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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 24. Mai 2013 

Joel & Ethan Coen


von Peter Körte

ISBN: 3929470985

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"Wir sind glücklich, dass überhaupt einer unsere Filme mag." Angesichts ihrer Arbeit glaubt man den Gebrüdern Joel und Ethan Coen die Äußerung aus dem Einstiegsinterview dieses Bandes sogar. Denn Leinwandprodukte wie Raising Arizona, Fargo oder The Big Lebowski sind nun wirklich nicht am Massengeschmack ausgerichtet. Dennoch (oder gerade deswegen?) gelten die Coen-Brüder seit ihrem Regie-Erstling Blood Simple von 1984 als herausragende Filmemacher.

Prompt wurden die beiden Gegenstand des zweiten Bandes der film-Reihe des Berliner Bertz-Verlages. Einer Buchserie, die man getrost zu den besten in Deutschland zählen kann. Jedenfalls dann, wenn man fachkundige und detaillierte Werkanalysen schnell geschriebenen Fanbüchern vorzieht. Da das Jahr 2000 einen neuen Coen-Streifen (O Brother, Where Art Thou?) hervorbrachte, hat man passenderweise auch dem Buch eine Neuauflage spendiert, in der sich Georg Seeßlen dieses Filmes annimmt. Wie bei seinen Kinovorgängern auch wird zunächst die Handlung genauestens nacherzählt und kommentiert (inklusive ausführlichster Fotostrecken), alsdann erfährt das Werk eine Gesamtwürdigung. Die den Filmkapiteln nachgestellte Filmografie ist ausführlich wie immer in dieser Buchreihe, oder kann sich irgendjemand an den Kurzauftritt von Joel Coen in Spione wie wir erinnern? Hier steht er drin!

Eines sind die Filme der Coens nie, das hat man mit diesem Band schriftlich: langweilige Allerweltsprodukte. Denn "Coen County ist bekanntlich der Hölle verwandter als der psychologisch-realistischen Dramenwelt". Was aber nicht bedeutet, man müsse Coen-Vorstellungen immer erschüttert verlassen. Deren Wirkung auf den Zuschauer kann man kaum besser ausdrücken als Seeßlen in seinem das Buch beschließenden Essay: "Immer wenn ich aus einem Film der Coen-Brüder komme, empfinde ich ein seltsames, unbrauchbares Gefühl der Zärtlichkeit". --Joachim Hohwieler

Filmbuch auf hohem Niveau, das trotzdem Spaß macht.
Die Filmbücher aus dem Bertz-Verlag sind eigentlich immer sehr gut, und mit geringen Abstrichen gilt das auch für das Coen-Buch. Zunächst das Positive: Das Buch ist optisch äußerst ansprechend gestaltet und mit reichhaltigen Filmfotos in guter Qualität illustriert. Diese fügen sich auch optimal in den Text ein, dh. sie passen zu den jeweiligen Passagen, illustrieren das gerade Erläuterte und sind daher mehr als nur optischer Reiz. Die Essays sind zumeist sehr ansprechend und auf einem hohen Niveau, aber trotzdem auch dann verständlich, wenn man kein Filmstudent ist. Bei den Dingen, die Herausgeber Seeßlen selbst geschrieben hat, gilt dies nicht so ganz: Man muss einen ziemlichen kulturgeschichtlichen und wissenschaftlichen Background haben, um das alles zu verstehen. Um ehrlich zu sein, manchmal scheinen seine Interpretationen übertrieben. Aber das kann den Eindruck nur minimal trüben. Interessant ist es nämlich allemal, sich einmal durch diese Gedankengänge zu kämpfen; irgendwie habe ich doch bei jedem neuen Versuch wieder einen Aha-Effekt, obwohl ich's hundertptozentig immer nch nicht kapiert habe. Diese aus meiner Sicht etwas schwierigen Texte machen aber nicht den Hauptteil des Buches aus. Erfreulich ist, dass auch dem Film "Crimewave" ein ganzes Kapitel gewidmet ist, zu dem die Coens das Drehbuch geschrieben haben, den sie aber nicht inszeniert haben. Tipp: Die Richtige Mischung aus Anspruch und Unterhaltung wird im Konkurrenzwerk von Kilzer/Rogall m.E. besser getroffen, aber es lohnt sich auf jeden Fall, beide zu haben, wenn man sich für die Coens interessiert. Also: Trotz eines gewissen Hanges zum Fachchinesisch ein gelungenes und unterhaltsames Buch!
Siehe auch:

> Joel & Ethan Coen
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