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Wie Islamisten und Neonazis eine neue Achse des Bösen bilden
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AtaTurkiye
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Anmeldungsdatum: 12.12.2006
Beiträge: 41

BeitragVerfasst am: 20 Dez 2006 - 19:22:07    Titel: Wie Islamisten und Neonazis eine neue Achse des Bösen bilden

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Der Feind meines Feindes ist mein Freund Laughing

Nun ist es also amtlich: Islamisten und Rechtsextremisten verstärken nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes ihre Zusammenarbeit. Es stellt sich die Frage, wie lange die Behörden über diese neue Achse schon im Bilde sind - und ob wertvolle Zeit für eine Gegenstrategie vertrödelt wurde.

Von Michael Wolffsohn

Nun ist es also amtlich: Islamisten und deutsche Rechtsextremisten verstärken ihre Zusammenarbeit. Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Fromm, hat dies vor Kurzem erklärt. Bis dato war diese Tatsache zumindest öffentlich tabu. War sie den Sicherheitsbehörden schon länger hinreichend bekannt? Zweifel daran sind erlaubt, und deshalb könnte wertvolle Zeit für die Entwicklung einer operativen Gegenstrategie vertan worden sein - vor allem vom früheren Bundesinnenminister Otto Schily.

Im Oktober 2000 war die islamistisch-rechtsextremistische Kooperation auf deutschem Boden eigentlich für jedermann sichtbar: Auf die Düsseldorfer Synagoge war ein Brandanschlag verübt worden. Der Verdacht fiel sofort auf deutsche Rechtsextremisten, woraufhin Bundeskanzler Gerhard Schröder sich an die Spitze des Protestes stellte und den "Aufstand der Anständigen" forderte. Kurz darauf stellte sich heraus, dass die unanständigen Täter dem islamistischen und weltlich-arabisch-antiisraelischen Umfeld zuzurechnen waren.

Wenige Tage später bewarfen Islamisten und arabische Nationalisten auf einer antiisraelischen Demonstration in Essen die Alte Synagoge mit Steinen und riefen antizionistische Parolen. Deutsche Rechtsextremisten standen mit ihren Spruchbändern dabei und klatschten. So war die Allianz von Deutsch-Altneurechts und Islamismus sichtbar. Kurz danach habe ich in einem Artikel für die WELT dieses tagespolitische Aktionsbündnis in den historischen Zusammenhang gestellt.

Kurz nach Veröffentlichung meines Artikels, im Dezember 2000, traf ich am Rande einer Tagung Bundesinnenminister Otto Schily und sprach mit ihm darüber. Er kritisierte meine Analyse. Sie entbehre jeder faktischen Grundlage. Seine Behörden hätten über eine Zusammenarbeit zwischen deutschen Rechtsextremisten und Islamisten oder arabischen Nationalisten keinerlei Erkenntnisse. Man könne Gefahren auch herbeireden oder herbeischreiben.

Herbeischreiben? Was lehrt die Zeitgeschichte? In den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts erhielt der politische und geistliche Führer der Palästinenser, Amin al-Husseini, der "Großmufti" von Jerusalem, für seinen antizionistischen Kampf Waffen von Hitler-Deutschland. Dieser Früh-Islamist zettelte im Mai 1941 zusammen mit irakischen Nationalisten einen Aufstand an, dem zahlreiche Juden zum Opfer fielen. Deren "Verbrechen": Sie waren Juden.

Die Briten schlugen - ebenso wie Husseinis palästinensische Revolte der Jahre 1936 bis 1939 - 1941 den irakischen Aufstand nieder. Doch dessen Anführer, al-Gailani und der Großmufti, erhielten im nationalsozialistischen Deutschland politisches Asyl. Der Großmufti zeigte seine Dankbarkeit für die Gastfreundschaft Hitlers unter anderem dadurch, dass er in dessen Herrschaftsbereich Muslime für Deutschland und den Holocaust zu aktivieren versuchte. Heutigen Islamisten gilt der Großmufti als "Held", und Irans jetziger Präsident Ahmadinedschad ist bekanntlich nicht gerade ein Kritiker Adolf Hitlers.

Nach 1945 fanden viele "Alte Kämpfer", darunter hohe SS-Offiziere, Unterschlupf in der Arabischen Welt. In den Siebziger- und Achtzigerjahren bildeten Jassir Arafats Fatah und andere Palästinensergruppen vornehmlich im Libanon neben deutschen Links- auch Rechtsterroristen aus, darunter die Wehrsportgruppe Hoffmann und den rechtsextremistischen Bombenleger vom Münchner Oktoberfest 1980.

Auch ohne Kenntnis dieser historischen Tatsachen erkennt man die Gemeinsamkeiten der Akteure dieser "antagonistischen Kooperation" (Mao). Deutsche Rechte und Islamisten oder weltlich-arabische Terroristen einte schon immer der Hass auf Zionismus und Israel, auf Amerika, den Kapitalismus und den (angeblich ebenfalls "jüdischen") Kommunismus.
Ideologie und Geschichte schufen seit den Dreißigerjahren "bewährte" Kommunikations- und Operationsstrukturen. Konnten unsere Sicherheitsdienste, allen voran Innenminister Schily, wirklich erwarten, dass ein solches Aktionsbündnis freiwillig auf "Bewährtes" verzichten würde?
In der Medizin würde man von einem "Kunstfehler" sprechen. Wie nennt man das in der Sicherheitspolitik?
conservativ
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Anmeldungsdatum: 20.12.2006
Beiträge: 96

BeitragVerfasst am: 20 Dez 2006 - 19:26:42    Titel:

Jetzt fehlen nur noch die Kommunisten und dann ist die "Achse des Totalitarismus" komplett.
asgard
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Anmeldungsdatum: 19.12.2006
Beiträge: 40

BeitragVerfasst am: 20 Dez 2006 - 20:06:32    Titel:

Würde das ganze ehr als Zweckbündnis betrachten, weil die Unterschiede ja doch ernorm sind.
Immerhin müssen die Nazis in den Augen der Islamisten als Ungläubige betrachtet werden, da viele der Rechtsradikalen(zumindest die die genug im Kopf haben, sic über solche Sachen Gedanken zum machen) Atheisten sind. Glaubensmäßig müssten die Moslems also zumindest theoretisch näher an den Christen sein, als an Nazis.
Die meisten Muslime entsprechen auch nicht gerade so dem rassischen Weltbild der Rechten. Die NPD vertritt offen ein Rückführung der Imigranten, vor allem aber der Türken und der nicht-europäischen Ausländer.
Klar gemeinsame Gegner gibt es genug - Juden, Demokraten, eigentlich alle Vertreter der westlichen Systeme, an der Spitze die USA.
Auch eine gemeinsame historiche Grundlage gibt es, zu den oben genannten Fakten fällt mir noch die muslimische SS Division Himmlers ein, die 43 aufgestellt wurde.
Ja Iran ist so ne Sache, der Ahmadinedschad betreibt die Holocaustleugnung aber nur aus einem Grund, nämlich um Israel das Existenzrecht zu nehmen. Nazis haben zu diesem Thema kontroverse Positionen. In der SS Zeitung Schwarzes Korps wurde sogar zeitweise ein Israelischer, besser jüdischer Staat bejaht. Die "Endlösung" stand erst mit der Radikalsierung durch den Krieg im Raum.
Als in allem denke ich aber, dass die oben genannten Thesen nicht haltbar sind. Als Mitkämpfer mögen die beiden Parteien sich nur argwöhnisch beäugeln, eine feste politische Partnerschaft wird sich aber nicht tragen.
Carcharoth
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Anmeldungsdatum: 19.07.2006
Beiträge: 1536

BeitragVerfasst am: 20 Dez 2006 - 20:13:22    Titel:

Hallo AtaTurkiye,
dass Rechtsextreme im Untergrund teilweise mit islamistischen Gruppierungen zusammenarbeiten, ist dem Verfassungsschutz schon länger bekannt, und dahingehende Nachrichten brachte u.a. der SPIEGEL, wenn ich mich recht erinnere, schon vor einigen Jahren. Du erzählst also nicht wirklich etwas neues. Aber wie Asgard halte ich das ganze weniger für ein Bündnis zwischen Brüdern im Geiste als vielmehr für eine Zweckgemeinschaft, die nicht weniger brüchig ist als eine Koalition zwischen zwei politischen Parteien. Die gemeinsamen Nenner dürften dabei gewisse Feindbilder sein: Israel und Juden, Türken (sic!) sowie (hierzulande) die Bundesrepublik Deutschland.

Allerdings wäre es unbedingt vonnöten, dass du die Quelle deines dennoch aufschlussreichen Artikels benennst, da du ansonsten vermutlich gegen geltendes Urheberrecht verstößt.
schelm
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Anmeldungsdatum: 31.07.2006
Beiträge: 4313

BeitragVerfasst am: 20 Dez 2006 - 20:19:02    Titel:

asgard schrieb :

Zitat:
Würde das ganze ehr als Zweckbündnis betrachten, weil die Unterschiede ja doch ernorm sind.


Sehe ich auch so. Sollten sie je ihre gemeinsamen Ziele erreichen , würden sie hinterher über sich selbst herfallen.

Zitat:
Glaubensmäßig müssten die Moslems also zumindest theoretisch näher an den Christen sein, als an Nazis.


Muslime ja , Islamisten weder noch. Die kochen ihr eigenes Süppchen und schrecken auch nicht davor zurück , Gläubige beider Religionen zu bekämpfen.

M.f.G. Schelm
Lamasshu
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Moderator


Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beiträge: 4006

BeitragVerfasst am: 21 Dez 2006 - 01:46:46    Titel:

asgard hat folgendes geschrieben:
Die meisten Muslime entsprechen auch nicht gerade so dem rassischen Weltbild der Rechten. Die NPD vertritt offen ein Rückführung der Imigranten, vor allem aber der Türken und der nicht-europäischen Ausländer.
[...]
Auch eine gemeinsame historiche Grundlage gibt es, zu den oben genannten Fakten fällt mir noch die muslimische SS Division Himmlers ein, die 43 aufgestellt wurde.


Den meisten bekennenden Anhängern der oben genannten Partei spreche ich das Differenzierungsvermögen zwischen den verschiedenen außereuropäischen Ausländern ebenso ab wie die Kenntnis der nationalsozialistischen Ausgangstexte, namentlich natürlich Mein Kampf. Rein aus einem historischen Kontext heraus ist es durchaus interessant zu untersuchen, wie eigentlich im Nationalsozialismus und dessen führenden Größen zwischen den verschiedenen Ethnien differenziert wurde. So läßt sich ein ausgeprägter Türkenhass aus Hitlers (wenigen) Aussagen über die Türken eher nicht herleiten. Diese galten in seinen Augen durchaus als ein (weiteres) Herrenvolk aus der Steppe, welches eine Reihe von minderwertigeren Ethnien unterworfen und sich somit einen angestammten Platz an der Sonne erworben hat. Hitler ging niemals so weit eine Gleichheit zwischen der "arischen" und der "türkischen Ethnie" herzustellen, aber er zollte ihnen durchaus Anerkennung. Einige Wissenschaftler sehen in diesen wenigen Passagen auch den Hauptgrund, weshalb Mein Kampf in der Türkei eine so große Beliebtheit auch außerhalb der wissenschaftlichen Quellenlektüre genießt.
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