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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 18. Dezember 2014 

Fast alles, was Recht ist


von Uwe Wesel

ISBN: 382184731X

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Unterhaltsam und informativ
Ein sehr kenntnisreich geschriebenes, informatives und dabei unterhaltsames Buch. Es schimmern aber die politischen Ansichten von Hr. Prof. Wesel durch. Diese Ansichten werden oft eng mit dem Sachverhalt verwoben, was möglicherweise nicht der reinen Lehre, ganz sicher aber der Lesbarkeit zugute kommt.

Herr Wesel mag nicht so sehr Wirtschaftsliberalismus, Kapitalismus und Marktwirtschaft, wo der „freie Fuchs im freien Hühnerstall" sein Unwesen treibt. Die anfangs im BGB garantierte Vertragsfreiheit beim Dienst- und Mietvertrag habe die Lebensbedingungen des wirtschaftlich Schwächeren auf das Existenzminimum reduziert und damit nichts gegen das ehemals unendliche Leid der Arbeiter getan. Andere werden sicher sagen, daß Löhne durch den Arbeitsmarkt determiniert werden und das BGB nur den Ordnungsrahmen aufstellen kann. Man könnte sicher argumentieren, daß soziale Umverteilung nicht unbedingt Sache des Vertragsrechts sein muß.

Obwohl ich seine Ansichten nicht in allen Punkten teile, liegt bei mir schon ein weiteres Wesel-Buch auf dem Schreibtisch. Insbesondere freue ich mich auf die witzigen Sprüche, die das belehrt werden kurzweilig machen. Ein Beispiel: „Wer zu allem seinen Senf gibt ist selbst ein Würstchen".

Die ideale Einführung in Jura - vor dem Beginn der Uni lesen
Der Jura-Professor Wesel hat mit diesem sehr guten Buch eine ideale Einführung in die Materie geschrieben, die jeder lesen sollte, der Jura studieren möchte. Wer mit diesem Buch und seinem Inhalt nichts anfangen kann, sollte ernsthaft überlegen, ob er überhaupt Jura studieren will und bezüglich dieser Entscheidung weiteren Rat einholen. Der Autor schildert alle Rechtsgebiete anhand von Beispielen in anschaulicher Form und beeindruckt durch seinen bei Juristen nicht immer anzutreffenden guten Sprachstil. Auch für jeden anderen, der ein besseres Gespür für unser Rechtssystem erhalten möchte, ist dieses Buch sehr geeignet.

Sehr verständlicher Streifzug durch die "Juristerei"
Das Rechts nicht (ausschließlich) Gesetz ist, sondern auch gesellschaftliche Rechtsauffassung, die einer fortschrittlichen Entwicklung unterworfen ist, habe ich durch dieses Buch gelernt. Wie ist ein Paragraph auszulegen? Wie eine Willenserklärung? Warum entscheiden Gerichte zu äquivalenten Sachverhalten so gegensätzlich? Ist es rechtens, dass Juristen zu ein und dem selben Sachverhalt zwei konträre Standpunkte vertreten?

Eine weitere Erkenntnis in diesem Buch ist, dass Juristen sich eine Sphäre geschaffen haben, die für die übrigen Erdenmenschen unverständlich, abstrakt, ideologisch und daher durch ein einhergehendes Unbehagen unerreichbar scheint. Wesel übt schrfe Kritik und untermauert sie mit Ironie. Zitat: "All animals are equal, but some animals are more equal than others".

Und noch was ist zu sagen. Recht, schreibt Wesel, ist Sprache. Diese Tatsache ist Problemen unterworfen. Zum einen kann der, der Gesetze erlässt, etwas anderes gemeint haben, zum anderen kann der, der es aufnimmt, unterschiedlich verstehen. Plump gesagt, die "Trefferquote" lässt unwahrscheinliche Spielräume für Argumentationen offen. Machen sie sich ein eigenes Bild vom scheinbar "allwissenden Juristen"!

Ein phantastisches, spannendes Buch! *****

Tobias zur Mühlen, Berlin
Siehe auch:

> Fast alles, was Recht ist
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