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"failed states" / "failing states" - Beg
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Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> "failed states" / "failing states" - Beg
 
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vanti
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Anmeldungsdatum: 07.11.2006
Beiträge: 296
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 13 Dez 2006 - 13:12:59    Titel: Re: Signapur angreifen?

v2.web hat folgendes geschrieben:

Was meint Ihr?



Das du GANZ schnell ein arzt aussuchen solltest.
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 13 Dez 2006 - 13:26:56    Titel:

borabora hat folgendes geschrieben:
Präziser wäre es von schwachen staatlichen Strukturen zu sprechen, die das Territorium nicht durchdringen. Dann liegt auch die Frage nahe: Warum? Fehlende Legitimation? Innerstaatliche Konflikte?
Ein Familienclan wäre eine Art Opposition. Wieso sollte das alleine einen "failed state" ausmachen?

Für die intl. Gemeinschaft ist es zunächst auch nur wichtig, dass der Staat nach außen souverän ist - in innerstaatliche Angelegenheiten dürfen sich weder die UN noch andere einmischen (oder nur in eng begrenzten Ausnahmefällen).


Ok, ich verstehe das Abgrenzungsproblem. Wie würde man das Somalia nach 1991 bis 2000 nennen, nach dem es dort keine staatlichen Strukturen mehr gab, diese also auch nicht als schwach bezeichnet werden können?

Der Unterschied zwischen Souveränität nach aussen und innen ist auch klar, doch wage ich zu bezweifeln, dass Somalia nach aussen hin souverän ist. Den Familienclan in Puntland als Opposition zu bezeichnen halte ich für sehr gewagt. Stelle dir vor Niedersachen´s Christian Wullf hält Familienrat und erklärt Niedersachsen zur unabhängigen Republik Christiana Wulfia und der Rest Deutschlands kann nichts dagegen machen.

Beste Grüße
coffeinjunky
Lamasshu
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Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beiträge: 3995

BeitragVerfasst am: 13 Dez 2006 - 13:51:33    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:

Der Unterschied zwischen Souveränität nach aussen und innen ist auch klar, doch wage ich zu bezweifeln, dass Somalia nach aussen hin souverän ist. Den Familienclan in Puntland als Opposition zu bezeichnen halte ich für sehr gewagt. Stelle dir vor Niedersachen´s Christian Wullf hält Familienrat und erklärt Niedersachsen zur unabhängigen Republik Christiana Wulfia und der Rest Deutschlands kann nichts dagegen machen.


Streng präzise müßte in solchen Fällen zuvörderst gefragt werden, ob hier überhaupt ein Staat besteht. Nach nicht ganz unüblicher Kategorisierung ist eines der drei Staatskriterien nämlich noch immer die Staatsgewalt, die theoretisch gänzlich fehlen kann.
Da die Wirklichkeit aber die Politikwissenschaft kaum erst nimmt, bzw. völlig ignoriert, sind solche Einteilungen sprichwörtlich akademischer Natur. Bisweilen kommt mir der Wissenschafts-Praxis-Transfer gerade in den Politikwissenschaften sehr dürftig vor, wenn sich das bspw. mit den Wirtschaftswissenschaften ähnlich schlimm verhalten würde hätten hier einige Akademiker mit Gestaltungsanspruch längst das Handtuch geworfen Wink
borabora
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Anmeldungsdatum: 05.06.2005
Beiträge: 6273

BeitragVerfasst am: 13 Dez 2006 - 17:31:20    Titel:

Oder man fragt grundsätzlich ob die europäischen Auffassungen von Staatlichkeit überhaupt auf Afrika angewandt werden können.

Ich kenne mich leider mit Somalia überhaupt nicht aus, insofern kann ich diese Familienherrschaft nicht beurteilen. Führten die eine Art Monarchie ein? (das ist im Grunde auch eine "Familienherrschaft")
Lamasshu
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Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beiträge: 3995

BeitragVerfasst am: 13 Dez 2006 - 18:12:48    Titel:

Die "Republik" Somalia ist ein sehr undankbarer Forschungsgegenstand, da er sich so ziemlich jeder konkreten Aussage entzieht. Der Begriff Monarchie trifft es in meinen Augen nicht, gleich in welcher der feineren Untergliederungen. Persönliche tendiere ich dazu das "Regierungssystem" des noch immer im Chaos versunkenen Landes Somalia zwischen einem schwach formalisierten und regional verankerten (Neo)patrimonialismus - mit einem nur geringen Augenmerk auf dem "neo" - und einer Stratokratie mit "geringen Einstiegshürden" einzuordnen. Partiell mit einem klar erkennbaren schichts- und funktionsübergreifenden fundamentalistischen Einschlag.

Das ist aber auch nur eine etwas differenziertere Verklausulierung für einfacherer Worte: In Somalia herrscht kein System, sondern Anomie. Allein die Tatsache, dass manche Menschen dort über mehr Autorität aufgrund Patrilinearität, Klerikalität (im Süden) und Gewalt (sowohl manifest als auch strukturell) verfügen, verhindert ein völliges Abgleiten in die Anarchie.
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
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Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 13 Dez 2006 - 18:59:15    Titel:

Lamasshu hat folgendes geschrieben:
Streng präzise müßte in solchen Fällen zuvörderst gefragt werden, ob hier überhaupt ein Staat besteht. Nach nicht ganz unüblicher Kategorisierung ist eines der drei Staatskriterien nämlich noch immer die Staatsgewalt, die theoretisch gänzlich fehlen kann.


Da war ja aber mal ein Staat vorhanden. Also muss es einen Übergang vom "Staat" zum "Nicht-Staat" gegeben haben. Wenn diese Länder nicht bzw. nicht mehr als failed states bezeichnet werden, wie denn nun dann?

Somalia ist in der Tat ein schlechter Forschungsgegenstand. Die meisten Einkommensstatistiken über Somalia basieren auf Schätzungen, wobei die letzten verfügbaren Daten meines Wissens von 1975 stammen. Zumindest habe ich bei entsprechender Gelegenheit keine besseren nicht geschätzten Daten finden können.

Die "Zeit" sprach übrigens mal von der "Somalisierung", als sie einen Begriff für den Zerfall eines Staates gesucht haben. Dies ruft die Kritik von Gunnar Myrdal ins Gedächtnis, der sagte, man dürfe nicht von Entwicklungsländern sprechen, da dieser Begriff impliziert, dass sie sich entwickeln würden.

Beste Grüße
coffeinjunky
borabora
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Anmeldungsdatum: 05.06.2005
Beiträge: 6273

BeitragVerfasst am: 13 Dez 2006 - 20:30:35    Titel:

Wie finanziert sich Somalia? Gibt es dort Bodenschätze? Oder über "Mitleids-renten" (Entwicklungshilfe)?

Aber gut einen weiteren (Neo-)patrimonialen Staat zu kennen. Ich schreibe gerade an einer Arbeit zum Neopatrimonialismus... Wer interessante Literaturvorschläge dazu hat kann sie mir gerne via PN zukommen lassen.

Wie denn dann wenn nicht "failed state": Noch ist der Staat ja da, also völlig "failed" kann er nicht sein. Außer man bezeichnet alle Staaten ohne staatliche Strukturen die annähnernd, wenigstens von außen, nicht den westlichen Modellen entsprechen als "failed". Dann umfasst das Konzept jedoch weite Teile der Welt und ob es dann noch sinnvoll ist es anzuwenden ist doch mehr als fraglich.
Derzeit lese ich viele Texte die sich mit "failing state" behelfen. Dieser Begriff hätte wenigstens etwas prozesshaftes.
Oder, ich glaube der Begriff ist noch neuer, "Schattenstaat".

Vielleicht sollten wir versuchen den Begriff "failed state" zu definieren?
Wer hat denn den Begriff überhaupt ins wissenschaftliche Feld geführt?
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 13 Dez 2006 - 21:59:38    Titel:

borabora hat folgendes geschrieben:
Noch ist der Staat ja da, also völlig "failed" kann er nicht sein.


Aber er war zumindest von 1991 bis 2000 nicht vorhanden, sondern wurde durch eine Art der Anarchie abgelöst, bei der verschieden Warlords in Form traditioneller Familienclans um die Macht kämpften. Die 2000 neu aufgebaute "Regierungstruppe" ist zwar vorhanden, aber auch Abhängig von der Gunst der Clan-Führer. Also kann das alte Somalia durchaus als failed angesehen werden.

borabora hat folgendes geschrieben:
Vielleicht sollten wir versuchen den Begriff "failed state" zu definieren? Wer hat denn den Begriff überhaupt ins wissenschaftliche Feld geführt?


Zugegeben, bei der Benutzung dieses Begriffes stütze ich mich auf sage und schreibe eine Quelle, nämlich "Entwicklungspolitik" von Frank Nuscheler (BPB, 2005, S.104), welcher die Begriffserklärung mit der Klassifizierung von "Le monde diplomatique" einleitet, deren Autoren den Begriff der "entités chaotiques ingouvernables" einführten.

Ob Somalia ein Opfer natürlicher Ressourcen oder von bestimmten Faktorausstattungen ist wage ich zu bezweifeln, muss aber zugeben, dass dies nur Vermutungen sind.

Beste Grüße
coffeinjunky



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Lamasshu
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Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beiträge: 3995

BeitragVerfasst am: 13 Dez 2006 - 22:28:33    Titel:

Coffeinjunky stimme ich zu, es gibt praktisch keine verlässlichen Wirtschaftsdaten für Somalia oder auch nur für Mogadischu, dem einzigen Flecken an dem noch Wirtschaft im modernen Sinne betrieben wird.
"Keine Angaben" ist demnach ein zwar unbefriedigendes, aber grundehrliches Statement.

borabora hat folgendes geschrieben:
Wie finanziert sich Somalia? Gibt es dort Bodenschätze? Oder über "Mitleids-renten" (Entwicklungshilfe)?


Wo wenig Staat ist, muss dieser auch nur wenig finanziert werden. Die ländlichen Gebiete werden wohl zunehmend von der Subsistenzwirtschaft geprägt, an Ausfuhren hat Somalia ohnehin fast nur landwirtschaftliche Güter (u.a. Bananen, wie vermeintlich "klassisch" für Schwarzafrika) zu bieten. In der "Hauptstadt" soll es zwar sehr turbulent und wirtschaftlich durchaus lebhaft zugehen, aber eben überaus ungeordnet. Es gibt im ganzen Land bspw. auch keinen funktionierenden Banksektor, für so etwas müßte es Rückversicherer, staatliche Garantien usw. geben.
Entwicklungshilfe gibt es, glaube ich, schon, allerdings fließt diese teilweise direkt zu den Warlords und wird auch aus dem arabischen und südasiatischen Raum gezahlt.

borabora hat folgendes geschrieben:

Aber gut einen weiteren (Neo-)patrimonialen Staat zu kennen. Ich schreibe gerade an einer Arbeit zum Neopatrimonialismus... Wer interessante Literaturvorschläge dazu hat kann sie mir gerne via PN zukommen lassen.


Schreibt Coffeinjunky nicht auch gerade über ein zumindest regional verwandtes Thema?
Somalia als eben solchen Staat in einer Zwischenform einzuorden ist eher meine Privatmeinung, als Autorität bin ich auf diesem Gebiet auch rein gar nicht zitierfähig. Ein "regulärer" neopatrim. Staat ist doch noch etwas geordneter. Literatur fällt mir ad hoc leider nicht.

Der Begriff "failing state" gefällt mir recht gut, da er dynamischer ist und eine momentane Entwicklung anstelle eines abgeschlossenen Endzustandes beschreibt. In meinen Augen zeichnet einen solcher Staat der Zerfall der Staatsgewalt und der Übergang des Gewaltmonopols auf nichtstaatliche oder andersstaatliche (bspw. aus dem Ausland) Gruppierungen aus. "Verschwinden" kann ein Staat heute nur noch schwerlich, allein schon da inzwischen praktisch jeder Flecken fruchtbare und unfruchtbare Erde des Planetens zu Staatsgebiet erklärt worden ist. Ob ein Staatsvolk im großen, freilich nur formaljuristischen Stil verschwinden kann entzieht sich ehrlich gesagt meinem juristischen Wissen zu diesem Thema, dürfte aber selten vorgekommen sein.

Ist euch übrigens aufgefallen dass ausgerechnet die Moderatoren hier vom Thema ablenken? Smile
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 13 Dez 2006 - 22:38:42    Titel:

Lamasshu hat folgendes geschrieben:
Ist euch übrigens aufgefallen dass ausgerechnet die Moderatoren hier vom Thema ablenken?


Ich nehme alle Schuld auf mich, aber es steht euch ja auch frei das Thema zu teilen. Wink

Beste Grüße
coffeinjunky
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