Letztes Lexikon
 | von Werner Bartens
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Deutschland ISBN: 3821845120 | Rezensenten-Killerfrage: Wäre die Welt ärmer, wenn es dieses Buch nicht gäbe? Killerantwort: Die Welt wäre das keineswegs. Ende der Rezension. Ganz so einfach ist es aber nicht. Denn da gibt es ja noch den schwer bestimmbaren Mehrwert des zweckfrei Schönen. Und der ist hier besonders hoch. Als Inbegriff der Bücherschönheit auf dem deutschen Buchmarkt darf Die andere Bibliothek gelten. Der vorliegende Band mit dem herrlich nostalgischen, alte Buntpapiere zitierenden Einband und mit einer an Enzyklopädien des 19. Jahrhunderts angelehnten Typografie gehört ganz ohne Zweifel zu den ansehnlichsten Veröffentlichungen. Die von Enzensberger gegründete Reihe hat nicht nur schöne, sondern auch viele wichtige Bücher hervorgebracht, wie Gabriele Goettles Die Ärmsten! (Enzensberger hat denn ja auch seinen Frankfurter Preis unter Lobreden an diese Autorin weiter gereicht). Das vorliegende Buch ist schön, auch unterhaltsam, leidet aber unter einer gewissen intellektuellen Bescheidenheit. Die Verfasser haben es beim Kuriositätensammeln belassen. Schmunzelware aus alten und neuen Lexika. Aber wenn zum Stichwort "Domina" nur angemerkt wird, dass der Brockhaus vor 100 Jahren allein die Äbtissin verzeichnet, während heute eben auch jene Dame vorkommt, "die an einem Masochisten sadistische Handlungen vollzieht", bleibt der Erkenntnisgewinn bescheiden. Schade. Die Geschichte der Wissensorganisation in Nachschlagewerken ist, wie wir spätestens seit Foucault wissen, ein überaus spannendes Thema. --Michael Winteroll
Definitionen im Wandel der Zeit Das Lexikon hat in der Zeit des Internet schon fast ausgedient - oder doch nicht? Alle Infos sind im Netz abrufbar - ist das Lexikon da nur ein schönes Buch für das Wohnzimmerregal? SICHER NICHT! Das "Letzte Lexikon" wird nicht das letzte Lexikon sein. Definitionen wandeln sich, neue Bedeutungen und neue Begriffe kommen hinzu. - Dies wollen wir in echten Lexika lesen und nicht online auf dem Bildschirm.
mehr als nur ein Lexikon wer gerne in Lexika blättert, der hat hier eine facettenreiche und unterhaltsame Variante gefunden, wem ein Lexikon zu schulmeisterhaft, langweilig oder kompliziert ist, der entdeckt mit dieser Zusammenstellung aus zwei Jahrhunderten deutscher Begriffsgeschichte einen völlig neuen Zugang zum Genre: Überraschendes, längst Vergessenes mal amüsant, mal mit einem kurzen Atemstocken kommentiert. Ein geradezu nicht enden wollender Lesespaß, den man auch gerne zu zweit oder dritt in gemütlicher Runde genießen mag. Ápropos Gemütlichkeit, unter dem Stichwort Bayern verrät uns das "Letzte Lexikon" folgendes: Bayern lieben Gemächlichkeit, Gemütlichkeit, und Bier und haben daher weniger "Trieb zu Speculation und ernsterem, wissenschaftlichem Streben" als etwa die Preußen. Die Frauen sind "in der Regel schön, frisch, von runden, kräftigen Formen, dunklem Haar und feurigen Augen, lebenslustig und liebreich" und bilden damit den "Übergang von den blassen, blonden, schmachtenden Norddeutschen zu den braunen, feurigen Italienierinnen" (Damen-Conversationslexikon 1835)
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