige dabei: Das Buch hätte diesen Titel überhaupt nicht nötig, denn es wirkt sozusagen von innen her. Das neue Fiction-Sachbuch des Erfolgsautorenduos Schur/Weick ist nämlich überaus gelungen und empfehlenswert. Warum? Ganz einfach. Es sind drei Bücher in einem: Roman, Sachbuch und Ratgeber. Und dazu noch sehr flüssig und spannend geschrieben.

Es geht um Mobbing. Ein junger Absolvent namens Martin Guter wird nach dem Studium postwendend bei der High-Tech-Firma Agati als Trainee eingestellt. Im Laufe der Zeit durchläuft er verschiedene Abteilungen, wird zum stillen Beobachter und Chronisten der Ereignisse. Und die haben es zweifellos in sich. Hinter der Fassade bröckelt nämlich der Putz. Langjährige Mitarbeiter kündigen, andere gehen in die innere Migration. Jeder kennt das. Plötzlich aber wird Martin, zweifellos ein Guter, in eine Intrige gezogen.

Flankierend zur Romanhandlung haben die Autoren eine Menge von Vorschlägen eingebaut. Diese sind typografisch abgesetzt und beziehen sich auf die jeweiligen Ereignisse im Romanteil. Hier zeigt sich, dass Schur/Weick ein Buch für die vielen Opfer von Mobbing in der Arbeitswelt geschrieben haben. Sie beschreiben typische Fehler und bilanzieren ihre Ergebnisse in drei Grundwahrheiten: "Der Chef ist nicht so mächtig, wie er wirkt. Der direkte Chef ist ungeheuer wichtig. Unternehmen sind so gut oder schlecht wie ihre Chefs." Wie wahr! --Peter Felixberger

Noch nicht für Literaturclubs
Dies ist das dritte Buch der beiden Erfolgsautoren aus Frankfurt. Mit "Wahnsinnskarriere" und "Die Gründer" haben sie das Genre erzählender Wirtschaftsbücher von Amerika nach Europa gebracht und bewiesen, dass solche Bücher auch von Europäern verfasst werden können. Den Beweis, zu den begnadeten Erzählern zu gehören, bleiben sie allerdings auch mit ihrem dritten Werk noch schuldig. Denn die didaktische Note schimmert manchmal zu stark durch. Nicht jeder Geologe, Marketingexperte, Diplomkaufmann oder Softwarespezialist wird von heute auf morgen zum Romancier. Doch schon das gegenwärtige Niveau ist mehr als beachtlich und liegt klar über dem Durchschnitt vieler Romane, die bloss unter dem Stichwort Literatur aufgeführt sind. Die inhaltliche Kost wird auf drei Textebenen verabreicht. Romanhandlung, Beschreibung typischer Fehler und Vorschläge zu deren Behebung. Zwischen den aufgeführten Fehlern sind noch drei Grundwahrheiten eingestreut. Sie lauten: Der Chef ist nicht so mächtig, wie er wirkt; der direkte Chef ist ungeheuer wichtig; Unternehmen sind so gut oder schlecht wir ihre Chefs.

Ein hervorragendes Buch!
Das Buch war in der Süddeutschen Zeitung vorgestellt worden und erwies sich als wirklicher Glücksgriff!
Der Leser wird mittels eines Erzählstrangs durch verschiedenste Problemsituationen geführt, die Mitarbeiter in einer fiktiven Firma durchleben und die ihnen zu schaffen machen. Die Situationen sind sehr anschaulich aus Mitarbeitersicht erzählt, vergleichbar mit den sich ergänzenden Erlebnisberichten guter Freunde.
Die Erzählung wird jeweils unterbrochen, um die genauen Gründe aufzuzeigen, die zu einem Problem geführt haben. Die Beschreibungen sind klar verständlich und schonungslos auf den Punkt gebracht. Darüber hinaus werden jeweils mögliche Verhaltensweisen als Wege aus dem Dilemma beschrieben.
Das Buch ist zwar aus Arbeitnehmer-Sicht geschrieben, ist aus Managersicht jedoch ebenfalls sehr hilfreich. Denn für gutes Führen kann es meines Erachtens keine "so wird es gemacht"-Anleitung geben, sondern guter Führungsstil ergibt sich aus einer Summe von Erfahrungswerten sowie dem Wissen um die zu vermeidenden Fehler.
In diesem Sinne liefert das Buch viele realistische Problemsituationen mit jeweils wertvollen Blicken hinter die (emotionalen) Kulissen der beteiligten Mitarbeiter und Manager.

'n bißchen einseitig
In den Vorbemerkungen des Buches steht: "Ein Buch zu diesem Thema kann immer nur eine Seite vertreten". Das wird ziemlich konsequent durchgehalten: die Arbeitnehmersicht. Sicherlich werden sich viele Arbeitnehmer darin wiederfinden (und sich selbst bedauern ?), aber die Vorgesetzten, die dort durchgängig bemängelt werden, waren oder sind auch Arbeitnehmer!? Die Veränderungsvorschläge an die Adresse der Arbeitnehmer wirken auf mich etwas "platt" und haben alle eine Schlußfolgerung gemeinsam - wenn sie nicht umzusetzen sind: kündigen.
Siehe auch:

Führung & Personalmanagement > Da waren's nur noch neun
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