Wir werden es erleben!
Sozialwissenschaftler und Historiker haben gelernt, unsere Gesellschaft immer genauer zu beschreiben. Aber sie können trotzdem nichts darüber aussagen, wie wir morgen leben werden. Diese Aufgabe haben sich Wissenschaftler gestellt, die sich selbst "Zukunftsforscher" nennen. Horst W. Opaschowski gehört in Deutschland zu den führenden Vertretern dieser Disziplin und hat jetzt mit seinem Buch eine reichhaltige, auch für Laien gut lesbare Bilanz seiner jahrelangen Arbeit als Leiter des von der B.A.T. in Hamburg finanzierten Instituts für Freizeitforschung vorgelegt. Wie also werden wir morgen leben? Auch Opaschowski weiß es nicht genau und warnt im ersten Teil seines Buches dringend vor den vielen, allzu sorglos aufgestellten, optimistischen Prognosen, wie sie in den 60er-Jahren in der USA und mit etwa zwanzig Jahren Verspätung auch in Deutschland beliebt wurden. Opaschowski möchte keine "Trendforschung" im Stil etwa eines Matthias Horx betreiben, sondern ernsthafte Wissenschaft. Zukunftsforschung ist für ihn auch Sorge um die Zukunft. Sein Buch besticht denn auch durch eine Fülle detailreicher Beschreibungen des Lebensgefühls der heute lebenden Generationen. Eine eindeutige Tendenz lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Opaschowski unterscheidet deshalb gleich zehn unterschiedliche Aspekte der westlichen Industriegesellschaften, die auch er "Trends" nennt, weil er meint, dass sie auch in Zukunft unser Leben bestimmen werden. Ein Paradies dürfen wir nicht erwarten: Wenn Opaschowski Recht hat, werden wir sehr mobil, global und vernetzt sein, aber ziemlich einsam unter einem immer noch wachsenden ungeheueren Leistungsdruck, der uns auch noch in der Freizeit heimsucht, und dem Traum eines ganz und gar individuellen Glücks nachjagen. --Brigitte Werneburg
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