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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 17. April 2014 

Der NS- Film in der Schweiz im Urteil der Presse. Eine Dokumentation.


von Ernest Prodolliet

Kategorie: Presse & Verlagswesen
ISBN: 3905313073

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Neue Zürcher Zeitung NS-Filme in der Schweiz

Eine Dokumentation von Ernest Prodolliet

«Wenn in deutschen Filmen der Held mit einem Übermass an Heldischem und seine Gegenspieler mit einem Übergewicht an Karikatur dargestellt werden, so liegt diese theatralische Schwarz-Weiss-Manier dem Filmschweizer, der sich so lebhaft mit dem realistischen Dokumentarfilm beschäftigt, sehr wenig, und man müsste sein geistiges Wesen umkrempeln, wenn er sie goutieren sollte.» Der Satz stammt von Edwin Arnet und steht in seinem am 21. 2. 1940 in der NZZ erschienenen Artikel «Der deutsche Film in der Schweiz. Eine Klarstellung». Nicht von ungefähr zitiert der Freiburger Filmhistoriker Ernest Prodolliet die Passage in seiner willkommenen Dokumentation zur Präsenz und Rezeption des nationalsozialistischen Films in der Schweiz zwischen 1933 und 1945.

Als nationalsozialistisch ist in diesem Zusammenhang ein Film definiert, der das Prädikat «staatspolitisch besonders wertvoll» beziehungsweise «staatspolitisch wertvoll» durch das Propagandaministerium respektive dessen «Filmoberprüfstelle» erhalten hatte. Von den 1113 Spielfilmen der Jahre 1933–45 erhielten nur deren 90, entsprechend 8 Prozent, diese Auszeichnung. Davon wiederum dokumentiert Prodolliets Untersuchung 58 Titel, «deren Aufführung, Nennung oder Verbot in der Schweiz in der genannten Periode nachweisbar ist und für die eine ausreichende Information in der Schweizer Presse vorliegt». Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf Zürich. Zur Kontrolle wurde die Basler und Berner Tagespresse sowie die Filmpresse beigezogen.

Im grossen und ganzen ist der Schweizer Kritik ein bemerkenswertes Unterscheidungsvermögen zu attestieren. Nur auf den ersten Blick dominieren zustimmende Urteile, die – vor allem bei den Filmen von Carl Froelich, Veit Harlan oder Wolfgang Liebeneiner – künstlerische Aspekte wie Kameraarbeit oder schauspielerische Leistungen betreffen. Auf Anmassung und Verfälschung historischer Sachverhalte wird ebenso scharfsichtig und mit teilweise äusserst deutlichen Worten reagiert wie auf ideologische Tarnung, wobei die Filme ja zum Teil von der Zensur bereits entschärft worden waren. Gerne hätte man etwas über die Verleihfirmen erfahren, deren Werbetexte vom Autor wiederholt als Beispiele für vorbehaltlose Übernahme der Nazi-Propaganda angeführt werden. Interessant zu sehen ist aber auch, dass sich der «Filmschweizer» sein Teil offensichtlich selber dachte und den NS-Produktionen nur in Ausnahmefällen zu längeren Laufzeiten verhalf.

Christoph Egger

Kurzbeschreibung Mit der Machtergreifung der NSDAP 1933 übernahm der Film in Deutschland eine besondere Rolle als Propagandainstrument. Filme, von denen sich das Propagandaministerium eine aussergewöhnliche Wirkung auf das Publikum versprach, wurden als "staatspolitisch wertvoll" ausgezeichnet. In der Schweiz, die rund einen Fünftel ihrer Spielfilme aus Deutschland importierte, reagierte man mit Skepsis auf die neue Ideologie des deutschen Films. Der Autor zeigt auf, wie Spielfilme, die von den...


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