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Körperverletzung, Nötigung
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citsch
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Anmeldungsdatum: 20.01.2006
Beiträge: 37

BeitragVerfasst am: 30 Dez 2006 - 13:26:12    Titel: Körperverletzung, Nötigung

Hallo,

mich würden mal Meinungen zu folgender Situation interessieren:

Albert sieht wie sich Berta und Claus, der als Radfahrer unterwegs ist, verbal streiten. Beide sind ihm persönlich unbekannt, dennoch möchte er Berta helfen und packt Claus von dessen Rückseite aus am Arm. Daraufhin dreht sich Claus um und schlägt Albert ins Gesicht.

Albert zeigt Claus wegen Körperverletzung an. Claus argumentiert, dass er sich erschrak als Albert ihn von der Rückseite angegangen ist und Albert im Affekt zum eigenen Schutz geschlagen hat. Außerdem zeigt er Albert wegen Nötigung an. Wie stehen die Erfolgsaussichten der beiden Anzeigen?

Ich wünsche allen einen guten Start ins neue Jahr!
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 30 Dez 2006 - 15:24:07    Titel:

A: § 223 an C durch Packen am Arm: (-) Erheblichkeitsschwelle der 1. Alternative wohl eher nicht überschritten, es mangelt zumindest an dafür sprechenden Sachverhaltsangaben.
A: § 240 an C durch Eingreifen in den Streit mittels Packen am Arm: (-) Ich sehe hier das Rw-Kriterium der Verwerflichkeit für nicht gegeben; aber sicher diskutabel, da es sich hier weder um einen handfesten Streit handelte (dann ggf. ohnehin Nothilfe), noch sich ein solcher ankündigte. Es fragt sich, inwiefern ein unbeteiligter Dritter in das "Recht auf (gewaltlosen) Streit" mittels Gewalt gegen eine Person eingreifen darf. As Verhalten bewerte ich zumindest als nicht unproblematisch, eine Strafbarkeit halte ich aber eher für fernliegend.

C: § 223 an A durch Schlag ins Gesicht: (-) Da es ersichtlich am Körperverletzungvorsatz mangelt; die Ausführungen des C halte ich für nicht fernliegend.
C: § 229 an A durch Schlag ins Gesicht: (+) Notwehr wäre kurz anzudiskutieren (gerade auch, weil es nach hM ja bei einer Fahrlässigkeitstat keines Notwehrwillens bedarf, der "Affekt" also durchaus ausreichend wäre), scheitert aber konsequenterweise schon am rechtswidrigen Angriff. Anzudiskutieren wäre ferner eine eigenverantwortliche Selbstgefährdung durch A (C befand sich wohl in Rage; A näherte sich ihm von hinten), die ich aufgrund der Unvorhersehbarkeit der heftigen Affekthandlung aber wohl eher verneinen würde.

Ich käme hier also spontan nur zu einer Strafbarkeit des Claus wegen fahrlässiger Körperverletzung an Albert.
citsch
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Anmeldungsdatum: 20.01.2006
Beiträge: 37

BeitragVerfasst am: 03 Jan 2007 - 17:19:19    Titel:

Ja danke für die Antwort.

Ich würde evtl. auch eine Putativnotwehr des Claus sehen. Ein Verteidigungswille ist ja erkennbar, auch wenn es keinen rechtswidrigen Angriff durch Albert geben mag. Kann Putativnotwehr eigentlich auch im Affekt geschehen?
Gabile
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Anmeldungsdatum: 03.01.2007
Beiträge: 6
Wohnort: Sachsen

BeitragVerfasst am: 04 Jan 2007 - 00:45:51    Titel: Körperverletzung, Nötigung

Hallo "Citsch",

lustig Dein Name, klingt wie "Spittel"........nein, war nicht bös' gemeint Laughing

Ich habe alles sehr aufmerksam gelesen und kann mich eigentlich nur im großen und ganzen dem Vorredner, StR Tobi anschließen.

Meine Sichtweise ist:
Wenn Claus zuschlägt, nur weil ihn Albert von einem Streit mit Bertha abhalten will, ist dies einfach unverhältnismäßig und somit kein Kavaliersdelikt oder ein "Mißverständnis".

Claus hat sich meines Erachtens nach in jedem Falle der Körperverletzung schuldig gemacht,
ob leicht oder grob fahrlässig, müssten dann allerdings die Gerichte entscheiden.

Gruss
Gabile
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 04 Jan 2007 - 01:00:18    Titel:

@Gabile
Die Unterscheidung nach Fahrlässigkeitsstufen spielt hier, und weitestgehend im Strafrecht allgemein, keine Rolle. Ist eher eine Sache des Zivilrechtes.

@citsch
Komische Konstellation mit "im Affekt" + "zum eigenen Schutz", ist mir so glaube ich noch gar nicht untergekommen. Bin allerdings mit dir der Meinung, dass man einen ETBI sehr wohl anschneiden kann, war da bei der Bejahung des Vorsatzes bei C: § 223 etwas zu schnell. Würde spontan nicht sagen, dass die Affektierung (stehnisch durch den Streit und/oder astehnisch durch den Schreck aufgrund der plötzlichen Berühung) eine Auswirkung auf den ETBI hat. Dass der Irrtum mit Affekt einhergeht spielt meiner Meinung nach keine Rolle, das wird wohl immer der Fall sein. Ist bzgl. seiner Ausprägung eher eine Frage der Fahrlässigkeitsschuld würd' ich mal meinen.
Gabile
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Anmeldungsdatum: 03.01.2007
Beiträge: 6
Wohnort: Sachsen

BeitragVerfasst am: 04 Jan 2007 - 02:13:24    Titel: Körperverletzung, Nötigung

Hallo Tobi,

so eine Ausdrucksweise, wie "zum eigenen Schutz"
habe ich selbst schon gehört und zwar, nachdem ich von meinem damaligen Freund 2 malig am Hals gewürgt worden bin, bis ich Todesangst und keine Luft mehr bekam. als ich mich tot stellte, ließ er endlich ab.

Er hat dann feige, wie er ist, später behauptet, ich hätte ihn angegriffen und er mußte sich "notwehr-verteidigen".
Die Verletzungen hätte ich mir selbst zugefügt, um ihm zu schaden.....

Die Geschichte hier erinnert mich ein wenig an meinen damaligen "Freund" ....
Aber es ist mir nur dabei eingefallen und hat natürlich überhaupt nichts mit dem obigen Beitrag gemein !!!

Es ist halt s(eine) Form sich auszudrücken. Jeder, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.

Vielen Dank für Deine Stellungnahme. Ich freue mich, mit meiner
Einschätzung nicht so ganz falsch gelegen zu haben.

Gute Nacht und liebe Grüsse
vom "Gabile"
citsch
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Anmeldungsdatum: 20.01.2006
Beiträge: 37

BeitragVerfasst am: 08 Jan 2007 - 13:44:40    Titel:

Ja danke erstmal für die Antworten!

Ich habe die Frage noch in anderen Foren gestellt. Und die Meinungen sind ja - unabhängig von juristischer Vorbildung - sehr divers. Die Nötigung z.B. habe ich erst hinein genommen, nachdem jemand meinte es läge zwar eine Nötigung vor, diese sei aber durch Notwehrhilfe gedeckt.

Ich schätze mal, dass in solch einem Fall auch unterschiedliche Gerichte unterschiedlich entscheiden würden.

@Gabile:
Wer oder was ist >Spittel<?
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