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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenMontag, 23. Oktober 2017 

Der Opal


von Marcus Hammerschmitt

ISBN: 3886199606

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"Sie ist eine Auftragskillerin im Weltall..." Der Aufmacher für den SF-Spitzentitel des Argument-Verlags klingt ungewöhnlich reißerisch für einen Autor, der seine SF-Erzählungen bisher in Suhrkamps renommierter Phantastischen Bibliothek veröffentlicht hat (Target, Wind / Der zweite Versuch -- der wohl anspruchsvollsten SF-Reihe der 70er und 80er Jahre. Eine Space-Opera mit Anspruch?

Latil ist eine galaktische Söldnerin. Sie arbeitet für jeden, der genug bezahlt. Zur Zeit ist ihr Preis niedrig, denn ihre Credits sind aufgebraucht und sie hat einen Auftrag dringend nötig. Deshalb ist sie heiß darauf, das Raumschiff in den Opal zu erwischen. In den Opal? Ein abgeschlossener, lebendiger Kosmos, der sich durch eine Membran vor Eindringlingen schützt und den Anweisungen seiner Bewohner gehorcht -- meistens zumindest.

Im Opal trifft Latil ihre Auftraggeber, eine ihr scheinbar intellektuell weit überlegene Spezies. Sie soll einen Mord begehen, natürlich aus gutem Grund -- es gilt, die Welt zu retten. Was anfänglich wie ein schneller Job klingt, wird zu einer abenteuerlichen Reise, die Latil nicht nur mit den Auswüchsen einer dekadenten Gesellschaft konfrontiert, sondern sie auch an ihre eigenen Grenzen bringt.

Die Story könnte von Peter F. Hamilton sein, dessen Armageddon-Zyklus ähnlich ausgefuchst erzählt ist. Der exotische Hintergrund kann sich mit den Welten des Stanislaw Lem messen. Und doch: Marcus Hammerschmitt hat ein äußerst eigenständiges und eigenwilliges Buch geschrieben, in dem es vor ausgefallenen Ideen und durchgeknallten Figuren nur so wimmelt. Nach drei Baenden mit Erzaehlungen und Novellen ist Der Opal sein erster längerer Roman. Und zweifellos einer der besten SF-Romane dieses Jahres. --Sara Schade

Geht gut ab
Wer dieses Buch negativ beurteilt, hat Tomaten auf den Augen. Für Kritiken bei Amazon ist mr eigentlich die Zeit zu schade. Aber hier muß einfach mal klargestellt werden, daß der Opal ein saugutes und außerdem topaktuelles Buch ist. Man kann Bezüge zu der derzeitigen Gen-Debatte herstellen, die Story ist intelligent UND spannend, endlich mal ist eine Frau die Heldin des Ganzen, und sie ist weder nur rabiat und cool wie Gibsons Molly noch sanft und duldsam wie die SF-Statistinnen, die man auch immer noch findet. Der Anfang des Buchs zieht einem die Wurst vom Teller, die Auflösung des Plots am Ende ist sehr radikal und gleichzeitig sehr schlüssig, und dazwischen ist kein Wort zuviel. Endlich mal ein knackiges Ding, das nicht Hunderte von Seiten braucht, um eine packende Story zu erzählen. Wer weiter schnarchen will, kann sich ja den zehnten Band der Großsaga von XYZ reinziehen, ich les lieber Bücher wie das hier.

Sprachlich billiant
Normalerweise habe ich mit Science Fiction wenig am Hut. Dann empfahl mir ein Freund, der ein wirklich erfahrener Science fiction-Leser ist, zufällig "Der Opal" von M. Hammerschmitt, und ich muß sagen, ich bin begeistert. Vielleicht fällt das vielen SF-Fans nicht auf, aber die Sprache des Romans mit ihren Einflüssen aus Romantik und Surrealismus ist ungeheuer stark und frisch, vor allem ungeheuer bildstark. Wenn ich da nur an die Szene in der "Raumschiffzucht" denke, oder an den "Säulenwald". Und dann ist da natürlich die "Passage englouti", das höchst originelle und sympathische Raumschiff, mit dem die Heldin unterwegs ist. Ich habe immer sofort ein Bild, ohne daß ich alles verstehe; manchmal sind diese Bilder beängstigend, manchmal einfach nur schön. Vor einiger Zeit hat Hammerschmitt dann aus dem Buch im Radio gelesen, und da stellte sich heraus, daß der Autor nicht nur schreiben, sondern seine Arbeiten auch lesen kann. Ich bin gespannt, was er als nächstes macht.

Science Fiction, wie ich sie brauche
Man hat das selten genug in Deutschland: ein Autor geht hin, und zündet ein SF-Feuerwerk nach allen Regeln der Kunst. Einer der wenigen deutschen Texte der letzten Jahre, die diesem Anspruch gerecht werden, ist "Der Opal" von Marcus Hammerschmitt. Nicht nur, daß er es meisterhaft versteht, eine philosophische Tiefenebene in einer spannenden und farbenprächtigen Story zu verpacken, er verfügt auch über die poetische Ausdruckskraft, die "Subtext" und Plot erst plastisch werden läßt. Wie die Protagonistin Latil auf Jagd geht, wie sie sich mit ihren Auftraggebern und den irren Bedingungen im Opal auseinandersetzt, läßt einen an den Werbespruch "So nah, als wär man da" denken. Hammerschmitt scheint sich große Mühe gegeben zu haben, seine Phantasie im besten Sinne des Worts wirken zu lassen, und herausgekommen ist SF, wie ich sie brauche: Höchstwertung!
> Der Opal

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