Agile Softwareentwicklung im Großen
 | von Jutta Eckstein
ISBN: 389864250X | Probleme, Verbesserungshinweise und vieles mehr Jutta Eckstein hat das Buch ausgehend von der Hypothese, dass der Mangel an Kommunikation der häufigste Grund für fehlgeschlagene Projekte ist, geschrieben.Sie gibt eine Fülle von Erfahrungen mit großen Teams (Kap. 3), mit dem Prozess (Kap. 4), der Technologie (Kap. 5) und dem Unternehmen (Kap. 6) preis. Sie beschreibt dabei häufig auftretende Probleme und gibt Hinweise, wie man solche Situationen verbessern kann. Was mir besonders wertvoll erscheint, sind ihre Hinweise, wie man überhaupt erst einmal erkennt, dass das geschilderte Problem vorliegt. Dazu ein Beispiel der Problembeschreibung: "Eine Entscheidung, die zwar getroffen, aber nicht ausgeführt wird, ist das Gleiche, wie eine nicht getroffene Entscheidung. Nur wenn die Entscheidung wirklich umgesetzt und gelebt wird, wird man herausfinden, ob sie falsch oder richtig war." Und ein Beispiel, wie man das Problem erkennt: "Man erkennt es daran, dass immer wieder die gleichen Fragen diskutiert werden." Das Kapitel über Retrospektiven und dabei anwendbare Techniken (Metaplan und Open Space) hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich mir da noch ein paar weitere Literaturhinweise gewünscht hätte. Was ich im Buch erwartet hätte aber nicht (zumindest nicht im erwarteten Ausmaß) gefunden habe, ist eine Behandlung von verteilter Entwicklung, da meiner Erfahrung nach große Projekte oft auch verteilt entwickelt werden. Jutta Eckstein lässt zu diversen Themen auch andere Leute zu Wort kommen, mehrere Sichtweisen bringen Vielfalt und Abwechslung; passende Zitate am Anfang der Kapitel und verdeutlichende Zeichnungen/Karrikaturen mitten drinnen geben dem Buch eine sehr sympathische Note. In Summe ist dieses Buch sicher lesenswert, zumal es zu diesem Thema noch nicht viel Publiziertes gibt.
klar und deutlich und direkt anwendbar Agile Prozesse sind derzeit trendy. Jeder, der in der Software-Entwicklung etwas auf sich hält, beschäftigt sich irgendwie damit. Manche verdammen agile Prozesse als den Angriff der Anarchisten auf das Software-Ingenieurwesen, andere predigen das reine und vollständige agile Manifest, wieder andere verwenden nur einige agile Methoden und Praktiken, und einige benutzen das Schild „agil" um auf wesentliche Teile des Softwareentwicklungsprozesses gänzlich zu verzichten. Alle sollten das erfreulich klare und geradlinige Buch von Frau Eckstein lesen. Agile Prozesse sind weder Anarchie, noch Religion, sie können ganz oder in Teilen umgesetzt werden, und auf die Methoden und Praktiken, die sich gut in großen Projekten einsetzen lassen, geht Frau Eckstein intensiv ein. Ein kurzer Überblick über agile Prozesse, die nach der herkömmlichen Meinung besonders für kleinere und mittlere Projekte geeignet sind, und die inzwischen etablierte Begriffswelt genügt, um den Leser auf das agile Pferd zu heben. Die Frage, was kleinere von großen Projekten (außer der Größe) unterscheidet beantwortet das Buch sehr ausführlich. Zentraler Unterschied sind dabei die „soft factors" wie Teambildung und -dynamik, direkte Kommunikation und die bei sehr großen Projekten häufig anzutreffenden virtuellen Teams. Überhaupt überwiegen die sogenannten „soft factors" die methodischen und technologischen Aspekte im Projekt bei weitem. Folgerichtig nehmen Betrachtungen dieser weichen Faktoren den größten Raum im Text ein. Ein weiterer Abschnitt befasst sich mit dem wichtigen Thema des Umgangs mit Technologien, also Auswahl von Entwicklungstechniken, -tools und -architekturen. Hier wird insbesondere auch der Zusammenhang von agiler Entwicklung und großen Projekten verdeutlicht: Je größer ein Projekt, und damit ja auch das Produkt wird, umso wichtiger werden strukturelle Entscheidungen über Architekturen und Strategien, die in wohlüberlegten Standards und Programmierrichtlinien verbindlich festgelegt werden sollten. Projekte finden immer in einem Umfeld statt. Der Umgang des agilen großen Projekts mit dem Unternehmen in dem es durchgeführt wird, ist Frau Eckstein ein eigenes Kapitel wert. Kommunikations- und Organisationsstrukturen werden ebenso angesprochen wie der Zusammenhang des agilen Projekts mit unternehmensweit verbindlichen Vorgehensmodellen. Die Zusammenarbeit mit der Abteilung für Qualitätssicherung fehlt ebenso wenig wie Betrachtung der Rolle des Kunden. In dem Buch von Frau Eckstein finden sich eine große Menge von Beispielen aus realen Projekten bis hin zu einem vollständigen Projektbericht am Ende, die einem die praktische Anwendbarkeit der beschriebenen Praktiken plastisch verdeutlichen. Fazit: ein rundum gelungenes Buch. Vielen Dank, dass Sie es für mich geschrieben haben, Frau Eckstein ;-))
Am Thema vorbei geschrieben Von vielen bekannten Vertretern agiler Methoden hört man, dass agile Methoden wie beispielsweise "Extreme Programming" nicht für grosse Projektteams gemacht sind. Jutta Eckstein versucht, das Gegenteil zu beweisen. In einem einleitenden Kapitel diskutiert sie, nach welchen Prinzipien agile Prozesse für große Projekte gestaltet werden können. Allerdings bleibt sie bei allgemeinen Grundsätzen stecken, ohne greifbar zu machen, was Agilität in Grossprojekten bedeutet. Sie erwähnt agile Methoden wie FDD und Scrum, die in grossen Projekten eingesetzt werden, setzt sich allerdings nicht damit auseinander, was diese Methoden für grosse Projekte tauglich macht. Stattdessen bekommen wir eine längliche Diskussion zum Thema "Menschen formen den Prozess" und eine knappe und dadurch oberflächliche Wiederholung bekannter Grundsätze meist aus dem "Extreme Programming" einschliesslich einiger Stücke Beck'scher ZEN-Philosophie wie die Einschätzung von Dokumentation als "Ausdruck aufkommenden Misstrauens gegenüber dem Prozess und dem Team"./28/ Der Hauptteil des Buches befasst sich mit grossen Teams, dem Softwareentwicklungs-Prozess, dem Umgang mit der Technologie und dem Verhältnis zwischen Projekt und Unternehmen. Jutta Eckstein's Fazit ist, dass bei erfolgreichen Projekten "der Schlüssel bei Kommunikation und kontinuierlichem Feedback liegt."/201/ Entsprechend konzentriert sie sich auch auf Kommunikation im Projekt. Sie wiederholt eine Menge Richtiges über gutes Management - Teambildung, Notwendigkeit von Vertrauen, Respekt und Anerkennung, räumliche Nähe, regelmässige Meetings, Retrospektiven, ..., ohne jedoch in die Tiefe zu gehen. Merkwürdig blutleer wird das Buch dann, wenn es um die Frage geht, was man tun kann, damit Kommunikation und Feedback auch in einem grossen Projekt funktionieren. Viel mehr als Aufteilung in kleine Teams, gelegentliches Umsetzen von Teams im Grossraumbüro sowie ein Kommunikationsteam hat das Buch nicht zu bieten. Die Konzentration des Buches auf die weiche Faktoren (Werte, Kommunikation, Teambildung, ...) hat ihr Spiegelbild in der fast vollständigen Vernachlässigung der harten Faktoren (Strukturen, Steuerungsmechanismen, Systeme, ...), die auch nach Ansicht agiler Methodiker wie beispielsweise Alistair Cockburn mit zunehmender Projektgrösse einen zunehmend grössere Rolle spielen. Auch vor dem Hintergrund dieser Diskussion sollte ein Buch über agile Methoiden für Grossprojekte einer Auseinandersetzung mit Strukturen und formalisierten Kommunikationskanälen nicht ausweichen. Wenn sich Jutta Eckstein auf weiche Themen wie Kommunikation und Feddback konzentriert und die Besonderheiten von Grossprojekten herausgearbeitet hätte, hätte aufgrund des Erfahrungshintergrunds der Autorin ein nützliche und spannendes Buch entstehen können. Wer Informationen darüber sucht, wie man grosse Softwareprojekte agil oder wenigstens agiler gestalten kann, ist mit anderen Büchern besser bedient. Siehe auch: | > Agile Softwareentwicklung im Großen |
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