SCHLAGZEILEN, Nr. 48, Sept./Okt. 1999
SM-Literatur hat häufig zwei Mängel. Entweder mangelt es ihr an Authentizität oder der Autor/die Autorin kann nicht schreiben. Beides trifft auf dieses Buch nicht zu. Vanessa Z. Goy weiß ganz offensichtlich, wovon sie spricht, und sie kann ihre Erfahrungen und Phantasien stilsicher umsetzen. Ihre Kurzgeschichten und Gedichte drehen sich um die dunklen Facetten des SM, so qualvoll, grausam und demütigend diese auch sein mögen. Für den Leser ist das genauso lustvoll und schmerzlich wie für die Betroffenen, denn hier wird nichts tabuisiert oder verniedlicht. Vanessa Z. Goys Charaktere sind reale Menschen, die sich vor der eigenen Lust fürchten und es trotzdem schaffen, innere Grenzen zu überschreiten. Wirklichkeitsnahe Klinikspiele finden hier ebenso statt wie scharfe ("Hunde")-Dressuren und lustvoll erniedrigende Rollenspiele. Die Härte der Stories wird durch den distanzierten, oft kühlen Stil der Autorin noch verstärkt, der nur Raum für die Lust läßt, aber kein falsches Mitleid kennt. Vanessa Z. Goy schreibt aber nicht nur, sie weiß die Objekte ihrer Begierde auch fotografisch ins rechte Licht zu rücken. Abgerundet wird das Buch durch einige ihrer Fotoarbeiten sowie ein Gemälde von Kay Zilinski. "Qualvolle Liebe" ist keine nette Bettlektüre und gerade deshalb absolut lesenswert. (TWILIGHT, Nr. 24, Okt. 1999) Die Autorin hat sich hier etwas weiter vorgewagt als viele andere Autoren, die zum Thema SM schreiben. Ihre Texte sind mehr als erotische und anregende Geschichten (das sind sie auch), sie leuchten die Motive dahinter aus, versuchen, sich auch den meist ausgeklammerten Seiten einer SM-Beziehung zu widmen, blicken hinter die Kulissen eines Rollenspiels. Da, wo es um Macht, Hingabe, Unterwerfung geht, lauern auch die dunklen Schatten aus den gerne mißachteten Tiefen unserer Persönlichkeit.
Kurzbeschreibung
»Qualvolle Liebe« ist keine Sammlung netter, gefälliger Stories, die SM einmal mehr auf die Ebene locker-leichter Rollenspiele reduziert. Werden Macht und Ohnmacht, Schmerz, Demut und Erniedrigung von Vanessa Z. Goys Figuren auch oftmals auf klassische Weise inszeniert, wagt es die Autorin dennoch, das selbst unter bekennenden SMern oftmals tabuisierte »Dahinter«, die erschreckendsten Gefühle und Sehnsüchte, die schwärzesten Abgründe der menschlichen...
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